Bei Schneeregen wird eben drinnen gesprochen: der Oberbürgermeister und die Mitarbeiter beim Richtfest im Neubau. Foto: factum/Granville

Wie die Jungfrau zum Kinde ist der Oberbürgermeister Bernhard Schuler zum Rathaus-Neubau gekommen, wie er gerne bekennt. Beim Richtfest freuen sich alle über die schnellen Fortschritte auf der Baustelle, auf der es bislang keine Probleme gibt.

Leonberg - „Bei schönem Wetter kann ja jeder Richtfest feiern“, scherzt die Stadtkämmerin Bettina Beck und schüttelt ihren knallroten Regenschirm aus. War am Montag noch strahlend schönes Wetter, so sieht es einen Tag später nass und ungemütlich auf. „Aber vielleicht ist das auch gut so. Denn so hat man mehr Verständnis dafür, was die fleißigen Arbeiter hier auf der Baustelle bislang schon geschafft haben“, sagt der Oberbürgermeister Bernhard Schuler ins einer Eröffnungsrede.

Dafür erntet er kräftigen Applaus – von den genannten Bauarbeitern, aber auch von seinen eigenen Mitarbeiterin im derzeitigen Neuen Rathaus. Denn diese erleben den rasanten Baufortschrift jeden Tag mit. Wessen Büro zur Eltinger Straße zeigt, der hat den Neubau keine zwei Meter entfernt vor der Nase.

Rasant ist ein gutes Stichwort für den OB. Die Geschwindigkeit, mit der die nun wirklich umfangreiche Diskussion über Sinn und Unsinn des Neubaus geführt, das Für und Wider der vier Bauvarianten abgewogen, die Ausschreibung erfolgt und schließlich der Rohbau hochgezogen worden sind, das sei keine Selbstverständlichkeit, lobt Schuler. Die Zeit hat bei diesem Projekt immer gedrängt – schließlich läuft die Betriebserlaubnis für das derzeitige Neue Rathaus nur noch genau ein Jahr. Auch der Innenausbau und der Umzug müssen zügig vorangehen.

„Wir sind bislang unfallfrei und termingerecht“, vermeldet Georg Willuhn, der technische Geschäftsführer des Bauunternehmens Wolff & Müller. Bislang seien 900 Tonnen Stahl sowie 6500 Kubikmeter Beton am Belforter Platz verbaut worden. „Wenn das so weiter geht, dann können wir die Schlüssel pünktlich zum Jahresende an die Stadt übergeben“, sagt Willuhn. Am Ende wird der Neubau auf über 9000 Quadratmetern eine Touristeninformation sowie die Stadtverwaltung unter einem Dach vereinen, die bislang auf fünf Gebäude verteilt ist. 900 Mitarbeiter aus neun Ämtern werden im Januar und Februar 2017 hier einziehen. Einzig das Ordnungs-, Bürger- und Standesamt bleibt weiterhin im historischen Rathaus am Marktplatz.

Für das Projekt am Belforter Platz inklusive Tiefgarage, Abriss des jetzigen Rathauses und Außenanlagen sind 25 Millionen Euro eingeplant. Und die Arbeit geht weiter: Derzeit wird im Gemeinderat über die Gestaltung des Vorplatzes diskutiert.

„Das Rathaus ist nicht das Kind, dass ich gewollt habe“, wiederholt der Oberbürgermeister beim Richtfest. Aber auch die ungewollten Kinder müsse man lieben. Einzig einen Namen hat das Kind noch nicht. Wird es einfach „Rathaus Leonberg“ heißen? Oder „Neues Rathaus“, wie der noch bestehende Vorgänger? Oder auch „das neueste Leonberger Rathaus“, wie der SALZ-Gemeinderat Frank Albrecht einst vorschlug? „Ich bin für einfach Rathaus. Aber das wird der Gemeinderat noch entscheiden“, schmunzelt Schuler.

Kurze Rathaus-Karriere

Altbau
Anfang der 1960er Jahre als Landratsamt des Kreises Leonberg erbaut, wurde es nach der Verwaltungsreform von 1973 von der Stadt als „Neues Rathaus“ genutzt.

Neubau Im März 2013 die Hiobsbotschaft: gravierende Mängel beim Brandschutz und der Elektrik. Der Gemeinderat entscheidet sich für einen Neubau. Im April 2015 wurde die Baustelle eingerichtet, im Juni der Sitzungssaal abgerissen, im Juni war der erste Spatenstich.

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