Großalarm für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst. Fast 100 Helfer sind im Einsatz. Foto: SDMG

A - bends um halb neun heulen die Alarmsirenen: Im Seniorenzentrum Samariterstift brennt es! Eine Angestellte ermittelt sofort das Zimmer im ersten Stock, aus dem der Brand am Mittwochabend gemeldet wird. Ein Rückblick.

Leonberg - Abends um halb neun heulen die Alarmsirenen: Im Seniorenzentrum Samariterstift brennt es! Eine Angestellte ermittelt sofort das Zimmer im ersten Stock, aus dem der Brand am Mittwochabend gemeldet wird. Sie läuft hin und öffnet die Tür – doch aus dem Zimmer kommt Rauch. Jetzt macht sie das einzig Richtige: Sie schließt die Tür wieder und beginnt, die rund 25 Bewohner des Traktes in Sicherheit zu bringen.

Zeitgleich läuft die Rettungskette für den Großeinsatz an: Die Feuerwehr Leonberg rückt mit zehn Fahrzeugen und 59 Wehrleuten an, der Rettungsdienst mit fünf Wagen und 20 Helfern sowie die Polizei mit sechs Autos und zwölf Beamten.

Direkter Draht zu den Einsatzkräften

Alles passiert innerhalb weniger Minuten. Denn die Einsatzkräfte werden direkt über eine Brandmeldeanlage in der Seestraße alarmiert. „Das ist eine der technischen Vorschriften, die in unserem Haus gelten“, sagt Uwe Breuninger, der Regionalleiter des Samariterstifts. Das Pflegeheim ist, wie alle Einrichtungen dieser Art, mit einer direkten Verbindung zur Feuerwehr ausgestattet. Schlägt nämlich einer der Rauchmelder an, die sich in jedem Raum und jedem Flur befinden, geht die Meldung direkt an die Brandretter. „Ohne dass jemand bei uns darauf einwirken kann, das wollen wir auch nicht“, erläutert Uwe Breuninger.

„Die Feuerwehr rückt dann automatisch mit einem Löschzug aus, das sind die Drehleiter und drei Löschfahrzeuge“, sagt Wolfgang Zimmermann, der Gesamtkommandant der Leonberger Wehr.

Als die Feuerwehr eintrifft, tritt bereits Rauch aus dem Fenster. Über die Brandmeldeanlage ermitteln die Wehrleute sofort das betreffende Zimmer. Eine Samariterstift-Mitarbeiterin informiert den Einsatzleiter über den Stand der Dinge.

Über die Notrufanlage des Pflegeheims geht jeder Alarm automatisch auch bei den diensthabenden Angestellten ein, damit die gleich reagieren können. „Die Mitarbeiterin hat vorbildlich gehandelt“, lobt Kommandant Zimmermann die Pflegekraft.

30 Minuten lang hält die Tür stand

„Das Haus ist in Brandabschnitte unterteilt, die automatisch mit Brandschutztüren abgesichert werden“, erklärt Uwe Breuninger vom Samariterstift. „Die Tür wieder zu schließen, ist Vorschrift. Die Zimmer in den Heimen sind als eigene Brandschutzzonen gebaut.“ Die können bei geschlossener Tür bis zu 30 Minuten lang verhindern, dass das Feuer sich im Gebäude ausbreitet, erklärt Zimmermann.

„Regelmäßige Schulungen unserer Mitarbeiter, damit sie sich im Notfall richtig verhalten, die Rettungswege und die Abläufe kennen, gehören bei uns dazu. Auch wollen wir sie für Gefahrenquellen sensibilisieren“, berichtet Uwe Breuninger.

Die Feuerwehrleute dringen mit Atemschutzgeräten in das Zimmer vor und bringen die 67-jährige Frau, die eine schwere Rauchgasvergiftung erlitten hat, ins Freie. Weil insgesamt 72 Bewohner im Haus sind, werden auch Löschfahrzeuge aus den Außenwachen Gebersheim, Höfingen und Warmbronn angefordert. „Doch bis auf die Bewohner der acht Zimmer im Brandabschnitt, die vorübergehend in anderen Räumen untergebracht wurden, konnten alle wieder in ihre Zimmer zurück“, so Kommandant Zimmermann.

Die Feuerwehr kann den Brand schnell löschen und die 67-jährige Bewohnerin aus ihrem Zimmer retten. Sie wird ins Krankenhaus eingeliefert. Nachdem die Räume mit großen Gebläsen belüftet worden sind, können die meisten Menschen wieder in ihre Zimmer zurück oder werden anderswo untergebracht. Weitere Menschen werden nicht verletzt. Die Polizei vermutet, dass die Frau den Brand selbst verursacht hat. Die Ermittlungen zur Brandursache dauern noch an. Am Donnerstagvormittag war die Spurensicherung der Kriminalpolizei vor Ort.

Viele Vorschriften

„Wir müssen als Betreiber viele Brandschutzvorschriften befolgen, aber das Rauchen können wir den Bewohnern nicht verbieten, denn sie haben immer noch das Recht der Selbstbestimmung“, erklärt der Samariterstift-Regionalleiter.

Nach den Adventskerzen sei Rauchen die zweithäufigste Ursache für einen Brand in Pflegeheimen. „Als Alternative bieten wir zwar Rauchen in Begleitung an, aber davon Gebrauch zu machen, ist niemand gezwungen“, so Uwe Breuninger.

Den entstandenen Schaden schätzt die Polizei auf rund 50 000 Euro. Während des Rettungseinsatzes musste die Seestraße bis 21.45 Uhr gesperrt werden.

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