Foto: BUND

Der BUND hat es sich zum Ziel gemacht, die Artenvielfalt im Höfinger Katzental zu erhalten. Die seltenen Pflanzen sollen besser geschützt werden. Doch es gibt uneinsichtige Menschen, die die Arbeit der Naturfreunde behindern.

Leonberg -

Küchenschelle, Bienen-, Ragwurz und Silberdistel – mit diesen Ausdrücken können nicht alle Menschen etwas Anfangen. Dabei handelt es sich bei all diesen Begriffen um vom Aussterben bedrohte, seltene Pflanzen. Eigentlich bekommt man die ja kaum zu sehen. Für Leonberger befinden sie sich allerdings in unmittelbarer Nähe.

Spaziergänger, die in den kommenden Frühlingswochen einen Gang am Höfinger Naturdenkmal „Ob dem Katzental“ unternehmen möchten, sollten vielleicht ein Pflanzenkundebuch einpacken. Das 1,4 Hektar große Gebiet hinter dem Parkplatz Waldeck hat nämlich einiges an seltenen Blumen und Kräutern zu bieten. Warum erklärt Susanne Güth, Biologin und Vorstandsmitglied vom BUND Leonberg: „Wiesen sind nichts Selbstverständliches. In der Natur gibt es nur selten Wiesen, da sie durch natürliche Sukzession sehr schnell bewaldet werden.“ Der BUND Leonberg kümmert sich seit 2006 um das Trockenrasengebiet, das aus mehreren Wiesen besteht. Seit 1991 gilt es als Naturdenkmal. Die Stadt Leonberg lässt die Wiesen einmal im Jahr von einem Bauern mähen, manchmal weiden auch Ziege und Schafe auf dem Gebiet. Durch schmale Wege getrennt bilden die einzelnen Wiesen ein Ökosystem voller seltener Pflanzen und Tiere.

Gefahr für die heimischen Gewächse

Doch den einheimischen Pflanzen winkt Gefahr: Gartenflüchtlinge aus den umliegenden Gärten, Birken und kanadische Goldruten verdrängen sie und nehmen Nährstoffe und Licht. Hier beginnt die Arbeit des BUND: „Wir wollen die Vielfalt auf den Wiesen erhalten“, erklärt Gudrun Sach, die Schriftführerin des BUND. Deshalb trifft sich einmal im Jahr im Juni eine kleine Gruppe von acht bis neun Leuten, um den unliebsamen Pflanzen zu beseitigen. „Die Stadt stellt einen Container zur Verfügung und wir buddeln alle Pflanzen aus, die die Artenvielfalt auf den Wiesen bedrohen“, erklärt Sach weiter. „Das sind zwei Tage Rückenschmerzen, doch das nehmen wir gerne in Kauf.“ Ein Blick über die Wiesen zeigt, dass sich die Arbeit lohnt. Überall blühen Pflanzen, Vögel zwitschern und man kann sogar Grillen beobachten.

Doch etwas stört das harmonische Bild: Viele Hundebesitzer werfen ihre Hundekottüten einfach so in die Natur, anstatt sie in die dafür vorgesehenen Mülleimer zu werfen. „Das stört nicht nur die Optik, das Plastik schadet auch der Umwelt“, sagt Susanne Güth. „Auch uneingetüter Hundekot stört das Biotop, da er Nährstoffe liefert, die die Magerwiesen nicht vertragen.“

Überall in den Wiesen sind kleine Löcher

Außerdem fällt noch etwas anderes auf: überall in den Wiesen sind kleine Löcher. Und diese stammen nicht alle von Wühlmäusen. „Wir haben ein Problem, weil immer wieder Menschen die Küchenschellen ausgraben und im heimischen Garten einsetzen“, erklärt Max Urlichs vom BUND. „Doch das ist ein fataler Fehler, die Küchenschellen sind auf den Trockenwiesen beheimatet, die Gartenerde ist zu fett.“

Die Küchenschellen fehlen also nicht nur in der Natur, sondern sterben auch sehr schnell in einer unbekannten Umgebung. Doch was ist, wenn man seinen Garten trotzdem mit der hübschen Blume verschönern möchte? „Dafür gibt es eine ganz einfache Lösung: Ich habe neulich im Baumarkt Küchenschellen für zwei oder drei Euro gesehen. Die gibt’s dann auch in weiß oder rot und die sind extra für den Garten gezüchtet“, sagt Susanne Güth.

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