Verschuldet, süchtig und dann ein Handy geklaut – dafür gab es Bewährung. Foto: dpa

In einem Elektronikladen ließ ein 32-Jähriger ein Handy mitgehen, wurde aber vom Kaufhausdetektiv erwischt. Weil der Angeklagte bereits wegen anderer Delikte vorbestraft ist, wird er zu zwei Jahren auf Bewährung und gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Leonberg - Weil er ein Mobiltelefon im Wert von nicht einmal 70 Euro mitgehen ließ, ist ein 32-Jähriger nur knapp einer Haftstrafe entgangen. Der Angeklagte, der mit einer Bewährungsstrafe davon kam, musste sich nicht zum ersten Mal vor dem Leonberger Amtsgericht verantworten.

Er habe kein Handy gehabt, wollte aber eins haben. Mit dieser simplen Rechtfertigung umschrieb der 32-Jährige sein Vergehen im vergangenen Mai. Damals, so die Anklageschrift, hatte der Mann einen Elektrofachmarkt im Leo-Center aufgesucht und das Handy entwendet. Der Angeklagte selbst hatte an seine Tat nur vage Erinnerungen. „Ich war zu der Zeit in der Substitutionsbehandlung“, erklärte der Angeklagte, dem die Ersatzdroge angeblich arg zugesetzt hatte.

An das, was an jenem Tag geschah, konnte sich indes der markteigene Detektiv bestens erinnern. „Der Angeklagte machte einen benommenen Eindruck, hatte rote Augen und fiel mir daher sofort auf“, so der 47-jährige Sicherheitsmann. Von da an sei er ihm auf den Fersen geblieben. Dem Detektiv zufolge entfernte der 32-Jährige zunächst das Sicherheitsband von der Handyverpackung und nahm anschließend das Mobiltelefon heraus. „Nachdem er festgestellt hatte, dass sein Treiben nicht unbemerkt blieb, stellte er das Handy in ein Regal zurück“, erklärte der Detektiv.

Um nicht aufzufallen, habe sich der 47-Jährige dann entschieden, den Verdächtigen über das Kamerasystem zu beobachten. „Er wiegte sich in Sicherheit und griff erneut nach dem Handy“, berichtete der Detektiv. Doch bevor er das Geschäft verlassen konnte, schnappte die Falle zu. „Ich hielt ihn an und fragte nach dem Handy“, so der Sicherheitsmann. Noch während der Angeklagte den Besitz abgestritten habe, sei das Telefon aus seiner Hose gerutscht.

Angesichts der ausweglosen Situation am Amtsgericht setzte der Angeklagte alles daran, seine Haut zu retten. Er verwies auf die finanziellen Probleme, mit denen er sich seit Jahren herumschlägt. „Früher betrieb ich einen Kurierdienst, musste aber Insolvenz anmelden“, so der arbeitssuchende 32-Jährige. Mit dem angehäuften Schuldenberg sei selbst der Schuldnerberater überfordert gewesen, erklärte der Angeklagte, der außerdem noch Unterhaltszahlungen an seine geschiedene Ehefrau und den gemeinsamen Sohn anführte.

Bei der Staatsanwältin konnte er damit nicht punkten. Zumal der 32-Jährige nicht zum ersten Mal vor Gericht stand. „Handel mit Betäubungsmitteln, Trunkenheit am Steuer und mehrere Diebstähle“, zählte die Staatsanwältin auf, die dem Angeklagten zumindest zugute hielt, dass er die Tat einräumte. Doch da Geldstrafen allein bislang wirkungslos blieben, müsse zu anderen Mitteln gegriffen werden, resümierte sie.

Die Staatsanwältin forderte eine Freiheitsstrafe von drei Monaten, die unter Umständen zur zweijährigen Bewährung ausgesetzt werden könne. Richter Armin Blattner schloss sich dem Plädoyer an und verhängte eine Bewährungsstrafe. Zudem verurteilte er den Angeklagten zu 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit und ordnete an, ihn einem Bewährungshelfer zu unterstellen, um auch die Finanzprobleme in den Griff zu bekommen. Abschließend mahnte er den 32-Jährigen: „Vorsicht, nächstes Mal droht Gefängnis!“

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