Nicht nur Blumen für die Damen: Gleichberechtigt wollen die Frauen sein. Foto: dpa

Das Frauennetzwerk lädt zum Weltfrauentag zum gemeinsamen Frühstück ein. Neben gutem Essen und Spaß gibt es auch die passende politische Botschaft: Für die Gleichberechtigung von Mann und Frau muss noch viel getan werden. Besonders in Baden-Württemberg.

Leonberg - Ein lautes „Au ja, das schaffen wir!“ schallt durch die Steinturnhalle. Etwa 130 Frauen sitzen an langen Tischreihen, schlürfen Kaffee oder Orangensaft. Und lauschen gespannt der Rede von Manuela Rukavina. Sie ist Vorsitzende der Verdi-Frauen in Baden-Württemberg und sitzt im Vorstand des Landesfrauenrates. „Lasst uns uns gemeinsam engagieren. Nur wer sich engagiert, verändert“, ruft sie. „Au ja, das machen wir“, schallt es zurück.

Es ist Frauentag und der Verein Frauenzentrum hat mit der Lokalen Agenda zum Frühstück in die Steinturnhalle Leonberg eingeladen. Zwischen Kaffeekränzchen und politischer Veranstaltung, zwischen gemütlichem Beisammensein unter Freundinnen und Netzwerken bewegt sich dieser Vormittag. Genau diese Mischung mache den Erfolg aus, meint Renate Strauss, die die Veranstaltung moderiert. „Würden wir nur zu einem politischen Vortrag einladen, würden nicht so viele Frauen kommen“, sagt sie. Für das Essen sorgt das Frauenzentrum, das zudem das Fair-Trade-Siegel der Stadt erhält. Für den Spaß sind die „Fun Actors“ zuständig mit Improvisationstheater voller Musik, witziger Darstellung und Tränenlach-Garantie.

Die Mischung macht den Erfolg aus

Den politischen Teil gestaltet Manuela Rukavina, und zwar mitreißend. „Das ist eine Übung im Improvisationstheater, die ich liebe und auch im politischen Handeln umsetze. Um nicht zwischendrin den Mut und die Kraft zu verlieren“, erklärt die Soziologin. Statt auf Errungenschaften der Vergangenheit zu blicken, legt sie den Finger in die Wunden der Gegenwart. Drei Punkte benennt sie: den Armuts- und den Reichtumsbericht, die die Landesregierung derzeit erstellt, das Chancengleichheitsgesetz und die politische Beteiligung von Frauen.

Der Armutsbericht sei begrüßenswert. „Denn erstens sind Frauen immer armutsgefährdeter als Männer und zweitens ist das Thema im reichen Baden-Württemberg lange nicht offen diskutiert worden“, sagt sie. Doch sie bemängelt: der Fokus des Berichts liege vor allem auf Kinderarmut. Das sei zwar wichtig, jedoch hätten Eltern auch ein Geschlecht. „Bei beschäftigten Frauen mit Kindern sind drei Viertel nicht in der Lage, für sich und ein Kind langfristig zu sorgen“, so die Verdi-Fachbereichsleiterin. Bei der Novellierung des Gleichstellungsgesetzes müssten die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten gesetzlich verankert werden, fordert sie. Große Zustimmung im Saal, immerhin wurde eben jener Posten in Leonberg erst vor einigen Jahren wieder abgeschafft.

Zu wenige Frauen entscheiden

Knackpunkt jeder Frauenpolitik sei jedoch die Partizipation. Und dabei sehe es im Bundesland schlecht aus. 78 Prozent der Gemeinderatsmitglieder sind Männer, 84 Prozent im Kreistag und 80 Prozent im Landtag. „Da wundert es nicht, dass so wenig geschlechtergerechte Politik gemacht wird. Wir müssen Frauen wählen und so viele Menschen um uns herum davon überzeugen, dass die Kandidatinnen genauso gut sind“, fordert die Rednerin. „Au ja, das machen wir!“, ruft das Publikum.

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