Butterbrezel und Einwanderungspolitik: Die Schüler von ASG und JKG haben viele Fragen an Stefan Thien von der AfD. Foto: factum/Bach

Die Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums wollen beim politischen Frühstück lieber mit der Alternative für Deutschland diskutieren, als nur über sie. Dabei gehen sie durchaus kritisch mit den Positionen der Partei um.

Leonberg - Stefan Thien sitzt in hellblauem Hemd und dunkelblauer Weste inmitten von Schülern an einem Tisch. Politisches Frühstück im Albert-Schweitzer-Gymnasium ist an diesem Montag angesagt. Die Butterbrezel hält er in der Hand, den Weg in den Mund findet sie aber nicht. Zu viele Fragen haben die Schüler an den AfD-Vertreter.

Sie fragen nach der Pegida-Bewegung, deren Demonstrationen in Dresden mehrere zehntausend Menschen anlocken, und ob es eine Verbindung mit der AfD gibt. „So richtig haben wir nichts mit Pegida zu tun. Aber man muss anerkennen, dass es sich um eine Massenbewegung handelt. Wir stimmen aber bei einigen Positionen überein“, sagt der Sprecher des AfD-Kreisverbandes, was der Position eines Vorsitzenden entspricht.

Dann leitet der Herrenberger schnell über zu einer dieser Positionen: die Regelung der Zuwanderung. Ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild soll her.

Wer einen gefragten Beruf erlernt hat, bekommt mehr Punkte als jemand, der unqualifiziert ist. Aber auch das Alter spielt eine Rolle. „Wenn einer 55 Jahre ist, ist es egal, wie gut er ausgebildet ist. So viel kann er gar nicht mehr bei uns verdienen, als dass es für eine ordentliche Rente reicht“, argumentiert Thien. Die Fortsetzung „und liegt damit dem Sozialstaat auf der Tasche“, schwingt dabei mit.

„Das finde ich jetzt diskriminierend“, meint eine Schülerin. Ob das Punktesystem auch für Asylbewerber und Flüchtlinge gelten solle, wollen die Zwölftklässler wissen. „Das Asylrecht wird nicht angetastet, das ist im Grundgesetzt garantiert. Bei den Flüchtlingen sind wir dafür, ihnen vor Ort zu helfen. Wir sehen nicht, dass die Flüchtlinge gerecht auf Europa verteilt werden, sie kommen alle nach Deutschland“, breitet der AfD-Sprecher die Position seiner Partei aus.

Bei den Schülern kommt das weniger gut an. „Alle Menschen sind gleich. Wenn du sagst, du kommst hier rein, aber du nicht, ist das sehr krass“, sagt einer. Auch andere Themen kommen zur Sprache, etwa mehr Elemente der direkten Demokratie.

Dann ist Wechseln angesagt. Stefan Thien nimmt seine Brezel mit nach nebenan. Reinhard Stübner, der Kreisvorsitzende der Linken kommt herein – mit einer unangetasteten Brezel in der Hand. Zeit zum Essen bleibt den Politikern beim Frühstück anscheinend kaum.

Der Berufsschullehrer im Ruhestand kommt gleich zur Sache, genauer gesagt einem Kernthema seiner Partei: der Reichensteuer. Die Schüler zeigen sich hervorragend informiert, eine lebhafte Diskussion entspinnt sich über Steuergerechtigkeit und Abwanderung von Gutverdienern. Einen Punkt macht der Linken-Politiker am Ende doch: „Ich denke da immer an John F. Kennedy, der sagte: Frage nicht, was der Staat für dich tun kann. Sondern frage dich, was du für die Gesellschaft tun kannst.“ Das Thema brennt unter den Nägeln. Wie passend, dass gleich Dieter Maurmaier von der FDP kommt, einer früher erklärten Steuersenkungspartei. Bei Bernd Murschel von den Grünen geht es mehr um Umweltthemen, während Sabine Kurtz (CDU) die Schüler mit Fragen zur Schule, zu G 8 und G 9 löchert. Angelika Klingel (SPD) stellt sich sozialen Themen.

Nach anderthalb Stunden ist das Frühstück vorbei, es folgt eine Podiumsdiskussion für alle Schüler der Klassen 11 und 12. Auch hier bilden Pegida und die AfD den Einstieg, es geht um die Anschläge von Paris, Islamismus und den Umgang mit Flüchtlingen. „Die AfD gehört mittlerweile zur deutschen Politik dazu. Es ist gut, dass wir auch mal mit spezielleren Parteien reden können“, findet Chiara Stalmacher. Der Auftritt des AfD-Vertreters hat sie nicht überzeugt, er habe immer schnell von Pegida abgelenkt. Ob die NPD auch zu den spezielleren Parteien gehört? „Ich glaube, so schnell wird niemand die NPD einladen. Schon allein, weil der Nationalsozialismus so viel im Unterricht behandelt wird“, meint Robin Kaufmann.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: