Im Alten Arbeitsamt kommen vorerst keine Flüchtlinge unter. Foto: factum/Archiv

Derzeit werden weitere Gebäude umgebaut und Container aufgestellt. Bislang gibt es bereits rund 530 Asylbewerber am Engelberg. Bis Juni werden 910 Heimatlose in der Stadt Leonberg untergebracht werden.

Leonberg - Mehr als jeder dritte Asylbewerber im Kreis Böblingen ist derzeit in einer Notunterkunft untergebracht. In Leonberg sind es sogar mehr als die Hälfte. 320 Plätze umfassen die beiden Turnhallen am Beruflichen Schulzentrum, insgesamt waren Ende Januar 524 Flüchtlinge in der Großen Kreisstadt einquartiert. Das geht aus Zahlen des Landkreises hervor. Doch dadurch ergeben sich nicht nur erhebliche Einschränkungen für den Schulbetrieb und Sportunterricht am BSZ sowie anderen Berufsschulen. Die Notunterkünfte bergen wegen der nur unzureichend abgetrennten Abteile auch ein höheres Konfliktpotenzial, wie auch der jüngste Vorfall in der Weissacher Heckengäuhalle zeigt (wir berichteten).

„Aus diesem Grund haben wir uns im Herbst des vergangenen Jahres daran gemacht, Alternativen in Leonberg zusammenzutragen und dem Kreis Böblingen anzubieten“, erklärt Peter Herrle. Der persönliche Referent des Oberbürgermeisters leitet die verwaltungsinterne Projektgruppe Flüchtlings- und Obdachlosenunterbringung.

Im November präsentierte diese ihr Konzept im Gemeinderat. Es umfasste vier Standorte für Containersiedlungen sowie sechs Immobilien, die als Gemeinschaftsunterkunft umgebaut werden könnten. Zusammen mit den bestehenden vier Unterkünften waren dabei 1100 Plätze für Asylbewerber zusammengekommen. Mittelfristiges Ziel ist es dabei, genügend Kapazitäten zu schaffen, um die beiden Turnhallen wieder frei zu bekommen.

  Ausgangspunkt war die Annahme, dass bis Ende 2016 rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland einwandern. Dann müssten von den 9000 dem Kreis Böblingen zugeteilten Asylsuchenden 1107 in Leonberg untergebracht werden. „Die vorgeschlagenen Plätze und Gebäude sind mittlerweile von Vertretern des Landratsamtes begutachtet worden“, berichtet Herrle. Im Vergleich zum November haben sich einige Veränderungen ergeben: Gebersheim Der Standort im Gewerbegebiet – eine private Immobilie – war ursprünglich für 50 Personen vorgesehen. „Dort kommen nun 30 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge hin“, sagt der OB-Referent. Weitere 35 Minderjährige werden im Haus Bahnhofstraße 5 in Altstadtnähe untergebracht. In beiden Gebäuden laufen die Umbauarbeiten auf Hochtouren. Warmbronn Zunächst war die Wiese hinter der Staigwaldhalle für eine Containersiedlung mit 150 Plätzen vorgesehen. Nach Protesten von Vereinen und dem Ortschaftsrat wurden Alternativen erarbeitet. In der vergangenen Woche haben nun am Bolzplatz bei der Feuerwehr die Arbeiten begonnen. Am neuen Standort werden nur 120 Plätze geschaffen. Diese Unterkunft erhält einen Sozialbetreuer, einen Hausmeister und einen 24-Stunden-Sicherheitsdienst. Wie Schulkinderbetreuung und Deutschkurse geregelt werden, wird derzeit noch abgestimmt. Es hat sich aber bereits ein Willkommensnetzwerk gegründet. Hertich Die Umbauarbeiten in einem früheren Bürogebäude in der Mollenbachstraße laufen, dort werden 200 Plätze entstehen. Auf dem Parkplatz in der Bruckenbachstraße werden zudem bald Container für bis zu 80 Menschen aufgestellt.

Alle bisher genannten Standorte stehen ab Mai, spätestens ab Juni zur Verfügung. Mit den bestehenden Unterkünften ergeben sich dann 910 Plätze in Leonberg. Folgende Standorte werden nicht mehr in diesem Jahr oder überhaupt nicht realisiert: Neue Ramtelstraße Das Gebäude für etwa 100 Menschen war von Beginn an umstritten. Nach zahlreichen Anwohnerprotesten und schwierigen Verhandlungen mit dem Eigentümer hat sich der Landkreis letztlich gegen die Immobilie ausgesprochen. Höfingen Dieser Standort (110 Plätze) ist zwar offiziell weiter im Rennen, scheidet aber aufgrund seiner Hanglage eher aus. „Sollten alle Stricke reißen, haben wir etwas in der Hinterhand. Auch für die Anschlussunterbringung“, erklärt Herrle. Altes Arbeitsamt Die Bundesimmobilie, die als belastet und gesundheitlich bedenklich gilt, ist noch immer im Gespräch. „Der Landkreis ist noch dabei, das Für und Wider abzuwägen“, berichtet Peter Herrle. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hilft Kommunen und Kreisen dabei, Gebäude des Bundes für die Flüchtlingsunterbringung zu nutzen, auch finanziell. Rutesheimer Straße „Der Parkplatz direkt an der Glems ist von uns doch nicht angeboten worden“, berichtet der OB-Referent. Er wird derzeit als Ausweichparkplatz genutzt, bis das neue Parkhaus am Bahnhof im Juni eröffnet ist. Außerdem ballen sich in dem Bereich bereits die Unterkünfte (Krankenhaus-Gelände und Obdachlosenunterkunft Rutesheimer Straße). Krankenhaus Auf dem kreiseigenen Gelände ist ein Haus mit bis zu 180 Plätzen vorgesehen. In Absprache mit Stadtverwaltung und Gemeinderat sollen in den Neubau jedoch Mieter zweier anderer Gebäude auf dem Gelände einziehen und diese zwei Häuser wiederum zur Unterkunft umgebaut werden. Allerdings gibt es hier noch bautechnische Dinge abzuklären. Und angesichts einer Eröffnung erst im Jahr 2017 hat dieses Projekt laut Landratsamt derzeit nicht allerhöchste Priorität. Zudem gibt es auf dem Areal bereits eine staatliche Gemeinschafts- sowie zwei Notunterkünfte.

Nach Auskunft von Peter Herrle sind die Standorte, die jetzt umgesetzt werden, die mit dem wenigsten Konfliktpotenzial. Wie sich die Flüchtlingszahlen entwickeln, kann derzeit niemand sagen. Die Stadt will jedenfalls gewappnet seit, auch beim Thema Anschlussunterbringung. Herrle: „Wir beginnen jetzt mit der Planung für 2017.“

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