Das Harpprechtshaus macht seiner Umgebung derzeit in Bezug auf Idylle und Waldesruh’ unfreiwillig Konkurrenz Foto: Pressefoto Horst Rudel

Die Traditionsgaststätte auf der Schwäbischen Alb seht einsam und verlassen im Wald. Der Alpenverein sucht einen neuen Pächter.

Lenningen - Beim digitalen Hüttenreigen des Deutschen Alpenvereins (DAV) wird das Haus als idealer Ausgangspunkt für Wanderungen, Kletter- und Radtouren sowie Höhlenbesuche gepriesen, und im Hausprospekt ist von der „gemütlichen Alpenvereinshütte auf der Schwäbischen Alb“ die Rede. Dazuhin finden sich Bilder, die auf Kulinarisches Appetit machen, auch macht die Hüttenromantik ganz offensichtlich vor den einladenden Übernachtungsmöglichkeiten nicht Halt. Doch derzeit gelten die Offerten zum Harpprechthaus bei Schopfloch nur in der Theorie: Das gastliche Wanderheim ist geschlossen, weil die Pächterstelle vakant ist.

Wer von der Schließung nichts mitbekommen hatte, und etwa an den Osterfeiertagen bei prächtigstem Ausflugs- und Wanderwetter schon bei der Anfahrt auf einen gähnend leeren Parkplatz blickte, der wähnte sich in einem falschen Film und wollte seinen Augen nicht trauen: Statt des gewohnten und erwarteten turbulenten Geschehens außerhalb und innerhalb des markanten Baus, wetteiferten Platz und Ensemble in punkto Ruhe mit der Umgebung und der angrenzenden Waldidylle. Und wer der Sache auf den Grund gehen wollte, der fand dann am Eingang den nicht näher erläuterten Hinweis der DAV-Sektion Schwaben auf die „vorübergehende“ Schließung. Und weiter: „In der Zwischenzeit stehen wir Ihnen gerne persönlich für Rückfragen und Buchungen zur Verfügung.“

Die Rückfrage bei der für Kommunikation und Marketing zuständigen Mitarbeiterin der Stuttgarter Sektions-Geschäftsstelle, Nina Ahrens, nach der Pächterabfolge seit der Eröffnung des Hauses im Jahre 1935 erbrachte sieben Hüttenwirte, respektive Pächterpaare. Ihre Regentschaften währten zwar unterschiedlich lange, aber die jeweiligen Übergaben erfolgten offenbar kontinuierlich und ohne größeren zeitlichen Brüche.

Spitzenreiter in Sachen Pachtdauer sind bis dato die Wirtsleute Silke und Michael Eisele, die 32 Jahre lang, von 1984 bis 2016, das Zepter schwangen. Für ihre Nachfolger war indes schon nach zweieinhalb Jahren Schluss. Die Gründe fasst man bei der Sektion auf Anfrage so zusammen: „Anfang des Jahres haben wir gemeinsam beschlossen, die Zusammenarbeit zu beenden, da sie für beide Seiten nicht den ursprünglichen Vorstellungen entsprochen hat.“ Abschließend heißt es seitens der Stuttgarter Geschäftsstelle zur Pächterfrage, dass man nach wie vor auf der Suche nach geeigneten Einzelpersonen oder Wirtsleuten sei; dabei werde das „klare Ziel“ verfolgt, das Harpprechthaus zur Sommersaison wieder zu öffnen.

Der Name des gastlichen Hauses geht auf Theodor Harpprecht zurück, der als treibende Kraft bei der Gründung des schwäbischen DAV-Ablegers anno 1869 gilt. Immer wieder lesenswert wegen ihrer frappierenden Bildhaftigkeit ist eine Charakterisierung des Bergsteigers Harpprecht in den Vereinsannalen: „Unter seinem Fuße“, so heißt es, „beugte sich manch jungfräulicher Gipfel“.

Das Harpprechthaus selbst wiederum, anfänglich als eher spartanischer „Stützpunkt“ konzipiert, beugte sich im Laufe der Jahrzehnte mehr und mehr dem Wunsch der Gäste nach mehr Komfort und den Erfordernissen eines effektiven Beherbergungs- und Gastrobetriebs. Dazu waren viele baulichen Veränderungen und Neugestaltungen nötig.

Von der Gründung der Schwaben-Sektion bis zum Bau des Wanderheims dauerte es 66 Jahre, Langmut war also gefragt. Doch bei der Lösung der Pachtfrage zählt streng genommen jeder Tag! https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.wirtschafts-und-tourismusfoerderung-in-lenningen-owen-und-erkenbrechtsweiler-zwischen-whisky-walk-keltentraum-und-gewerbepark.db3e9035-7f70-4fde-9f2d-0f5692c0cea9.html

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