Zu Stuttgart 21 wird es eine Sondersitzung des Lenkungskreises geben. (Archivbild) Foto: dpa

Der Lenkungskreis zum Bahnprojekt Stuttgart 21 wird sich wohl in der zweiten Januarhälfte zu einer Sondersitzung treffen. Grund sind die in den Expertisen von Bundesrechnungshof und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG genannten Risiken bei Zeitplan und Kosten.

Stuttgart - Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) erwartet in der zweiten Januarhälfte 2017 eine Sondersitzung des Lenkungskreises zum Bahnprojekt Stuttgart 21. Da neben dem Land auch die Stadt Stuttgart als Projektpartner ein solches Treffen verlange, müsse die Bahn als Bauherrin es einberufen, sagte Hermann am Montag in Stuttgart. Grund seien die in den Expertisen von Bundesrechnungshof und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG genannten Risiken bei Zeitplan und Kosten. Die bisherigen mündlichen Erläuterungen der Bahnmanager deckten sich nicht mit den Gutachten, die ihm nicht offiziell vorgelegt, sondern nur zugespielt worden seien. „Das ist nicht die Art, wie man mit Projektpartnern umgeht.“

Hermann verteidigte zugleich seine Absage für die Feier des ersten Tunneldurchschlags bei Stuttgart 21. Er wohne ähnlichen Zeremonien an der Neubaustrecke nach Ulm bei. „Das passt am besten zu mir“, sagte der Stuttgart-21-Kritiker. Stuttgarts Grünen-Oberbürgermeister Fritz Kuhn nimmt indes an der Feier für die Herstellung des Tunnels vom Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt zum geplanten Tiefbahnhof teil.

Kritik an OB Kuhn

Kritik an Kuhns Teilnahme kam von den Stuttgart-21-Gegnern. „Typisch Kuhn, dass er seine Überzeugungen von früher über Bord geworfen hat und trotz zahlreicher Mängel beim Projekt jetzt mitmacht“, sagte der Sprecher der Parkschützer, Matthias von Herrmann. Die Bahn nutze jede Gelegenheit, aus den jüngsten schlechten Schlagzeilen herauszukommen. Der Konzern will noch in diesem Jahr Klage gegen die Projektpartner beim Verwaltungsgericht Stuttgart einreichen. Damit will sie die Partner an der Finanzierung der voraussichtlichen Mehrkosten von zwei Milliarden Euro zu 65 Prozent beteiligen. Die Gesamtkosten liegen laut Bahn bei bis zu 6,5 Milliarden Euro.

Neben dem riskanten Tunnelbau im quellfähigen Anhydrit und der ungeklärten Übernahme voraussichtlicher Mehrkosten von zwei Milliarden Euro sei der Nesenbachdüker in einem Zeitverzug von fast sechs Jahren, sagte von Herrmann. Dieses Bauwerk ist dazu gedacht, den Stuttgarter Nesenbach wie in einer Art Siphon in 25 Meter Tiefe unter dem unterirdischen Bahnhof hindurch zu führen. Die S-21-Gegner sehen dabei das Risiko, dass mineralwasserführende Schichten angebohrt werden. Auch Brandschutz und Fluchtwege seien bis heute nicht geklärt.

Die 351. Montagsdemo gegen Stuttgart 21 ist dem Gedenken an den vor 60 Jahren gestorbenen Architekten des Stuttgarter Hauptbahnhofs, Paul Bonatz, gewidmet. Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 fordert den Umstieg auf einen modernisierten Kopfbahnhof, der über das Neckartal an die Neubaustrecke angebunden werden soll. Es seien bislang nur 20 Prozent der Gesamtkosten von Stuttgart 21 ausgegeben worden.

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