Der Lenkungskreis heißt bei seiner 25. Sitzung die Digitalisierung der Schiene gut. Die Bahn will noch im Oktober die Auftrage dafür erteilen. Skepsis gibt’s bei der Idee eines Gäubahntunnels.
Stuttgart - Gut fünf Jahre vor der Eröffnung und nach zahlreichen Terminverschiebungen in der Vergangenheit, scheint sich dieses Mal der Inbetriebnahmetermin für Stuttgart 21 zu erhärten. Selbst Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), sicherlich nicht der glühendste Anhänger des Milliardenprojekts, zeigte sich nach der 25. Lenkungskreissitzung am Freitag zuversichtlich. „Es ist fast sicher, dass Stuttgart 21 im Jahr 2025 in Betrieb geht“.
Digitale Signaltechnik kommt
Wenn es denn soweit ist, werden die Züge von digitaler Signaltechnik durch die knapp 60 Kilometer langen Tunnelstrecken im Kessel und auf den Fildern gelotst. Den Abschluss der Finanzierungsvereinbarung zwischen Bahn und Bund im Sommer – und damit nach dem bislang jüngsten Lenkungskreis im April – begrüßten Winfried Hermann, Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Grüne) und Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) einhellig. Der scheidende Oberbürgermeister, für den es die letzte Sitzung dieser Runde gewesen ist, gab zu Protokoll: „Es ist bedeutend, dass in unserer Stadt der erste digitale Schienenknoten in Deutschland entsteht.“
Hermann sagte, andere Bundesländer blickten „mit Neid und Anerkennung auf das, was da in Stuttgart entsteht“. Er erinnerte an das zähe Ringen um eine Zusage des Bundes, sich an den Kosten für die Fahrzeugausstattung mit der neuen Technik zu beteiligen. Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand bei der Deutschen Bahn, will noch im Oktober die Aufträge für die ETCS genannte Technik vergeben. Pofalla sieht darin einen „Meilenstein für den Deutschland-Takt und auch für die S-Bahn in der Region.“ Regionalpräsident Thomas Bopp konnte so den zahlreichen Verzögerungen der Vergangenheit beim Projekt etwas Positives abgewinnen. Erst der Verzug habe das Umschwenken auf die moderne Signaltechnik möglich gemacht.
Tauziehen am Flughafen zeichnet sich ab
Ein ähnliches Zeitfenster könnte sich nun rund um den Flughafen auftun und eine Prüfung des vom Bund angeregten, rund zehn Kilometer langen Tunnels, der den Airport mit der Gäubahnstrecke verbindet, ermöglichen. Alle Projektpartner bekannten sich aber zu der bisher verfolgten Lösung, bei der Züge der Gäubahn an einem noch zu bauenden dritten Gleis in der bestehenden S-Bahn-Station halten würden. Während der Bauzeit würde die S-Bahn ein Jahr lang nicht zum Flughafen und nach Filderstadt fahren können. Dies sei die beste mögliche Lösung und auf die hätten sich die Partner 2015 geeinigt, erklärte Ronald Pofalla. Kuhn und Hermann verwiesen auf die vielen Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit dem Gäubahntunnel hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit, der Finanzierbarkeit und der zeitnahen Umsetzbarkeit. Von derlei Überlegungen dürfe keine Gefahr für das wegen Corona ruhenden Genehmigungsverfahrens für die Lösung Drittes Gleis ausgehen. Für den Fall, dass dies alles gelöst werden könne, stehe die Region dem Vorschlag aufgeschlossen gegenüber, erklärte Thomas Bopp.