Thomas Lenks „Zeichnung 63 c1“ (4200 Euro) bildet den fulminanten Auftakt der jüngsten von inzwischen sechs Präsentationen der Galerie Schlichtenmaier zum Werk des Stuttgarter Bildhauers.
Stuttgart - Was für eine Zeichnung! Eine Farbstiftlinie ist gesetzt, eine zweite antwortet – gemeinsam bergen sie ein doch souverän auftretendes quadratisches Bleistiftlinienbündel. Dazwischen vor allem dies: Raum. Thomas Lenks „Zeichnung 63 c1“ (4200 Euro) bildet den fulminanten Auftakt der jüngsten von inzwischen sechs Präsentationen der Galerie Schlichtenmaier zum Werk des Stuttgarter Bildhauers Thomas Lenk. In der Stuttgart-Dependance von Schlichtenmaier (Kleiner Schlossplatz 2, Di bis Fr 11 bis 19, Sa 11 bis 17 Uhr) begeistert eine zweite Papierarbeit. Eine mehrschichtige Collage aus Transparentpapier und „Lenk-Quadraten“ aus Tonpapier verdichtet 1993 die Gedankenwelt des 1933 in Berlin geborenen Lenk zu einem Konzentrat des Gesamtwerks.
Gebrochen wird die so aufgebaute Spannung durch eine Folge farbiger Papierarbeiten. Heiter ist das Schichten in diesen Studien der 1990er Jahre, die Kraft, das in der Fläche Formierte plastisches Volumen werden zu lassen, hat Lenk jedoch nicht mehr. Welche Experimetierlust gleichwohl angelegt ist, zeigt der Blick zurück auf Skulpturen der frühen 1960er Jahre. Da streckt ein sich tänzelnd stützendes Gebilde seine stählernen Fühler aus. „Dialektische Objekte“ nannte Lenk diese Arbeiten. Was in der Folge bleibt, ist die Dialektik zwischen Linie und Raum, Fläche und Volumen.
1964 gilt als Stichjahr des Lenk-Durchbruchs. Die Schichtung von Scheiben schafft Volumen und bleibt doch eine Linienfigur. Lenk ist in Dieter Honischs Schau „Formen der Farbe“ dabei, bei der Biennale in Venedig zudem und 1968 schließlich bei der Weltkunstschau Documenta in Kassel. Ein Star seiner Zeit durchaus, der sich zu Hause, in Stuttgart, in der Mannschaft der Galerie Hans-Jürgen Müller aufgehoben fühlen durfte.
Wie lange aber will man im Südwesten warten, um sich diesem Schaffen umfassend und museal gültig zu nähern? Drängender wird diese Frage. Nicht aber begründet durch das Alter Lenks, sondern durch eine Ausstellung wie diese bis zum 22. Februar bei Schlichtenmaier zu Sehende. So darf man den Titel getrost als Aufforderung verstehen: „Position beziehen“.