Lena Meyer-Landrut im Stuttgarter „Wizemann“ Foto: Martin Stollberg

Ist Lena erwachsen geworden? Mitnichten. Am Sonntagabend entzückt die Gewinnerin des European Song Contest 2010 im Wizemann in Stuttgart mit unverbrauchtem Charme, präsentiert neue Songs und Hits in neuem Gewand. Lena ist noch immer Lena – und 1200 Mädchen jubeln ihr zu.

Stuttgart - Im Mai feierte Lena Meyer-Landrut ihren 24. Geburtstag, wenige Tage zuvor war ihr neues Album „Crystal Sky“ erschienen – ihr ­viertes. Ihre Songs, ihre Arrangements haben sich unmerklich geändert. Ab und zu schleicht sich ein wenig Ambition ein. ­„Satellite“­, jenes Stück, mit dem Lena den European Song Contest für Deutschland entschied, klingt nun langsamer, verschleppt. Will hier ein wenig laszive Erotik Einzug halten? Das gelingt nicht wirklich. Lena ist dann am besten, wenn sie ganz sie selbst ist und für ein Publikum singt, das im Schnitt zehn Jahre jünger ist als sie.

Für die Mädchen, die sich in der ersten Reihe drängen, ist sie der Star. Was ist so toll an ihr? „Einfach alles!“, ist die Antwort. Jungen oder Männer, die für Lena schwärmen, sieht man im Wizemann kaum. ­Eltern, Mütter, die ihre Töchter begleiten, dagegen viele. Etliche halten Bilder, kleine Transparente hoch, die sie für Lena gemalt haben, vor der Bühnenabsperrung drängt eine lange Reihe glücklicher Mädchengesichter.

Vor Lena singt Kat Vinter, eine Australierin, die in Berlin lebt und sich von der Landschaft Norwegens inspirieren ließ – mystischer als Lena, die sie später dann auch als Backgroundsängerin begleitet und ihre Duettpartnerin ist. Lena selbst tritt auf mit versierter Band – Gitarre, Keyboard, Bass, Schlagzeug –, spielt ihr aktuelles Album fast vollständig – nur die Songs „Lifeline“ und „In The Light“ fehlen, Hits wie „Taken By A Stranger“ von 2011 oder „Neon (Lonely People)“ von 2012 dagegen nicht. Tempo regiert vom ersten Stück an, Tanzbarkeit, die Schuldisco ist das Ziel – und Lena tanzt über die Bühne, strahlt, singt schließlich auch eine Ballade, lässt zuletzt Konfetti auf ihre Fans herabregnen.

Zwischen ihren Songs plaudert sie herzlich vergnügt drauflos, überschüttet ihre Musiker mit Komplimenten, bedankt sich viele Male bei ihren Fans: „Dafür, dass ich hier sein kann, dass ich euch mit meiner ­Musik erreichen kann.“ Mit 24 Jahren irritiert Lena Meyer-Landrut noch immer mit einer Mischung aus mädchenhafter Unreife und verblüffender Selbstsicherheit, ganz so, wie sie es schon vor fünf Jahren tat. Sie erzählt ihren Fans vom Tourleben, davon, wie die Scheu vor anspruchsvolleren Stücken langsam von ihr abfiel – „auf Englisch zu singen ist manchmal leichter, als auf Deutsch zu singen“, sagt sie und lacht. „Stellt euch das einmal vor!“

Dass Lena Potenzial hat, lässt sich schwer leugnen, dass sie es nicht ausschöpft, ebenso. Wer weiß, was geschieht, wenn sie es wirklich einmal versuchen will? Sie zumindest weiß im Augenblick noch immer sehr gut, wem sie gefällt – und gefällt sich auch selbst in ihrer Rolle. Die Mädchen, die die Halle füllen, sind glücklich, tanzen, erkennen sich wieder – erwachsen werden sie vielleicht lange vor ihrer Lena.

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