Am „Tag der Schiene“ öffnet der Hafen seine Tore. Die Besucher erhalten ungewöhnliche Einblicke in den Alltag der Logistikbetriebe.
Als der Stuttgarter Hafen anno 1958 eröffnet wurde, erschien eine Karikatur, die in Anlehnung an Wagners „Lohengrin“ spottete: „Nie sollst Du mich befragen, wird sich der Hafen tragen.“ 2018 betrug der Gesamtumschlag an Gütern auf dem Gelände 3 415 519 Tonnen. Die Frage von einst hat sich also erledigt. Eine wichtige Rolle bei den Gütertransporten kommt der Bahn zu. Zum „Tag der Schiene“ bestand am Samstag Gelegenheit, sich am Mittelkai 10-16 ein eigenes Bild von den Gleisanlagen zu machen und Lokomotiven, Container oder Rangiergeräte in Augenschein zu nehmen.
Etwa den Elektrorangierer E-Maxi der Firma Zagro. Mit einer Funkfernbedienung lässt Vertriebler Malte Backi das 24 Tonnen schwere Gefährt, das sowohl auf der Straße, als auch auf der Schiene fahren kann, über die kurze Vorführstrecke rollen. Max (8) fühlt sich an die Fernsteuerung seines batteriebetriebenen Autos erinnert. Nur dürfte dessen Zugkraft etwas geringer sein. Der E-Maxi wuppt emissionsfrei bis zu 2000 Tonnen. Backi hat noch eine weitere Überraschung parat: Die Reifen lassen sich so justieren, dass man auch quer fahren kann.
Ein Oktopus mit Bauhelm als Maskottchen
Es sind nicht nur die großen Maschinen, die auf Interesse stoßen. Ein Mädchen hat Rheiner Rhenus ins Herz geschlossen – einen plüschigen, Bauhelm tragenden Oktopus, der als Maskottchen für Rhenus Logistics wirbt. Auch besteht auf dem familienfreundlich gestalteten Gelände eine Menge Gelegenheit, kindliches Vorwissen anzubringen. Ganz Fachmann, stellt ein Junge, der vor einem Bahnwagen voller PKW steht, fest: „Vorbeifahrende Güterzüge können schon unendlich sein.“ Da kann sich der Logistiker nebenan ein Grinsen nicht verkneifen. Er erklärt, die Bahn habe sich in den letzten Jahren auf die zunehmenden SUV-Käufe einstellen und ihre Wagenflotte umrüsten müssen. Diese Fahrzeuge seien schließlich wesentlich größer und schwerer. Gefragt, wie er die aktuelle Entwicklung des Schienengüterverkehrs sehe, muss er kurz schlucken: „Da würde noch wesentlich mehr gehen“, sagt er. Leider habe man aber einen Verkehrsminister, der auf die Straße setze.
Sieben Millionen CO2 werden pro Jahr eingespart
Von beeindruckenden Zahlen wimmelt es trotzdem: DB Cargo verkündet auf einem Plakat eine jährliche CO2-Einsparung von sieben Millionen Tonnen durch die Schiene. Ein Mitarbeiter von DP World Logistics verrät, dass auf einen großen Frachter, wie sie in Hamburg anlegen, 25 640 Container à 20 Fuß passen. Eine Neckar-Barge fasst 98 von ihnen. Einer der Großbehälter steht an der Bühne bereit. Als Vorführmodell, das vor staunenden Augen von einem Spezial-Kran angehoben wird – lässig und gekonnt per Joystick dirigiert. Einen größeren Container dürfen die Besucher auch von innen inspizieren. „Wir haben hier auf dem Gelände gerade einige Überseecontainer stehen, die heute Abend versiegelt werden und dann auf die Reise gehen“, verrät ein Experte. Es läuft am Stuttgarter Hafen. Wollte man Eindrücke vom „Tag der Schiene“ mit einem „Lohengrin“-Zitat zusammenfassen, es könnte dieses sein: „Der hier so hehre Wunder schuf, manch neue Tat vollbringen mag!“