Rund die Hälfte der Autofahrer in Leinfelden und Echterdingen sind nur auf der Durchfahrt Foto: Günter Bergmann

Die Osttangente soll den Durchfahrtsverkehr ausbremsen. Die Planungen werden jetzt konkret, aber einige Stadträte befürchten, dass die Straße mehr Verkehr bringt.

Leinfelden - Vorstudie nennt sich das, was der Technische Ausschuss am Dienstagabend mehrheitlich verabschiedet hat. Ein Projekt, über das nach Worten von Freie Wähler-Fraktionschef Hans Huber „seit einhundert Jahren diskutiert“ wird. Und jetzt könne es den Stadträten nicht schnell genug gehen mit der Ostumfahrung von Leinfelden.

„Ohne eine alternative Straße ist keine Entlastung der Ortskerne möglich“, sagte Ulrich Noßwitz am Dienstagabend den Mitgliedern des Technischen Ausschusses. Schließlich sei rund die Hälfte der Autofahrer in Leinfelden und Echterdingen nur auf der Durchfahrt, so der Verkehrsplaner vom Ingenieurbüro Brenner Bernhard, das mit der Vorstudie beauftragt worden war. Die Entlastung funktioniere aber nur, wenn die B27 und die A81 ausgebaut werden, warnte der Ingenieur, ansonsten komme es bei Staus zum Ausweichverkehr in den Ort. Zur Erinnerung: Auf der B27 stehen vermutlich erst in rund zehn Jahren sechs Fahrstreifen zur Verfügung.

Rund 14 Millionen Euro Kosten

Der Plan für die Osttangente Leinfelden sieht folgendermaßen aus: Die Maybachstraße, die bisher auf halber Strecke in Richtung Unteraichen abknickt, soll entlang des Ortsrands von Leinfelden weiter nach Süden verlängert werden. In einem ersten Bauabschnitt würde sie in die Max-Lang-Straße münden. Ein zweiter Bauabschnitt, der in den ersten Überlegungen hintenangestanden hatte, soll nun gleich mitgeplant werden – der direkte Anschluss an die Echterdinger Straße. Gebaut werden könnte die S-Bahn-Unterführung des zweiten Bauabschnitts zusammen mit den Arbeiten an den Gleisen im Rahmen von S 21, da dann ohnehin ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden müsste.

Rund 14 Millionen Euro würde das neue, knapp 1,2 Kilometer lange Straßenstück kosten, bei dem teure Brücken für die Stadtbahnlinie U5 sowie die S-Bahn gebaut werden müssten. Dazu kommen die Kosten für Grunderwerb, Lärmschutz, Ausgleichsmaßnahmen und Radweganschlüsse.

Eva Noller warb für das Projekt. „Wir brauchen den ersten Bauabschnitt, um die Schelmenäcker, wo einmal 500 bis 600 Menschen leben sollen, an das Straßennetz anzubinden.“ Die Max-Lang-Straße wäre damit überfordert, so die Baubürgermeisterin. Der zweite Bauabschnitt sei für die Entlastung der Ortsmitte wichtig – und erforderlich für die Verlängerung der Stadtbahnlinie U5, die in der Zukunft bis Echterdingen fahren wird.

Entlastung oder Belastung ?

„Wir müssen so schnell wie möglich grünes Licht für den ersten Bauabschnitt geben und den zweiten Bauabschnitt weiter untersuchen“, forderte Wolfgang Haug (L.E. Bürger/FDP). Ferner empfahl er das Gremium solle auch die Weiterführung gleich beschließen. Das würde bedeuten, die Strecke über die Echterdinger Straße hinaus bis zur alten B27 zu verlängern. Diese Idee war bislang vor allem wegen der hohen Kosten gescheitert. Damit könnten die Autofahrer, die bisher aus Waldenbuch und Steinenbronn kommen und auf ihrem Weg zur Autobahn oder nach Stuttgart zwangsläufig durch die Stadt fahren müssen, den Ort umfahren. „Bei dieser Untersuchung ist diese günstige Fortsetzung gleich mitgedacht“,lobte Baubürgermeisterin Noller.

Ausschließlich die Grünenfraktion stimmten gegen das geplante Straßenbauvorhaben. Denn sie hätten nach den Worten von Fraktionschefin Ingrid Grischtschenko gerne eine „Kleine Osttangente“ näher untersucht, also die Öffnung der Daimlerstraße im Gewerbegebiet von Leinfelden– die bisher eine Sackgasse ist – nach Norden hin. Diese vergleichsweise behutsame Lösung schonte nicht nur die Budgets. „Wir müssen aufpassen, ob wir mit der Osttangente mehr Entlastung oder Belastung bekommen“, so die Befürchtung Grischtschenkos.

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