Leinfelden-Echterdingen Zwei engagierte Bürgerinnen zieht es nach Berlin

Von Natalie Kanter 

Sabine Onayli  (li.) und Sigrid Ott sammeln fleißig Unterschriften für DiB. Foto: Natalie Kanter
Sabine Onayli (li.) und Sigrid Ott sammeln fleißig Unterschriften für DiB. Foto: Natalie Kanter

Sigrid Ott und Sabine Onayli aus Leinfelden-Echterdingen rühren die Werbetrommel für die Partei Demokratie in Bewegung, kurz DiB. Die hat sich erst vor Kurzem gegründet und verspricht eine neue Sorte Politik.

Leinfelden-Echterdingen - Zwischen Äpfeln, Beeren und Eiern werden Sabine Onayli und Sigrid Ott am 10. Juni auf dem Echterdinger Wochenmarkt Werbung für eine neue Sorte von Politik machen. „Es ist Zeit, dass wir das politische Geschehen ändern“, sagt Ott. „Es gilt, sich dem Zeitgeist, der digitalen Welt zu stellen“, sagt Onayli. Bürger, so sind die beiden Frauen aus L.-E. überzeugt, sollten nicht nur alle vier Jahre ein Kreuzchen machen dürfen. Sie sollten sich vielmehr tagtäglich politisch einmischen können.

Ott und Onayli sind seit Jahren Mitglied der örtlichen Wählervereinigung Liste engagierte Bürger (L.E. Bürger). Nun haben sie sich der politischen Partei Demokratie in Bewegung – kurz DiB – angeschlossen. Die Partei hat sich Ende April in Berlin gegründet, will im Herbst in den Bundestag einziehen und hat dem Lobbyismus den Kampf angesagt.

Platz eins und Platz fünf auf der Landesliste

Ott führt mittlerweile die Landesliste an, Onaylis Name steht an fünfter Stelle. Die Frauen sammeln fleißig Unterstützer-Unterschriften. „Die Nächte sind kurz. So viel wie derzeit haben wir noch nie miteinander telefoniert“, fasst Onayli das neue Engagement zusammen.

„Auch als L.E. Bürger ermutigen wir die Menschen, sich einzubringen“, erklärt Ott. DiB mache dies im großen Stil. Das Prinzip: Mindestens drei Menschen können über ein Online-Portal eine Initiative einreichen. Über diese wird dann im Netz debattiert und abgestimmt. Die Idee muss aber auch den Wertefilter der Partei passieren, der sich am Grundgesetz orientiert.

DiB will transparent, gerecht, weltoffen, zukunftsfähig sein. „Die Todesstrafe hat bei uns also keine Chance“, sagt Ott. Und: „Wir arbeiten nicht mit Feindbildern.“ Sie kann den Frust mancher Bürger verstehen. Vieles lief in der Vergangenheit schlecht. „Aber der Flüchtling hat daran keine Schuld.“ Vielmehr gelte es, die Menschen, die hier schon immer leben, mehr abzuholen. Onayli, die sich auch im Arbeitskreis Asyl engagiert, will etwas gegen die Spaltung der Gesellschaft unternehmen. Sie richtet sich gegen eine Politik, die „Waffenexporte in Kriegsgebiete“ fördert und unter der „Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken“.

Verändern anstatt jammern

Die Frauen sind zur Gründung der Partei nach Berlin gereist. Sie waren begeistert von der Aufbruchsstimmung, die dort zu spüren war. Beide haben sich schon immer lieber eingesetzt, als nur zu jammern. Sigrid Ott hat über Jahre hinweg im Gesamtelternbeirat der Kitas gewirkt. Die Kinder der 55-Jährigen sind nun mächtig stolz auf ihre Mutter. Auch ihr Mann liefert Rückenwind. Ihr Motto: „Nicht hinnehmen, wenn was schief läuft, sondern lieber selbst etwas verändern.“ Onayli macht sich seit 2009 für die L.E. Bürger im Gemeinderat stark. Und das soll auch so bleiben – egal ob sie für die DiB in den Bundestag einzieht – oder nicht. „Zumindest bis zur nächsten Gemeinderatswahl“, sagt sie.

Die beiden wollen irgendwann auch eine lokale DiB-Gruppe gründen – zumindest einen Stammtisch soll es geben. „Weil ja nicht ein jeder Zugang zum Internet hat“, sagt Onayli. Jetzt aber gehe es erst einmal um den Einzug in den Bundestag. Und vor allem um eine neue Form der Politik.

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