Auch beim Bau der Flüchtlingsunterkunft an der Musberger Ulrichstraße gab es Verzögerungen. Die ersten Bewohner werden nun Ende des Monats erwartet. Foto: Natalie Kanter

Das Baudezernat der Stadt Leinfelden-Echterdingen hat mit Problemen zu kämpfen: Projekte verzögern sich. Der Krankenstand ist hoch. Ein Amtsleiter hat gekündigt. Gleichzeitig wächst die To-do-Liste beständig.

Leinfelden-Echterdingen - Die Bauverwaltung von Leinfelden-Echterdingen steht unter Druck. Die Mitarbeiter des Baudezernates müssen zahlreiche Baustellen gleichzeitig bewältigen. Oberbürgermeister Roland Klenk formuliert das so: „Die Bauverwaltung ist in einer schwierigen Situation. Es gibt dort eine Vielzahl an gleichzeitig laufenden, hochkomplexen Projekten.“ Zudem sei der Krankenstand in Teilen der Bauverwaltung sehr hoch.

Insbesondere in der Hochbauabteilung gibt es eine Fülle an Aufgaben. „Es ist tatsächlich ein Wahnsinnsprogramm, was das Amt zu stemmen hat“, sagt Baubürgermeisterin Eva Noller. Die Aufgaben dort seien im Vergleich zu früher deutlich mehr geworden. Verschärft wird diese Situation durch die Kündigung des bisher für diesen Bereich zuständigen Amtsleiters. Seine Kündigung wird Ende des Monats wirksam.

Die Stelle wurde bereits neu ausgeschrieben. Laut Klenk sind auch schon einige, zumindest dem Papier nach, viel versprechende Bewerbungen eingegangen, über welche Anfang April entschieden werden soll. Die Verwaltungsspitze will diese Lücke in der Bauverwaltung bis spätestens zu den Sommerferien schließen.

Die Zeit bis dahin muss überbrückt werden. „Das ist ein drängendes Thema“, sagt Klenk. Und: „Wir sind mit Nachdruck dabei.“ Er habe die Baubürgermeisterin gebeten, die anstehenden Projekte zu sichten, erklärt der Rathauschef. Es solle überlegt werden, welche Dinge in Eigenregie zu stemmen sind, welche Vorhaben geschoben werden können und wo man sich externe Unterstützung einkaufen muss.

Neuere Projekte rutschen erst mal nach hinten

„Ich bin mir sicher, dass wir das in Griff bekommen“, sagt Noller. Was aber auch bedeutet, dass neuere Projekte, wie der geplante Neubau der Feuerwehr in Stetten oder auch die Sanierung des Echterdinger Rathauses erst einmal nach hinten rutschen. Es gelte zunächst einmal, laufende Vorhaben wie die Filderhalle in Leinfelden voranzutreiben. „Hier haben wir mit den Ausschreibungen begonnen“, sagt sie. Bei der Turn- und Festhalle in Musberg dürfe man keine Zeit verlieren. Den Neubau Stadtwerke hält sie zudem für wichtig. Hier geht es gerade um die Baugenehmigung. Zudem muss Wohnraum für Flüchtlinge mit Bleiberecht geschaffen werden. Insbesondere dort aber habe sich manches Vorhaben umfangreicher gestaltet, als zunächst gedacht. Projekte verzögern sich.

Ein Beispiel dafür ist die Flüchtlingsunterkunft an der Musberger Ulrichstraße. Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, hätten ehrenamtliche Helfer und Verwaltungsmitarbeiter bereits im Februar die ersten von insgesamt 90 Flüchtlingen mit Bleiberecht in den neuen Häusern begrüßt. Die Verwaltung wollte die beiden Gebäude laut Noller auch termingerecht von dem beauftragten Generalunternehmer abnehmen. Dabei habe man aber einige Mängel festgestellt. „Es waren Nacharbeiten fällig“, sagt sie. Das geplante Willkommensfest wurde deshalb bereits zweimal verschoben. Mittlerweile ist das erste Gebäude fertig und von der Verwaltung abgenommen. Dort werden bis Ende März die ersten Bewohner erwartet.

Am Musberger Örlesweg kann die Verwaltung derweil weiter nicht mit dem Bau der dort geplanten Flüchtlingsunterkunft beginnen. Bürger hatten, wie berichtet, zwei Petitionen gegen das Vorhaben der Stadt beim zuständigen Ausschuss des Landtages eingereicht. Das Verfahren läuft noch. Der Ausgang ist offen. „Hier warten wir erst mal ab“, sagt Noller.

In Sachen Musberger Turn- und Festhalle saßen diese Woche Vertreter des TSV Musberg und der Dorfgemeinschaft mit der Verwaltung an einem Tisch. Das erklärte Ziel: eine Rück- und Vorausschau zu halten. Auch bei diesem Projekt gab es Probleme und Ärger. Der Bau wird nun mehr als neun Millionen Euro kosten. Der Gemeinderat hatte einst eine Obergrenze von 6,9 Millionen Euro festgelegt. Der TSV Musberg und die Dorfgemeinschaft waren zudem mit dem Ablauf der Planung nicht einverstanden. Sie wurden demnach über Monate hinweg nicht in den Fortgang derselben mit einbezogen. Über die Größe der Küche für das Restaurant und die Festhalle wurde diskutiert.

Stadt und Architekt haben sich auf einen Vergleich geeinigt

Wirbel hatte es, wie berichtet, auch um den Bau des Kinderhauses Waldhorn in Echterdingen gegeben. Der Bau hatte sich deutlich verzögert. Die Stadt und der zunächst mit dem Bau beauftragte Architekt gerieten überkreuz. Die Kommune hat den Fachmann von dem Projekt abgezogen. Mittlerweile gab es in dieser Angelegenheit eine Gerichtsverhandlung. Man hat sich auf einen Vergleich geeinigt. Dieser ist laut Klenk zugunsten der Stadt ausgegangen. „Wir müssen lediglich 20 Prozent der eingeforderten Summe bezahlen“, sagt er. Dem Vernehmen nach soll die Summe deutlich unter 100 000 Euro liegen.

An Problemen mangelte es also nicht. Insbesondere in der Hochbauabteilung fehlt es laut Noller zudem an Personal. Und zwar obwohl die Bauverwaltung bereits von einem externen Gutachter untersucht wurde und der Gemeinderat daraufhin auch neue Stellen bewilligt hatte. Die Dezernatsleiterin, die sich über die zusätzlichen Mitarbeiter gefreut hat, sagt nun: „Es waren nicht genug. Es waren keine Ingenieur-Stellen dabei.“

Die To-do-Liste in diesem Teil der Verwaltung wird zu alledem immer länger. Das marode Leinfelder Hallenbad soll nun tatsächlich saniert werden. Kommunalpolitiker machen, wie berichtet, Druck bei der Sanierung der Schulen. Nicht zuletzt fehlt der Aussegnungshalle in Echterdingen noch immer ein christliches Symbol.

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