Das Fernglas von Zeppelins Oberingenieur Ludwig Dürr Foto: Malte Klein

Hat Graf Zeppelin in jenes Taschentuch geweint, als er von seinem zerstörten Luftschiff erfahren hat? Das Taschentuch und andere Übrigbleibsel erinnern im Museum an die Notlandung des Luftschiffs auf der Filderebene anno 1908.

Echterdingen - Das ehemals blütenweiße Taschentuch aus Leinen hat Patina angesetzt. „Schauen Sie mal, das da müssen Blutspuren sein“, sagt Wolfgang Haug, der Leiter des Stadtmuseums von Leinfelden-Echterdingen. Nun ist das vermutlich nicht irgendein Blut, sondern, so erzählt es Haug, das des Grafen Zeppelin. Darauf weist auch eine eingestickte weiße Krone hin. „Das ist das Zeppelinwappen.“ Und es gibt weitere Spuren, die daraufhin deuten, dass das Taschentuch einst im Besitz des 1917 verstorbenen Ferdinand von Zeppelin gewesen war.

Notlandung auf einer Wiese bei Echterdingen

Zum Hintergrund: Ferdinand von Zeppelin startete am 4. August 1908 von Friedrichshafen am Bodensee aus mit seinem Starrluftschiff, das aus einem Aluminiumgerüst bestand, zu einem Testflug. Er wollte über Basel den Rhein hinauf bis nach Mainz. Vom Reichstag hatte er Geld für den Bau des Luftschiffs bekommen. Allerdings musste der Graf eine Bedingung erfüllen und einen Dauerflug von 24 Stunden absolvieren. Auf dem Rückflug von Mainz machte der vordere Motor technische Probleme. Darum landete das Luftschiff am Morgen des 5. August auf einer Wiese bei Echterdingen. Techniker der Motorenfabrik aus Stuttgart sollten den Motor des Luftschiffs reparieren.

Wie ein Lauffeuer sprach sich damals herum, dass der Graf mit seinem neuartigen Gefährt in Echterdingen gelandet war. Mehr als 50 000 Menschen strömten zum Landeplatz auf den Fildern, um den Zeppelin anzuschauen. Doch am Nachmittag rissen während einer Gewitterböe die Halteseile. Das Luftschiff trieb ab und blieb mit dem Anker in Obstbäumen hängen. Der Rumpf riss auf, und 15 000 Kubikmeter Wasserstoff in der Hülle des Zeppelins entzündeten sich, das Luftschiff wurde zum Raub der Flammen. Zeppelin war zu dem Zeitpunkt nicht an der Unglücksstelle, sondern rastete im Gasthaus Hirsch in Echterdingen.

Das Taschentuch ist nicht das einzige Relikt aus der Zeit

Zurück in die Gegenwart: Haug sitzt im Museum in Echterdingen an einem Tisch des Ausstellungsraums und sagt: „Es könnte sein, dass der Graf in dieses Taschentuch geweint hat, als er vom Verlust des Luftschiffs erfahren hat“, vermutet Haug. Dann könnte es auf dem Boden am Unglücksort liegen geblieben sein. Das würde auch die Brandspuren am Rand erklären. Haug hat das Tuch zusammen mit zwei weiteren Zeppelin-Erinnerungsstücken bekommen. Der 75-jährige ehrenamtliche Leiter des Stadtmuseums hat das Taschentuch von einem Echterdinger als Dauerleihgabe erhalten. Und es ist nicht das Einzige. Haug holt ein metallenes Fernglas hervor. „Das hat Zeppelins Oberingenieur Ludwig Dürr gehört“, erzählt der Museumsleiter. Es ist mit dem Luftschiff auf den Fildern gelandet. Als der Zeppelin dann brannte, war die Echterdinger Feuerwehr zur Stelle und löschte. „Dürr hat es zum Dank dem Feuerwehrhauptmann Karl Fischer geschenkt.“ Und dieser gab es weiter an einen Echterdinger, der als Zeppelin-Sammler bekannt war. „Es gab nach dem Unglück einen richtigen Zeppelin-Hype. Er war der Kaiser der Herzen“, erklärt Haug. Die Situation war nach dem Unglück derart emotional, dass die Bürger des damaligen Deutschen Reiches damals Millionen Mark für Graf Zeppelin sammelten, damit er nicht pleiteging. Zum Vergleich: Der Bau des havarierten Luftschiffs hatte 400 000 Mark gekostet.

Der Graf kehrte aus Dank für diese Anteilnahme in der Not noch einmal auf die Filderebene zurück. Das jedenfalls belegt ein Original-Telegramm aus dem Jahre 1911, in dem er sein Kommen ankündigt. Er werde über den Zeppelinstein fliegen, kündigt er darin an. Diesen gibt es noch heute an eben jener Stelle, wo damals das Luftschiff verunglückte.

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