Im Fokus: Wildschweine haben sich auf einer großen Wiese bei Musberg ausgetobt. Foto: dpa

Für Jagdpächter und Landwirte ist eine durchpflügte Waldwiese bei Musberg ein großes Ärgernis. Ihnen ist dadurch ein großer Schaden entstanden. Beziffern lässt sich dieser noch nicht, aber die Geduld der Betroffenen ist am Ende.

Leinfelden-Echterdingen - Wer in diesen Tagen in Musberg unterwegs ist und vom Aktivspielplatz den Berg hoch ins Waldgebiet Hohenwart fährt, der sieht auf einer großen Wiese, die sich Besenfeld nennt, was Wildschweine anrichten können. „Die Wiese sieht aus, als wenn man mit dem Pflug durchgefahren wäre“, sagt Revierförster Dieter Lang. Landwirte könnten das Stück Land so nicht mehr bewirtschaften. Im Frühjahr muss die Fläche bearbeitet und Gras neu angesät werden.

Wenn man nichts macht, läuft man Gefahr, dass sich das Unkraut Sauerampfer in der Wiese stark verbreitet und Futtergräser verdrängt, erklärt Frank Stäbler. Der Obmann der Musberger Landwirte spricht von „massiven Schäden“ durch die Wildschweine auf der Hohenwart. Was das finanziell bedeutet, sei noch nicht zu beziffern. Für die Schäden müssen zum großen Teil die Jagdpächter aufkommen. Noch ist dieser Betrag durch die Stadt Leinfelden-Echterdingen gedeckelt. Diese Regelung wird aber zum 1. April aufgehoben.

Auf der Suche nach tierischem Eiweiß – also beispielsweise Würmern – hat das grunzende Borstenvieh die Wiese bereits im vergangenen Herbst durchforstet und dabei die Grasnarbe total zerstört. Die Wiese wird in diesem Jahr kaum Ernte abwerfen, prognostiziert der Obmann. Vier Landwirte gibt es noch in Musberg. „Jeder ist davon betroffen“, sagt Stäbler.

Ein altbekanntes Problem

Die örtlichen Bauern haben immer wieder mit Schäden durch die Allesfresser zu kämpfen. „Das ist ein altbekanntes Problem“, sagt er. Die Tiere gehen im Sommer in den Weizen und in den Mais. Sie fressen aber auch gerne Kartoffeln. Das generelle Problem: Durch die in den vergangenen Jahren sehr milden Winter sind die Schwarzwildpopulationen stark angewachsen. Natürliche Feinde hat das Schwarzwild keine. Die Folge: „Alle Frischlinge kommen durch“, sagt Förster Lang. Will heißen, die Jagdpächter müssen eingreifen, um die Schäden für die Landwirte in Grenzen zu halten. Rund 60 Wildschweine wurden im Dezember bei zwei großen Drückjagden erschossen. Eine dieser Jagden war sogar revierübergreifend.

Die Jagd wird schwieriger

Das Schwarzwild vor die Flinte zu bekommen, werde immer schwieriger, weiß Michael Hertneck zu berichten. Er ist einer von drei Jagdpächtern, die für das Gebiet Musberg zuständig sind, und ist als Obmann gleichsam der Chef der Gruppe. „Die Feldwege sind auch abends und nachts frequentiert“, sagt er. Jogger, Radfahrer und Spaziergänger sind unterwegs, das mache die Jagd schwierig.

Auch deshalb kann Hertneck dem Vorstoß von Landesagrarminister Peter Hauk (CDU) viel abgewinnen. Um das Ausbreitungsrisiko der Afrikanischen Schweinepest durch Wildschweine gering zu halten und die Jagdbedingungen zu verbessern, will Hauk sich für eine Genehmigung von Nachtsichtgeräten einsetzen und die Schonzeit für die Tiere im März und April aussetzen. „Wenn die Schonfrist fallen würde und wir Nachtsichtgeräte einsetzen dürfen, würde uns das sehr helfen“, sagt Hertneck. Er und seine Mitpächter haben sich für das Gebiet Musberg erneut beworben und hoffen auf einen Zuschlag.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: