Der Blitzer an der Echterdinger Hauptstraße ist ganz neu. Das Foto zeigt ihn noch in Folie eingewickelt. Hier gab es bisher kein Messgerät. Foto: Thomas Krämer

Sieben hochmoderne Blitzersäulen überwachen in Leinfelden-Echterdingen bald den Verkehr. Die ersten sind bereits scharf geschalten, die anderen folgen bald. Doch wie machen sich die Blitzer eigentlich bezahlt?

Leinfelden-Echterdingen - Hochmoderne Blitzer überführen schon bald Verkehrssünder in Leinfelden-Echterdingen. Insgesamt sieben solcher Hightech-Geräte wurden bereits übers Stadtgebiet verteilt installiert. Die ersten von ihnen sind scharf geschalten. Wann werden sich die Blitzer bezahlt gemacht haben? Und gibt es besonders geeignete Standorte? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Wie viele Blitzer gibt es in L.-E.?

In Leinfelden-Echterdingen gibt es sieben Standorte, an denen zu schnelle Autofahrer ein Bußgeld riskieren. Diese sind: Stuttgarter Straße und Vaihinger Straße in Leinfelden, am Unteren Kasparwald, Sielminger Straße und Stettener Hauptstraße in Stetten, Bonländer Straße und Hauptstraße in Echterdingen. Alle sieben Blitzer sind neu von der Firma Jenoptik geliefert worden. An fünf Standorten sind alte Geräte ausgetauscht worden, die Blitzer an der Echterdinger Hauptstraße und an der Stettener Hauptstraße sind auf Anwohnerwunsch neu hinzugekommen. Geräte mit der alten Radartechnik gibt es keine mehr. Zudem hat die Stadt einen mobilen Blitzer. Das ist seit 2017 ein VW Caddy, aus dem geblitzt werden kann.

Sind die neuen Blitzer scharf?

Laut dem Leiter des Ordnungsamts, Gerd Maier, sind zwei der sieben Blitzer scharf geschalten worden. Es handelt sich dabei um den an der Sielminger Straße in Stetten und der Stuttgarter Straße in Leinfelden. Die anderen fünf sollen bis in den nächsten vier Wochen folgen. Hier fehlt teils noch die Stromversorgung. Scharf heißt allerdings nicht, dass die Blitzer immer blitzen. Die Stadt hat zwar sieben Säulen, aber nur zwei Messeinheiten. Die eine ist mal in diesem Gerät, mal in jenem. Die zweite Messeinheit ist meist im Caddy, kann aber auch vagabundieren. Anders als bei den alten Starenkästen ist bei den neuen Säulen für den Autofahrer nicht erkennbar, ob der Blitzer scharf ist oder nicht. Es gibt auch keine in den Boden eingelassene Schleife, wer hier schnell fährt, spielt russisches Roulette.

Wann machen sie sich bezahlt?

Gerd Maier, Leiter des Ordnungsamts von L.-E., hat hierauf keine eindeutige Antwort. Letztlich könne aber jeder selbst die Rechnung aufmachen. Die Blitzer haben die Stadt rund 280 000 Euro gekostet. Laut dem städtischen Rechenzentrum habe die Stadt im Jahr 2018 566 000 Euro über die mobilen und stationären Blitzer eingenommen. Das entspreche rund 25 000 Verstößen. Die Polizei wiederum habe auf dem Stadtgebiet eine Summe von knapp 330 000 Euro erblitzt.

Gerd Maier sagt aber: „Wir wollen damit kein Geld verdienen.“ Wenn der Caddy am Nordeingang von Echterdingen stünde, dann rasselten die Bußgeldbescheide nur so. „Teils musste man das Fahrzeug abziehen, weil wir zu viele Fälle gehabt hätten“, sagt er. Der Papierkram sei dann im Nachgang kaum mehr zu bewältigen. In den nächsten Wochen will das Ordnungsamt dem Gemeinderat eine erste Auswertung der neuen Säulen vorlegen.

Gibt es einen Superblitzer?

Den Ausführungen von Gerd Maier zufolge gibt es nicht den einen Blitzer, der alle anderen alt aussehen lässt. So etwas gibt es nämlich durchaus. Deutschlands fleißigster Blitzer steht an der B 27 zwischen Stuttgart und Tübingen auf Höhe Walddorfhäslach. Während dort eine Baustelle eingerichtet war, wurden 1400 Autofahrer erwischt – täglich. In L.-E. sei der Blitzer an der Sielminger Straße recht aktiv. Und zwar schon lang, „da gibt es zu unserer Überraschung keinen Lerneffekt“, sagt er.

Seine Erfahrung lehrt ihn übrigens: Hilfreich sind Anzeigegeräte: ein Smiley mit Mundwinkeln oben oder unten. Das Geschickte: Sie zeichnen im Hintergrund eine Statistik auf, und die hilft der Stadt bei ihren Überlegungen. Ob dort vielleicht ein Blitzer sinnvoll wäre oder andere Gegenmaßnahmen.

Gehören die Blitzer der Stadt?

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hat die neuen Blitzer – genauso wie den Caddy – von der Firma Jenoptik gekauft, die städtischen Mitarbeiter sind entsprechend eingewiesen worden. Laut Gerd Maier gibt es aber auch andere Modelle. Beispielsweise Leasing, oder dass die Stadt pro Foto bezahlt. Und: Je mehr Fotos ein Standort ausspuckt, desto günstiger wird es für die Stadt. Damit kann Maier nichts anfangen. Ums Geld dürfe es hier nicht gehen. Ob jemand ein Bußgeldbescheid erhält, liege nicht in der Verantwortung der Stadt. „Die Leute haben es in ihrem Gasfuß, ob wir als Stadt Geld kriegen oder nicht“, sagt er.

Wie werden die Raser ausgewertet?

Der Caddy und die sieben neuen Blitzer haben dieselbe Technik. Das Datenmaterial wird online ins System eingespeist. Weil die Blitztechnik mit Laser arbeitet, muss der Mitarbeiter nicht mehr wie ein Fuchs aufpassen, dass die Aufnahmen nicht verfälscht werden, sei es durch Parkende oder eine Sonnenreflexion. Bei Radar war das so. Heute kann er im Caddy sitzen und die Daten der Vortage auswerten. Früher musste ein USB-Stick, also eine Speicherkarte aus der Radarfalle gezogen werden. Die Daten hat ein Dienstleister für die Stadt ausgewertet.

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