Beim Aufbau des Krans habe es keine Auffälligkeiten gegeben, so der Kranverleiher. Foto: privat

Warum sich der Boden unter einem Kranfuß abgesenkt hat, können sich auch Experten nicht erklären. Ausgefahren werden darf er erst wieder, wenn ein Prüfstatiker sein Okay gegeben hat.

Oberaichen - In den 30 Jahren, die er im Baugewerbe tätig ist, habe er so etwas noch nicht erlebt, sagt Frank Hüfner, der Geschäftsführer des Bauträgerunternehmens Wohnbau-Treuhand. „Im Bau gibt es nichts, was es nicht gibt, aber normal ist das nicht.“ Seine Firma baut an der Rohrer Straße 131 ein Acht-Familienhaus, alle Wohnungen sind bereits verkauft. Doch derzeit ruhen alle Bautätigkeiten. Besorgte Anwohner hatten vergangene Woche dem Baurechtsamt gemeldet, dass sich der aufgestellte Baukran bedrohlich zur Seite neigte. Am Freitag wurde er daher vorerst eingefahren.

Als Grund für die Schieflage des Krans nennen Fachleute, dass sich der Untergrund an einem Standfuß abgesenkt hatte. Das wundert auch Oswald Kammerlander, den Geschäftsführer des gleichnamigen Kranvermieters. Beim Aufbau habe es keine Auffälligkeiten gegeben, erinnert er sich. Es sei vertraglich festgelegt, dass der Boden vorab von Geologen und Statikern untersucht und abgenommen werde. „Wir bringen unsere Kräne auf geprüften Flächen an“, betont er.

Der Kranführer muss den Kran täglich prüfen

Der normale Ablauf an einer Baustelle sei so, dass seine Firma den Kran aufbaue und ihn anschließend an den Bauunternehmer übergebe, erklärt Kammerlander. Im Normalfall kommt der Kranvermieter erst wieder zum Abbau an die Baustelle. Den Kran während der Bauzeit zu kontrollieren, obliege dem Bauunternehmer. „Der Kranführer muss den Kran täglich prüfen, um sicherzustellen, dass sich nichts verändert“, sagt Kammerlander. Er vermutet, dass aufgrund der Bauferien über Weihnachten nicht früher aufgefallen ist, dass sich der Kran zur Seite neigte.

Michael Bläske, der Leiter des Baurechtsamts in Leinfelden-Echterdingen, kann besorgte Anwohner beruhigen: Der Baukran, so wie er im Moment dastehe, habe eine Standsicherheit von 140 Prozent. Das habe der sogenannte Standsicherheitsnachweis ergeben, den der Bauleiter zusammen mit einem Geologen am Mittwoch durchgeführt habe. „Ich habe aber gesagt: Das reicht mir nicht. Der Kran wird erst wieder in Betrieb genommen, wenn wir einen Nachweis vom Prüfstatiker haben, dass der Kran ausgefahren standsicher ist“, sagt Bläske. Er habe deshalb unmittelbar veranlasst, dass sich ein Prüfstatiker die Angaben des Kranerrichters, des Geologen und des Statikers anschaue. „Dann kann er berechnen, ob die getroffenen Maßnahmen ausreichen, um den Kran so betreiben zu können.“

Reichen drei Füße zur Standsicherheit?

Zu den getroffenen Maßnahmen gehört, dass das Fundament des Fußes, der sich abgesenkt hatte, mit Beton ausgegossen wurde. Das bedeutet, dass der Kran derzeit nur auf drei Füßen steht – eine Tatsache, die dem Anwohner Thomas Klötzel nicht gefällt. Doch der Kranverleiher Oswald Kammerlander kann ihn beruhigen: „Auf einem Fuß ist kein Gewicht drauf, er ist mit Blöcken unterbaut.“ Auch Klötzels Frage, warum der Kran nicht auf einer durchgehenden Platte stehe, kann Kammerlander beantworten: „Das ist hier nicht erforderlich.“ Platten würden in der Regel nur angebracht, wenn ein Kran an einer Böschung oberhalb der Baugrube stehe. Ein Baukran wiege samt Last etwa 30 Tonnen, die Fundamente könnten im Normalfall 40 Tonnen aufnehmen. „Aber es kommt auf das Darunter an. Der Boden muss die Werte aufnehmen können. Auf der Baustelle war das an einer Stelle nicht gegeben.“

Die Bauträgerfirma hat inzwischen allen Anwohnern einen Brief geschrieben und sie darin aufgefordert, sich bei Fragen oder Problemen direkt bei ihr zu melden. Der Geschäftsführer Frank Hüfner nennt dies eine „vertrauensbildende Maßnahme“. Er wisse, dass Baustellen immer ein Ärgernis für die Nachbarn darstellen, und gehe von einer „feindlichen Grundstimmung“ aus. Die Sorgen nehme er aber selbstverständlich ernst. Gleichzeitig versichert er, dass mit alteingesessenen, seriösen Firmen zusammengearbeitet werde.

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