Die Filderhalle bietet aufgrund ihrer Größe ausreichend Platz für kommunalpolitische Sitzungen. Ansonsten muss der Betrieb dort nach dem Shutdown erst wieder anlaufen. Foto: Archiv Natalie Kanter

Die Corona-Pandemie zwingt Menschen – aber auch den Kommunen – Herausforderungen auf, die bis vor wenigen Monaten noch nicht denkbar gewesen wären. Was ein Blick nach Leinfelden-Echterdingen zeigt.

Leinfelden-Echterdingen - Viele Eltern fiebern nun dem 29. Juni entgegen. Von diesem Tag an sollen alle Kitas und Grundschulen wieder ihre Pforten öffnen. Regelbetrieb unter Pandemie-Bedingungen: Geht das überhaupt? Der jüngste Beschluss des Kabinetts gibt den Familien Hoffnung und Kraft, die kommenden Wochen irgendwie noch durchzustehen. Kommunen wie Leinfelden-Echterdingen stehen derweil vor einer großen Herausforderung. Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell sprach am Dienstagabend in einem Gemeinderatsausschuss von einer Herkulesaufgabe. Wie man diese innerhalb von zwei Wochen stemmen wolle, müsse nun beraten werden. Schließlich gehörten etwa 30 Prozent des Lehrerkollegiums der örtlichen Schulen sowie der städtischen Mitarbeiter der Risikogruppe an.

Die Stadt wolle nun den tatsächlichen Betreuungsbedarf der Kita-Eltern abfragen und dann klären, was sie für Personal zur Verfügung habe, erklärte Kalbfell. Die SPD warnte in der Sitzung derweil davor, die recht niedrigen Zahlen in der Notbetreuung hierfür als Anhaltspunkt zu nehmen. Schließlich gebe es strenge Regeln für diese Notgruppen. Viele Eltern könnten ihre Kinder dort gar nicht anmelden.

Finanzspritze für die Filderhalle

In Not ist derzeit auch das Leinfelder Tagungs- und Kongresszentrum, welches deshalb von der Stadt mit einem Zuschuss von bis zu 530 000 Euro unterstützt werden soll. Hierfür gab der Ausschuss am Dienstagabend grünes Licht, die Entscheidung des Gemeinderates steht noch aus. Die Filderhalle hat mit den Folgen der Corona-Krise schwer zu kämpfen. Das Geschäft ist mit dem Ausbruch des Virus und den starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens Mitte März fast vollständig zum Erliegen gekommen. Und das, obwohl die Halle erst vor Kurzem aufwendig umgebaut und erweitert wurde.

Bisher musste niemand gekündigt werden, etwa die Hälfte der Mitarbeiter ist aber in Kurzarbeit, sagt Geschäftsführer Nils Jakoby. Der Gastronomiebereich ist noch komplett geschlossen. Ab sofort soll der Betrieb der Filderhalle aber wieder hochgefahren werden. Denn seit Kurzem ist klar, dass unter Einhaltung der Hygiene-Vorschriften Veranstaltungen bis zu 99 Personen stattfinden können. Die Zahl der Anfragen steige auch wieder, sagt Jakoby, dennoch werde man noch einige Zeit benötigen, um zu den gewohnten Umsatzzahlen zurückkehren zu können. Auch nach der Krise könne der Markt enger werden, befürchtet er. Denn gerade im Seminarbereich werde vieles weiter im Homeoffice passieren. Er und sein Team sind dennoch zuversichtlich. An neuen, inhaltlichen Konzepten werde gebastelt. Die Filderhalle sei bereits jetzt sehr gut bei sogenannten „hybriden“ Veranstaltungen aufgestellt. Darunter sind Präsenzveranstaltungen für regionale Gruppen zu verstehen, bei denen Teilnehmer aus anderen Regionen per Video zugeschaltet werden.

Hilfe für örtliche Vereine

Aufgrund der Krise sind derzeit noch sämtliche Großveranstaltungen untersagt. Sportevents, Musik- und Kulturveranstaltungen fallen ins Wasser. Weil dies finanzielle Folgen für örtliche Sport- und Kulturvereine sowie auch soziale Initiativen haben kann, wird die Stadt einen Kriterienkatalog erarbeiten. Das Ziel: Vereinen und Initiativen, die aufgrund der fehlenden Einnahmen in ihrer Existenz bedroht sind, finanzielle Hilfe zu bieten. Auch dafür hat der Ausschuss am Dienstag grünes Licht gegeben.

Wie es mit der Kultur weitergeht

Vier Veranstaltungen des städtischen Kulturprogramms mussten in diesem Frühjahr abgesagt werden. Zwei davon waren für Mitte März geplant. „Diese Nummer war zu heiß“, sagt Amtsleiterin Dorothea Wissmann-Steiner auf Nachfrage. Diese Veranstaltungen sollen in der Spielzeit 2021/22 nachgeholt werden.

Aktuell erschweren die noch geltenden Abstandsregeln von eineinhalb Metern dem Team die Arbeit. Denn mit diesen Regeln passen gerade einmal 52 Zuschauer in den kleinen Saal der Filderhalle. Es wird versucht, in größere Räume auszuweichen, bei Veranstaltungen für Kinder mache dies aber wenig Sinn, erläutert Wissmann-Steiner. Man arbeite an Hygiene-Konzepten und digitalen Alternativen. Allerdings wisse man nicht, welche Regeln im Herbst gelten werden und hoffe auf weitere Lockerungen.

Klar ist bereits, dass die Lesezeit, eine etablierte Veranstaltungsreihe, bei der insbesondere Kinder und Jugendliche zum Lesen verführt werden sollen, in dieser Saison abgespeckt über die Bühne gehen wird. „Wir werden uns auf die Autorenlesungen für Kinder und Jugendliche konzentrieren“, sagt die Amtsleiterin. Ein umfassendes Begleitprogramm wie in den vergangenen Jahren wird es nicht geben. Dennoch wagt das städtische Kulturteam einen „hoffnungsvollen Blick“ in die Zukunft. Das Programm für die Spielzeit 2021/22 ist bereits festgezurrt. Der Ausschuss hat am Dienstag das Kulturamt beauftragt, dieses auch umzusetzen.

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