Leinfelden-Echterdingen Wer spät dran ist, muss Schlange stehen

Von Natalie Kanter 

Immer wieder samstags stauen sich die Autofahrer   vor der Entsorgungsstation in Stetten. Foto: Natalie Kanter
Immer wieder samstags stauen sich die Autofahrer vor der Entsorgungsstation in Stetten. Foto: Natalie Kanter

Immer wieder samstags bilden sich an der Sielminger Straße in Stetten lange Staus. Denn an diesem Tag wollen viele Bürger aus dem Landkreis ihren Müll und auch Grüngut an der Entsorgungsstation abgeben. Der Frust unter den Wartenden ist groß.

Leinfelden-Echterdingen - Der frühe Vogel fängt den Wurm. Dieser Satz gilt auch für die Stettener Entsorgungsstation. Bürger aus dem Landkreis können dort Sperrmüll, Elektroschrott aber auch Gartenabfälle loswerden. Denn auf dem Gelände liegt auch der örtliche Kompostierungsplatz. Die Station hat jeden Werktag geöffnet. Am Samstag aber – dem Tag an dem Menschen, die Vollzeit arbeiten, Zeit haben, ihren Müll zu entsorgen – macht das Gelände um 12.30 Uhr zu. Die Folge: Wer kurz vor Ladenschluss rein will, muss lange warten.

Aber der Reihe nach: Um 9.15 Uhr herrscht noch freie Fahrt an der Sielminger Straße. Stationsleiterin Monika Raff winkt die wenigen Autofahrer, die bereits jetzt zum Eingang rollen, zu sich. Sie schaut durch Autofenster, blickt in den Kofferraum und sichtet, was im Anhänger geladen ist. Hausmüll, Papier, Kartonagen, Teppiche, alles was bei der Renovierung des Eigenheimes anfällt, darf gebracht werden. Farbe wird nicht angenommen.

Wer nur Grüngut hat, wird durchgewunken

Monika Raff kontrolliert, kassiert und hält via Funkgerät Kontakt zu den anderen Mitarbeitern der Station. Diese helfen weiter, wenn jemand beispielsweise einen ganz schweren Herd bringt. Die freundliche Dame gibt auch Tipps, wo Bauschutt günstiger abzugeben ist. Wer nur Grüngut geladen hat, wird durchgewunken. „Einfach rechts halten“, sagt sie.

Auch am Grüngutsammelplatz ist es zu dieser Uhrzeit noch ruhig. Gerade einmal zwei Männer laden Äste ab und schmeißen sie auf die dafür bestimmten Haufen. Einer davon ist Georg Mildner. Er hat schon am Freitag angefangen, die Hecke in seinem Garten zu kürzen. „Ich fahr jetzt zurück in den Garten und mache weiter“, sagt er. Was dann beim Schneiden abfällt, wird er am Montag nach Stetten bringen. Andere können oder wollen sich dies nicht leisten. Wer keinen Urlaubstag opfern will, muss notgedrungen am Samstagvormittag zum Wertstoffhof kommen.

„Diese Öffnungszeiten sind nicht gerade gartenfreundlich“, sagt ein Mann aus Musberg. Er braucht Holzschnitzel für sein Himbeerbeet. Dass man samstags besser früh morgens zur Sammelstelle kommt, wisse er mittlerweile. Später müsse man mitunter eine halbe, dreiviertel Stunde auf Einlass warten.

Von elf Uhr an heißt es Schlange stehen

Der Mann hat Recht. Bereits von elf Uhr an stehen die Autofahrer auch an diesem Tag an der Zufahrt zur Entsorgungstation Stoßstange an Stoßstange. An manchen Samstagen reicht der Stau bis vor zur Kreuzung, die zur Schnellstraße B 27 führt, berichten Stadträte und andere Bürger. Und manch ein Gartenbesitzer muss dann befürchten, gar nicht mehr dranzukommen.

Unter denen, die warten müssen, ist der Frust groß: „Jeden Samstag ist das hier so“, ruft eine Frau aus ihrem Fahrzeug. „So ein Blödsinn“. Darauf angesprochen sagt sie: „Der Stau geht so weit, dass sich die Autos an der Sielminger Straße gegenseitig blockieren.“ Früher sei es besser gewesen, beklagen viele. Denn früher habe es zwei Eingänge gegeben – und eben nicht nur einen. Das bedeutet, egal was man im Kofferraum oder Hänger hat, man muss sich in ein- und derselbe Schlange anstellen.

Warum dies so ist, erklärt Manfred Kopp, der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs Esslingen: „Die Entsorgungsstation in Stetten wurde vor einigen Jahren neu errichtet.“ Die AWB habe dabei den Kompostierungsplatz der Stadt übernommen und auf einem neuen, größeren Gelände in die Entsorgungsstation integriert. Will heißen: Aus zwei voneinander getrennten Anlagen wurde eine gemacht. Seitdem gibt es nur noch einen Eingang.

Samstag ist schon immer der Haupttag

„Samstag ist der Haupttag“, sagt auch Stationsleiterin Raff. „Da gibt es den größten Ansturm. Das war schon immer so.“ Seit 20 Jahren macht sie diesen Job. Ihr Vorschlag: Für alle, die Grüngut bringen, den Platz erst nachmittags öffnen. Denn dann „sind wir mit allem anderem durch.“ Von zwei separaten Eingängen hält sie dagegen wenig. Denn: „Es gibt immer Leute, die neben dem Grüngut noch anderen Müll dabei haben.“

Zwei Eingänge zu schaffen – einen für Grüngut und den anderen für Müll – sei baulich nicht möglich, erklärt AWB-Geschäftsführer Kopp. Er sagt: „Wir haben die Abläufe bereits nachgebessert.“ Die Grüngutsammelstelle habe mittlerweile genauso oft wie die Entsorgungsstation geöffnet. Seiner Erfahrung nach kommen die Menschen zudem – so oder so – immer kurz vor Toresschluss. An diesem Verhalten würde auch eine Verlängerung der Öffnungszeiten bis in den Nachmittag hinein nichts ändern. „Wir können also nur an die Leute appellieren, dass sie nicht nur am Samstag die Entsorgungsstation aufsuchen“, sagt er.

Will heißen: Es bleibt alles, wie es ist. Wer also nicht Schlange stehen will, muss auch samstags früh aufstehen. Oder aber sich für die Gartenarbeit einen Tag unter der Woche frei nehmen.

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