Zurück zum G9: Das hat auch auf den Fildern Folgen. Foto: Armin Weigel/dpa

Was ist der G9-Effekt? Es gibt immer mehr Klassen an den beiden Gymnasien von Leinfelden-Echterdingen. Dieser Effekt hat auch Folgen für andere Schulen der Stadt.

Vergangenen Herbst sind auch in Leinfelden-Echterdingen Fünft- und Sechstklässler ins neue neunjährige Gymnasium gestartet. Marco Eisele vom Amt für Schulen, Jugend und Vereine spricht nun vom sogenannten G9-Effekt. Will heißen: Einigen Schulen in Leinfelden-Echterdingen gehen über kurz oder lang die Räume aus. Denn: „Ab dem Schuljahr 2032/2033 kommt ein ganzer zusätzlicher Jahrgang dazu.“ Die Anzahl der Klassen an den beiden Gymnasien steige dadurch deutlich. „Die beiden Kant-Schulen können das nicht abbilden.“

 

Gemeint sind damit das Immanuel-Kant-Gymnasium und die Immanuel-Kant-Realschule. Die Realschule liegt direkt neben dem Gymnasium. Lehrer und Schüler der Realschule nutzen schon seit längerer Zeit fünf Klassenräume und zwei Fachräume des Gymnasiums für sich. Das könnte nun zu einem Problem werden.

Denn laut einer aktuellen Prognose der Stadt werden die Gesamtschülerzahlen in Leinfelden-Echterdingen weiter wachsen. Hinzu kommt der G9-Effekt am Leinfelder Gymnasium mit der Folge, dass dort und an der benachbarten Realschule bereits in vier Jahren bis zu vier Klassenzimmer und weitere Fachräume fehlen. Dieser Mangel könnte bereits zwei Jahre später bei sieben Klassenräumen und weiteren Fachräumen liegen.

Das Leinfelder Gymnasium muss dringend saniert werden

Außerdem muss just das Leinfelder Gymnasium dringend energetisch in Schuss gebracht werden. Dieses Thema wird schon seit vielen Jahren diskutiert. Ein großes Problem ist auf dem Schulcampus auch die Turnhalle. Das Dach der Halle ist immer noch undicht, es soll in den Sommerferien gerichtet werden. Wobei „der bauliche Zustand aller weiterführenden Schulen so nicht bleiben kann“, wie Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell sagt.

Unter der Überschrift „Bildungsraum LE 2040“ will die Stadt trotz schwieriger Finanzlage deshalb in einen „grundlegenden Prozess zur städtischen Schulentwicklungsplanung“ einsteigen. Es soll keinen Stillstand geben, es sollen Ideen erarbeitet werden – auch wenn die Haushaltslage mehr als angespannt ist, heißt es dazu aus dem Rathaus.

Für die Kant-Schulen in Leinfelden erstellen Mitarbeiter des Hochbauamtes gemeinsam mit einem Architekturbüro gerade eine Machbarkeitsstudie. Die Ergebnisse sollen noch im Laufe dieses Jahres vorliegen. Fragen wie: „Lohnt sich eine Sanierung?“ „Kann man Räume auch aufstocken?“ „Wie viele Nebenräume sind nötig?“ werden beleuchtet.

Auch in Gängen und Aufenthaltsräumen sollen Schüler in Leinfelden-Echterdingen künftig lernen können. Foto: Sven Hoppe/dpa

Zunächst aber ist das Ziel, an allen Schulen Räume stärker multifunktional zu nutzen. Diese könnten nachmittags beispielsweise von Vereinen bespielt werden. Auch auf bisher nicht genützten Flächen soll künftig gelernt und gearbeitet werden können. „Wir haben an den Schulen viele Gänge und Aufenthaltsräume“, sagt Anette Mika-Fehrle, die zuständige Abteilungsleiterin dazu.

Dort könnten beispielsweise Lerninseln für kleinere Gruppen oder einzelne Schüler eingerichtet werden. Dafür gab es im zuständigen Gemeinderatsausschuss fraktionsübergreifend Lob. Allerdings gab die SPD zu bedenken: „An den Kant-Schulen kommen wir mit kleinen Maßnahmen nicht weiter.“ Die Grünen sind da etwas anderer Meinung: „An diesen Schulen muss etwas passieren, das ist klar – aber maßvoll.“ Denn: „Die Geburtenzahlen sinken, die Kinderzahlen werden wieder zurückgehen.“ Mögliche Erweiterungsbauten müssten später auch anders genutzt werden können.

G9-Effekt am Echterdinger Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasium

Durch den G9-Effekt könnte es auch am Echterdinger Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasium wieder enger werden. Obwohl die Schule bereits in den vergangenen Jahren Wanderklassen etabliert hat. Zur Erklärung: Diese Klassen haben kein festes Klassenzimmer.

Weitere Räume braucht auch die Eichbergschule in Musberg. Diese Grundschule hat aber auch Probleme anderer Art. Das Schuldach ist zwar mittlerweile gerichtet, heißt es aus dem Rathaus. Das Gebäude aber ist weiter sanierungsbedürftig. „Die Fenster sind nicht dicht. Im Dach des Toilettentrakts klafft ein Riss. Auf einer Toilette sieht man den Himmel“, beschreibt die SPD den baulichen Zustand dieser Schule.