Die Volkshochschule Leinfelden-Echterdingen bleibt nicht nur unter dem Dach der Stadt. Sie will ihr Angebot auch deutlich ausweiten. Foto: Natalie Kanter

Es ist noch gar nicht lange her, da stand eine Fusion der Volkshochschule in Leinfelden-Echterdingen mit der in Böblingen-Sindelfingen im Raum. Doch nun kommt es anders: Die hiesige VHS überzeugt mit einem eigenen Zukunftskonzept.

Leinfelden-Echterdingen - Nach der Sitzung des Verwaltungs-, Kultur- und Sozialaussschusses am Dienstagabend hat man sich schon fragen müssen, warum überhaupt eine Fusion der örtlichen Volkshochschule mit der VHS Böblingen/Sindelfingen im Raum gestanden hat. Denn Stadträte aller Couleur und auch Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell haben an diesem Abend Ilse Winkler und ihr Team mit Lob überschüttet. Im Anschluss wurde das Zukunftskonzept der Einrichtung einstimmig abgesegnet.

Aber der Reihe nach: Im Herbst vor einem Jahr hatte der gleiche Ausschuss der Verwaltungsspitze den klaren Auftrag erteilt, die VHS auf den Prüfstand zu stellen und diese organisatorisch weiterzuentwickeln. Das Defizit der Einrichtung sollte verringert werden. Anlass dafür war auch, dass Ende 2015 der langjährige VHS-Leiter in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Räte sahen die Fusion kritisch

Bürgermeister Kalbfell hatte daraufhin Gespräche mit verschiedenen Volkshochschulen in der Umgebung geführt. Der Leiter der VHS Böblingen/Sindelfingen war an einer künftigen Zusammenarbeit interessiert. Er bot die Gründung eines gemeinsamen Vereins mit dem Titel vhs.Regio an. Diese Fusionsgespräche, die Mitglieder der SPD und der Grünen kritisch und die L.E.-Bürger/FDP reserviert gesehen haben, sind mittlerweile vom Tisch. Die VHS L.-E. wird unter dem Dach der Stadt bleiben. Das örtliche Team hat, wie Kalbfell unserer Zeitung sagt, „aus der Herausforderung eine Chance“ gemacht und ein eigenes „Konzept mit Charme“ vorgelegt. Zudem hätte die angedachte Fusion auch weniger Geld eingespart, als zunächst angenommen. Das habe die Verwaltung nach genauem Nachrechnen festgestellt.

Das liegt auch daran, dass die Bildungseinrichtung bei genauem Betrachten finanziell besser dasteht, als gedacht. Lange Zeit war von einem jährlichen Defizit von 1,3 Millionen Euro die Rede gewesen. Dieser Betrag beinhaltet aber einen großen Anteil an internen Verrechnungen, auf welche das VHS-Team gar keinen Einfluss hat.

Kurse für Kinder und Jugendliche

Ilse Winkler, die vermutlich in der kommenden Woche vom Gemeinderat als neue feste VHS-Leitung ernannt wird, präsentierte am Dienstag nun das erarbeitete Konzept erstmals in der Öffentlichkeit. Die Mitarbeiter haben sich demnach fünf Ziele bis zum Jahr 2020 gesetzt. Die VHS soll sich zu einem Familienzentrum entwickeln. Kurse für Kinder und Jugendliche sollen ausgebaut werden. Der Unterricht soll durch digitale Formate ergänzt werden. Es wird mehr Veranstaltungen im Gesundheitsbereich geben. Auch das Angebot für ältere Mitbürger soll erweitert werden. Zudem strebt die VHS eine Zertifizierung durch die Arbeitsagentur an – um spezielle Integrationskurse anbieten zu können. Dazu will man mit der Filderstädter Kunstschule, mit Schulen und Kindergärten, Elternbeiräten sowie mit der Stadtbücherei und Vereinen zusammenarbeiten.

Insbesondere der Ausbau der Gesundheitskurse soll mehr Einnahmen bringen. „Die Gesundheit gilt heutzutage als Lebensziel. Diesen Trend haben wir erkannt“, sagte Winkler. Da eine Fachbereichsleiter-Stelle zu Hälfte über das Lehrerprogramm des Landes finanziert ist, wird bei den Personalkosten gespart. Zudem sollen die Gebühren in regelmäßigen, aber „kleinen Schritten“, wie Winkler betonte, erhöht werden. Bereits in diesem Herbst sind die Kosten für Sprach- und Gesundheitskurse um drei Prozent nach oben gegangen.

„Die VHS ist jetzt schon zukunftsfähig“, sagte die designierte neue Leiterin am Dienstag. Die Einrichtung könne auch ohne eine Fusion mit einer anderen VHS gut überleben. Zumal die VHS L.-E. ihre Unterrichtsstunden in den vergangenen zehn Jahren um 22,5 Prozent steigern konnte. Die Zahl der Kurse „Deutsch als Fremdsprache“ ist von 2010 auf 2015 um 250 Prozent angestiegen.

Ein Ruck sei durch die VHS gegangen

Zurück zum Lob: „Durch den Druck, Einsparungen erzielen zu müssen, ist ein Ruck durch die VHS gegangen“, sagte Eberhard Wächter (Freie Wähler). „Die VHS wurde auf den Prüfstand gestellt, dabei ist viel herausgekommen“, sagte Eva Barth-Rapp (Grüne). Die VHS sei im Gemeinwesen der Stadt stark verankert. Da hätte eine Fusion vor allem Nachteile gebracht.

Sabine Onayli (L.E. Bürger/FDP) sagte: „Die VHS gehört in unsere Stadt. Ich bin total froh, dass die Fusion vom Tisch ist.“ Sie regte an, über einen neuen Namen und ein Raumkonzept nachzudenken. SPD-Stadträtin Barbara Sinner-Bartels lobte die vielen kreativen Ideen, die in dem Konzept stecken. Und sagte in Richtung von Ilse Winkler: „Sie hatten keine einfache Zeit zu bewältigen.“- „Die Entwicklung in diesem Jahr hat viel Positives hervorgebracht“, erklärte Claudia Zöllmer (CDU).

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