Parkscheibe nicht vergessen: Dieser Merksatz ist seit Frühsommer wichtig auf dem Ladenzentrum in Leinfelden. Foto: Factum-Weise

Durfte ein Parküberwacher Anfang April Strafzettel bei einem Ladenzentrum in Leinfelden-Echterdingen wegen fehlender Parkscheiben verteilen? Hierzu ist aktuell ein Streit entbrannt, der sogar vor Gericht landen könnte.

Leinfelden - Andreas Kalckbrenner hat seiner Erinnerung lieber auf die Sprünge geholfen. Er hat sich die Unterlagen und die Korrespondenzen zwischen ihm – Vertreter der Firma Nanz als Eigentümerin des Ladenzentrums in Leinfelden – und Park Security noch einmal genau angeschaut. Und deshalb liegt die Sache jetzt beim Anwalt, sagt er.

Park Security war bis September von der Firma Nanz engagiert, Knöllchen zu verteilen, wenn Autofahrer keine Parkscheibe aufs Armaturenbrett gelegt haben. Das Ziel: Fremdparker zu vergrätzen, die Kunden Plätze wegschnappen. Nanz hat dem Überwacher inzwischen gekündigt; die Zusammenarbeit lief laut Kalckbrenner nicht rund. Im April, als die neue Regelung eingeführt worden ist, gab es nachhaltige Proteste von Kunden. Die Leute fühlten sich abgezockt und rüde behandelt. Seit September schaut nun Park & Controll auf dem Ladenparkplatz nach dem Rechten.

Die Angelegenheit ist alles andere als geklärt

Überraschend für manchen Kunden, der Anfang April ein Knöllchen hinter dem Scheibenwischer vorgefunden hatte: Anfang November kam Post von einem Inkasso-Büro. Darin eine Mahnung. Die Forderung: 49,90 Euro. Die Leute waren deshalb verblüfft, weil die Sache für sie längst vom Tisch war. Sie hatten sich Anfang April bei Edeka beschwert, und der Supermarkt hatte den Kunden laut deren Aussage versprochen, sich zu kümmern.

Während zunächst alles danach aussah, als ob die Forderungen von Park Security berechtigt sind und Edeka in der Pflicht steht, ist dies mittlerweile nicht mehr mit Sicherheit zu sagen. Vor einer Woche war auf Anfrage unserer Zeitung von einer Übergangszeit von zwei Wochen die Rede, vom 15. bis 31. März. Parkscheibenpflicht habe demnach vom 1. April an bestanden. Die nun geahndeten Parkverstöße rühren wohl alle von Anfang April her.

Nanz hat für den Ausfall bezahlt

Nachdem die Kundenproteste Anfang April nicht abgeebbt sind, hat Nanz mit Park Security verhandelt, wie Andreas Kalckbrenner sagt. Das Resultat: Die Schonfrist wurde um vier Wochen verlängert, die Einführung wurde auf den 2. Mai verschoben. Dafür hat Nanz gezahlt. Insgesamt hat Nanz nach Informationen unserer Zeitung knapp 4800 Euro dafür bezahlt, dass Park Security keine Knöllchen verteilt und stattdessen die Kunden mit Flyern über die anstehende Neuerung informiert. Sechs abzugeltende Wochen stehen auf der Rechnung. Dieser neuen Vereinbarung nach hätte Park Security die Anfang April verteilten Knöllchen stornieren müssen, sagt Kalckbrenner. Von den nun versandten Mahnungen sei Nanz deshalb ebenfalls mehr als überrascht. Weil Park Security – trotz Aufforderung seitens Nanz – vergangene Woche keine Stellung bezogen habe, liege die Sache nun beim Anwalt. „Wir fordern Unterlassung“, sagt Kalckbrenner. Notfalls auf dem Klageweg. Betroffenen Kunden werde geraten, abzuwarten.

Auch der Parküberwacher hat sich inzwischen rechtlich beraten lassen, sagt der Geschäftsführer der POD GmbH, zu der Park Security gehört. Seinen Namen will er nicht nennen. Auf Nachfrage unserer Zeitung hatte Park Security vergangene Woche von einer zweiwöchigen Schonfrist gesprochen, nun räumt der Geschäftsführer die Verlängerung um vier Wochen ein. Allerdings sei nicht vereinbart worden, dass die Knöllchen von Anfang April storniert werden sollen. Es habe sich nur um ein paar Tage gehandelt, vom 9. bis 30. April hätten die Parkwächter wieder nur informiert. Auf die Rechtmäßigkeit der Knöllchen besteht der Geschäftsführer.

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