Mit ungewöhnlichen Aktionen – wie dieser umfunktionierten Biotonne – machen Bürger auf die Platzplatznot in Echterdingen aufmerksam Foto: , N. Kanter

Der Ärger über zugeparkte Anwohnerstraßen ist groß. Abhilfe soll ein Parkraumkonzept bringen. In wenigen Wochen will die Stadt erste Ideen dazu öffentlich präsentieren. Diese Ideen erinnern stark an das Stuttgarter Parkraummanagement.

Leinfelden-Echterdingen - Nichts brennt den Bürger von Leinfelden-Echterdingen so unter den Nägeln, wie die tägliche Parkplatzsuche vor der eigenen Haustüre oder vor dem Einkaufsladen ihrer Wahl. Der Ärger über von Ortsfremden zugeparkte Anwohnerstraßen ist groß, genauso wie jener über den knappen Parkraum. Bürger schalten sogar ganzseitige Anzeigen im Amtsblatt, um auf ihre Not hinzuweisen. Petitionen laufen. Es werden also vermutlich viele Zuhörer zu der Veranstaltung kommen, die Bürgermeisterin Eva Noller nun gegenüber unserer Zeitung ankündigt.

Einen konkreten Termin gibt es noch nicht, in drei bis vier Wochen sollen die Bewohner der Stadt aber unter der Überschrift „LE im Dialog“ darüber informiert werden, welche erste Ideen es gibt, um dem Parkdruck Herr zu werden. Dabei sind auch die Anregungen der Bürger gefragt. Einen solchen Austausch sollte es eigentlich, auf Drängen der SPD-Fraktion, bereits im Herbst geben.

Wie zu erfahren war, steht mittlerweile eine Art Grobkonzept. Es erinnert an das sogenannte Parkraummanagement, welches in der Stadt Stuttgart bereits umgesetzt ist. Demnach können künftig Bürger von L.-E. gegen eine moderate Jahresgebühr einen sogenannten Bewohnerparkausweis beantragen. Ähnliche Ausweise sind auch für in der Stadt Beschäftigte im Gespräch. Wer keinen solchen Ausweis hat, muss sein Auto auf einen privaten Stellplatz, beispielsweise in der Garage, abstellen. Ortsfremde müssen Parkscheine lösen.

Fremdparkern einen Riegel vorschieben

Hinter verschlossenen Türen haben Fachleute der Stadt gemeinsam mit Stadträten den ersten Aufschlag einer Parkraumkonzeption entwickelt, die laut Eva Noller folgendes Ziel verfolgt: „Die Bürger sollen im Stadtgebiet parken können, Fremdparker eher nicht.“ Jenen Menschen, die ihr Auto gerne in den Straßen von L.-E. kostenlos abstellen, um sich das Ticket am Flughafen, der Messe oder an einer der S-Bahnstationen zu sparen, soll ein Riegel vorgeschoben werden.

Bisher ist noch nichts beschlossene Sache, vielmehr ist man noch offen für weitere Vorschläge. Der nächste Schritt wird eine intensive Bürgerbeteiligung sein. Dazu soll auch die geplante Infoveranstaltung dienen. Die Stadt will zudem mit Vertretern des örtlichen Bundes der Selbständigen sowie der hiesigen Industrie- und Wirtschaftsvereinigung sprechen.

Bürgermeisterin Eva Noller will sich noch nicht in die Karten schauen lassen – schließlich soll es demnächst eine öffentliche Informationsveranstaltung dazu geben. Sie bestätigt aber immerhin: „Das Parken im Stadtgebiet wird nicht mehr kostenlos sein.“ Und: „Es wird weitere Regelungen geben.“ Fest steht bereits: Wer in Leinfelden-Echterdingen sein Auto abstellt, muss von Frühjahr an mit deutlich mehr Kontrollen rechnen. Das Team des Gemeindevollzugsdienstes wird um drei Mitarbeiter aufgestockt, die sich ausschließlich um den ruhenden Verkehr kümmern werden.

Schindluder mit alten Ausweisen

Mit dem neuen Parkraumkonzept soll ein „Webfehler“ des jetzigen Systems, wie es Noller formuliert, korrigiert werden. In den 1990er Jahren, als die S-Bahn in Leinfelden-Echterdingen in Betrieb ging, hat man zunächst rund um die Bahnhöfe Anwohnerparken eingeführt, erläutert Jutta Rößler, die Vizeleiterin des städtischen Ordnungsamtes. Diese Zonen wurden mit der Zeit immer größer und sollen nun in kleinere Gebiete unterteilt werden.

Die alten Anwohnerparkausweise, die zehn Jahre lang galten, boten die Gelegenheit, Schindluder damit zu betreiben, ist zu hören. Sie sollen die Grundlage für diverse Geschäftsmodelle im Internet gewesen sein. Rößler bestätigt dies. Das Problem: Die ersten Parkausweise waren noch ohne Zuordnung eines Kennzeichens. Von dieser Regelung ist man deshalb bereits vor Jahren wieder abgekommen. Für jedes Fahrzeug wurde ein Ausweis ausgestellt – in einer Familie gab es somit teilweise sehr viele. Jeder Haushalt erhielt zusätzlich ein Besucherausweis.

Auch bei diesen Besucherausweisen, stellt sich laut Rößler öfters die Frage, ob dies tatsächlich Besucher sind, die damit im Stadtgebiet parken. „Es gibt da alle möglichen Fälle“, sagt die Vizeamtsleitern. Angefangen von Freunden der Familie, die vom nahen Flughafen in die Ferien starten, bis zu Ausweisen, die im Netz und gegen Geld für eine bestimmte Zeit verkauft werden. Manch ein Anwohner stelle sein Fahrzeug dank seines Ausweises im öffentlichen Raum ab und bietet seinen privaten Parkplatz Ortsfremden gegen Gebühr an.

„Der Parkraum in unserer Stadt ist knapp bemessen“, sagt Jutta Rößler. Um die Chance auf einen freien Stellplatz für die Bewohner zu erhöhen, müsse man die bisher großzügige Regelung einschränken.

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