Das Ritter-Areal in Musberg soll schon lange saniert werden, es tut sich aber nichts. Kommt jetzt endlich Bewegung in die Sache?
Der Ortskern von Musberg ist Sanierungsgebiet – sprich: Die Stadt will hier einiges schöner machen, neu machen, umbauen. Auch private Eigentümer sollen mitziehen. Besonders im Fokus steht das Ritter-Areal, also das ehemalige Gasthaus Ritter, die Ritterscheuer und das Wohngebäude Böblinger Straße 2, alle drei in städtischem Eigentum.
Nun sind das alles keine Neuigkeiten, schon 2019/2020 fiel die Entscheidung zum offiziellen Sanierungsgebiet, und Vorplanungen sind schon einige geschehen. Jetzt soll es aber doch mal konkret werden: Die Stadtverwaltung plant, im Frühjahr – aktuell soll es Ende April werden – zu einem öffentlichen Termin einzuladen, bei dem darüber gesprochen werden soll, wie es mit dem Ritter-Areal weitergeht. „Es ist allen in der Verwaltung bewusst, dass der Ritter beziehungsweise das ganze Areal ein geschichtsträchtiger Ort ist und eine große emotionale Bedeutung für die Musberger Identität hat“, sagt Benjamin Dihm, Erster Bürgermeister von Leinfelden-Echterdingen.
Ritter-Areal in Musberg: Hat die Stadt Geld für eine Sanierung?
Ein „Dennoch“ gibt es aber trotzdem: Gerade in Zeiten von klammen Kassen – Leinfelden-Echterdingen muss, wie so viele andere Kommunen auch, sparen – wird noch zu entscheiden sein, was hier überhaupt geschehen kann. Diskutiert soll werden, wie die Gebäude erhalten und „idealerweise auch wieder einer identitätsstiftenden Nutzung zugeführt werden“ können, so Benjamin Dihm, auch Betreibermodelle und Finanzierungsmöglichkeiten sollen besprochen werden. Denn da der Musberger Ortskern Sanierungsgebiet ist, kommen Fördergelder von Bund und Land – aber die Stadt muss auch einen Teil übernehmen.
Fest steht: Der Ritter und die Ritterscheuer sind in einem schlechten Zustand, langfristig werden sie gar nicht mehr nutzbar sein, wenn nicht etwas getan wird. „Sie müssten grundsätzlich saniert, oder, wenn Gutachten es so ergeben oder die finanzielle Lage der Stadt oder eines potenziellen Eigentümers es nicht anders zulässt, abgerissen werden“, sagt Dihm. Auch ein möglicher Verkauf steht also im Raum. „Unverrückbar ist allerdings“, ergänzt der Erste Bürgermeister, „dass der Bereich gemäß der Ziele des Sanierungsgebiets entwickelt werden soll.“ Daran hätte sich auch ein potenzieller Käufer oder Investor zu halten.
Aktuell stehen die Gebäude leer. Die Böblinger Straße 2 ist laut der Stadt schon seit mehr als 10 Jahren nicht mehr vermietet und seit acht Jahren stillgelegt. Die Filderstraße 42 war noch vermietet, hier sind die Mietverhältnisse bis 31. Dezember 2025 aufgehoben worden. Auch die Vereine konnten nur noch bis Jahresende die Räume nutzen, aktuell nicht mehr. Der alteingesessene Uhrmacherbetrieb Schlachtberger, der lange im Ladengeschäft des Ritter-Gebäudes war, musste umziehen – er hat in Echterdingen an der Kanalstraße 18 ein neues Zuhause gefunden.
Die Siebenmühlental-Hexen hatten ihre Zunftstube im Alten Ritter
Der Dorfgemeinschaft Musberg, die bereits mit der Stadt in Gesprächen ist über die Zukunft des Ritter-Areals, liegt besonders der Erhalt des Ritter-Areals am Herzen, „uns Musbergern ist wichtig, dass das Ortsbild erhalten bleibt“, sagt Michael Burkhardt, der Vorstand. „Das ist nicht nur ein Gebäude, da steckt viel mehr drin.“ Er betont, wie wichtig das Ortskern-Ensemble in Musberg aus Kirche, Ritter und Rathaus ist – über das große Sanierungsvorhaben der evangelischen Kirche mit Pfarrhaus und Pfarrscheuer hat diese Zeitung bereits ausführlich berichtet. Auf Spekulationen zu möglichen Investoren und möglichen Lösungen will Burkhardt sich nicht einlassen. „Uns ist wichtig, dass die Vereine die Räume im Alten Ritter wieder nutzen können“, sagt er.
Besonders traurig sind die Siebenmühlental-Hexen, dass sie ihre Zunftstube im ersten Obergeschoss des Alten Ritter verlieren. Bisher konnte die Musberger Fastnachtszunft die Räumlichkeiten noch eingeschränkt nutzen. Damit ist nun Schluss. Wie Zunftmeisterin Mirja Brosig betont, sei der Alte Ritter das Herzstück Musbergs neben der evangelischen Kirche. Das Gebäude sei in der Vergangenheit viel von Vereinen genutzt worden. „Nach dem Weihnachtsmarkt war hier geöffnet, der Musikverein hat hier sein Krautfest veranstaltet.“ Das sei aber in den letzten Jahren schon nicht mehr möglich gewesen.
„Unser großer Wunsch ist, dass das Gebäude erhalten wird und später für noch mehr Musberger wieder zugänglich ist“, so Brosig. Als Ersatz für die Zunftstube hat die Stadt den Siebenmühlertal-Hexen Räume im Alten Rathaus zur Verfügung gestellt. „Den können wir aber nicht mehr ganz allein nutzen, sondern müssen ihn mit der Musikschule teilen“, sagt Brosig. Dass die Zunft nun auch ihre Lagerflächen auf viele Plätze in Musberg verteilen muss, sei nicht optimal. „Trotzdem sind wir froh, dass wir eine Lösung gefunden haben.“