Die Fahrradstraße in Echterdingen funktioniert. Foto: Philipp Braitinger

Leinfelden-Echterdingen möchte einen Unfallschwerpunkt der Stadt neu gestalten. Außerdem gibt es Neuigkeiten zur Fahrradstraße. Das sind die Details.

Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Unfällen an dem Kreisverkehr der Stuttgarter-, Rohrer- und Bahnhofstraße. Die momentane Regelung für Radfahrer sieht vor, dass die Radler mit dem Autoverkehr in den Kreisverkehr einfahren. Doch angesichts von durchschnittlich 16 000 Autos am Tag ist besonders zu den Stoßzeiten Erfahrung, Entschlossenheit und Mut nötig, um sich in den dichten motorisierten Verkehr einzufädeln.

 

Manch ein Radler traut sich das nicht zu und fährt lieber über den Zebrastreifen und die Gehwege rund um den Kreisverkehr. Für manche Verkehrsteilnehmer scheint die Verkehrsführung rund um den Kreisverkehr derzeit unübersichtlich zu sein. Im vergangenen Jahr waren viele Stadträte noch skeptisch gegenüber einer Umgestaltung des großen Kreisverkehrs in Leinfelden. Im Technischen Ausschuss fand der Vorschlag für eine neue Verkehrsführung nun eine Mehrheit.

Was ist für den Kreisverkehr in Leinfelden-Echterdingen geplant?

Die Neugestaltung ist eine Musterlösung des Landes. Eine wichtige Neuerung wird sein, dass neben dem Zebrastreifen ein roter Radweg markiert wird. Damit haben die Radler zukünftig analog zum Zebrasteifen sowie dem Verkehr im Kreisverkehr Vorfahrt. Die Radfahrer sollen zukünftig wie der Autoverkehr gegen den Uhrzeigersinn um den Kreisverkehr herum fahren. Zwischen den Übergängen auf der Straße würden sich die Radfahrer mit den Fußgängern zukünftig die Verkehrsfläche teilen. Nach dem Kreisverkehr sollen die Radfahrer aber wieder auf Schutzstreifen auf der Straße geleitet werden.

Die Kosten für die Umgestaltung des Kreisverkehrs beziffert die Stadtverwaltung aktuell auf 155 000 Euro für Bauarbeiten plus knapp 15 000 Euro Planerhonorar. Allerdings hofft die Stadtverwaltung auf hohe Fördersummen von bis zu 90 Prozent. Unterm Strich gehe es um 16 000 bis 18 000 für die Stadt, rechnete der Oberbürgermeister Otto Ruppaner vor. Das solle dem Gemeinderat die erwartete Erhöhung der Verkehrssicherheit wert sein, warb er für die Zustimmung. Zuletzt sei es zwar nicht zu schweren Unfällen gekommen. Doch der Kreisverkehr werde von vielen Kindern und Jugendlichen für den Schulweg genutzt.

Die Stadträtin Barbara Engler (Bündnis90/Die Grünen) fasste zusammen, dass der Kreisverkehr von der Verkehrsbehörde als Unfallschwerpunkt eingeordnet werde. Gleichzeitig gebe es eine von Experten erarbeitete Musterlösung, die in Leinfelden angewandt werden könne. Und drittens würde die Stadt für die Umgestaltung des Kreisverkehrs sehr hohe Fördersummen erhalten. Dass es vor diesem Hintergrund noch Zweifel im Gemeinderat gebe, finde sie schwierig. „Wir haben auch eine Fürsorgepflicht“, betonte sie.

Mögliche Konflikte in Leinfelden-Echterdingen

Die Freien Wähler unterstrichen dennoch ihre Skepsis. Sie stimmten gegen die Umgestaltung des Kreisverkehrs. „Wir sehen Konfliktpotenzial zwischen Radfahrern und Fußgängern“, sagte der Stadtrat Walter Vohl. Durch die Vermischung von Rad- und Fußweg steige doch die Unfallgefahr eher, als dass sie sinke, befürchtete Vohls Fraktionskollege Ulrich Löchner. Der FDP-Stadtrat Wolfgang Haug betonte, dass es nicht nur einen Schulradverkehr gebe. Gerade die Kleinsten gingen zu Fuß in die Schule. Diese bräuchten einen sicheren Fußgängerweg.

Weniger kontrovers ging es bei der Diskussion um die Zukunft der Fahrradstraße in einem Teil der Goldäckerstraße zu. Zur Erinnerung: Vor der Einrichtung der Fahrradstraße gab es große Vorbehalte im Gemeinderat gegenüber den neuen Verkehrsregeln, die dort gelten sollten. Deshalb wurde die Fahrradstraße zunächst auf ein Jahr eingerichtet. Der Abschlussbericht beschreibt zusammengefasst, dass die Fahrradstraße funktioniert und keine großen Probleme verursacht.

„Jetzt haben wir nicht mehr ganz so viel Angst“, sagte der Fraktionsvorsitzende von L.E. Bürger/Demokratie in Bewegung, Jürgen Kemmner, augenzwinkernd und mit Blick auf die Einrichtung weiterer Fahrradstraßen im Stadtgebiet. Mit dem Bau des Gebiets KaepseLE solle eine Neubewertung der Fahrradstraße erfolgen.

Fahrradfahren in Leinfelden-Echterdingen

Goldäckerstraße
Am Beginn des vergangenen Jahres wurde ein Teil der Goldäckerstraße als Fahrradstraße ausgewiesen. Seitdem sind Fahrradfahrer dort die Hauptnutzer. Autos dürfen weiterhin die Straße nutzen, müssen dem Radverkehr aber stets Vorrang gewähren. Weitere Fahrradstraße könnten folgen.

Klima
Bis zum Jahr 2040 möchte die Stadt klimaneutral sein. Damit das gelingt muss vor allem im Verkehrssektor noch viel passieren. Ein höherer Anteil an Fahrradfahrern in der Stadt brächte Leinfelden-Echterdingen dem Ziel der Klimaneutralität näher. pib