Die neue Kamera funktioniert mit Lasertechnik. Die Fahrbahn wird hundertmal in der Sekunde gescannt. Foto: Natalie Kanter

Eine „Dampflok“ wurde durch einen „ICE“ ersetzt. Das sagt ein Mitarbeiter des Gemeindlichen Vollzugsdienstes in Leinfelden-Echterdingen. Die Große Kreisstadt ist seit Kurzem mit hochmoderner Technik auf der Jagd nach Rasern.

Leinfelden-Echterdingen - Thomas Weinmann lenkt den grauen Kastenwagen vorsichtig in eine Parklücke an der Leinfeldener Max-Lang-Straße. Der neue Blitzer-Wagen mit der hochmodernen Lasertechnik fällt kaum auf. Der VW Caddy Maxi verschwindet fast zwischen den anderen an dieser Straße geparkten Fahrzeugen. Der Mitarbeiter des Gemeindlichen Vollzugsdienstes (GVD) überprüft die Position des Fahrzeuges. Schließlich soll die wertvolle Kamera, die er gleich im Kofferraum aufbauen wird, auch gute Fotos schießen. „Das Kennzeichen und der Fahrer müssen später gut zu erkennen sein“, erklärt er.

Weinmann rollt den Wagen etwas weiter und ist zufrieden. „So können wir messen“, sagt er. Dann steigt er aus dem Auto und tippt mithilfe eines Stiftes eine vierstellige Nummer in seinen Tablet-PC. Die Ziffern stehen für die Messstelle Max-Lang-Straße. 100 solcher Zahlen gibt es für das Stadtgebiet Leinfelden-Echterdingen. „Wir messen hauptsächlich an Hauptstraßen – aber auch an Schleichwegen, die genutzt werden, um die Hauptstraßen zu umgehen“, sagt der städtische Mitarbeiter.

Lasertechnik ist nicht mehr auf eine gerade Fahrbahn angewiesen

Die Große Kreisstadt hatte bis vor Kurzem noch ein Gerät mit Nassfilm-Kamera zum Blitzen eingesetzt. „Diese Technologie läuft aus“, sagt Gerd Maier, Leiter des städtischen Bürger- und Ordnungsamtes. Zudem war der Opel, der fast 20 Jahre lang im Einsatz der Stadt war, in die Jahre gekommen. Er musste sehr oft in die Werkstatt gebracht werden.

Nun setzt die Stadt auf ein digitales System. Bereits Anfang 2016 hat der zuständige Gemeinderatsausschuss beschlossen, dass ein VW Caddy Maxi mit Lasertechnik angeschafft wird. Kostenpunkt: rund 150 000 Euro. Das Besondere: Das Fahrzeug verfügt über einen Arbeitsplatz. Die Mitarbeiter können noch im Auto und neben dem Messen die geschossenen Bilder auswerten. Das Blitzen muss nicht mehr beobachtet werden. „Das spart Geld und Zeit“, sagt Weinmann. Früher hatte diese Aufgabe ein externer Dienstleister inne. Ein weiterer Vorteil: Die Lasertechnik ist nicht mehr auf eine gerade Fahrbahn angewiesen. Das erlaubt nun auch ein Blitzen an Stellen, wo es früher nicht möglich war.

Vier- bis fünfmal am Tag steuert Weinmann verschiedene Stellen im Stadtgebiet an. Bei Sonne und auch bei Regen. „Bei Regen gelingen allerdings nicht alle Bilder“, sagt er. Noch ist er vor allem tagsüber unterwegs – demnächst werden er und sein Kollege auch in den Abendstunden bis 22 Uhr durch L.-E. touren, um Temposündern auf die Spur zu kommen. „Es gibt hier keine normalen Öffnungszeiten mehr“, sagt Maier. Und erklärt: „Autofahrern, die sich an die Geschwindigkeit halten, passiert weiterhin nichts.“

Seit Kurzem ist die Laserkamera scharf gestellt

Maier verwehrt sich gegen den Vorwurf, mit dem neuen Blitzerwagen Autofahrer abzocken zu wollen. Vielmehr wolle man vor Kindergärten und Schulen für mehr Sicherheit sorgen. Dazu habe man auch einen klaren Auftrag vom Gemeinderat erhalten. An Unfallschwerpunkten werde verstärkt kontrolliert. „Und wir messen auch auf Wunsch“, sagt er. Wenn also Bürger oder auch Stadträte das Ordnungsamt informieren, dass in einer Tempo-30-Zone gerast wird, werde dies sehr ernst genommen. Zunächst werden dann Geschwindigkeitsdisplays, also Tafeln mit Smileys drauf, aufgehängt. Es wird geprüft, ob an jenen Stellen tatsächlich zu schnell gefahren wird. Ist dies der Fall, wird scharf gemessen.

Seit Anfang des Jahres ist der neue Blitzerwagen im Einsatz. Zunächst auf Probe, damit sich die Mitarbeiter mit der neuen Technik vertraut machen konnten – seit Kurzem ist die Laserkamera auch scharf gestellt. 3200 Verstöße wurden bis jetzt im Jahr 2017 geahndet. „Früher hatten wir rund 500 pro Monat“, sagt Maier. Weinmann ist begeistert von dem neuen Blitzer. „Das ist kein Vergleich zu dem alten Fahrzeug“, sagt er. Eine „Dampflok“ wurde durch einen „ICE“ ersetzt. „Die Messtechnik ist nun topaktuell“, sagt er. Der Laser-Scanner streiche 100-mal pro Sekunde über den Fahrbahnboden.

Die Unbelehrbaren will man erwischen

Der technikaffine GVD-Mitarbeiter mag seinen Job. „Wenn ich nach den Ferien vor einer Schule stehe, habe ich das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.“ Seit zwei Jahren geht er regelmäßig auf Suche nach Temposündern. Seine Erfahrungswerte: Nur ein kleiner Teil der Autofahrer ist zu schnell unterwegs. Diese brauchen dann ab und zu einen „Erinnerungsschnappschuss“. Nur ganz wenige seien unbelehrbar. Sie fahren bewusst mit Tempo 50 durch eine Tempo-30-Zone. „Die wollen wir gerne erwischen“, sagt er.

30 Minuten sind vergangen, seitdem er an der Max-Lang-Straße den Blitzerwagen geparkt hat. Viermal hat die Kamera ausgelöst. Die geschossenen Bilder werden auf einem USB-Stick gespeichert, der gegen Datenklau gesichert ist. Die Daten werden später in das Bußgeld-System der Stadt eingespielt.

Manchmal wird Weinmann bei der Arbeit angesprochen. „Manch einer, der geblitzt wurde, hält an und kommt zu Fuß zum Wagen“, sagt er. Die meisten wollen wissen, wie schnell sie waren und ob dies nun teuer werde. „Wer freundlich fragt, bekommt auch eine Antwort“, sagt er. Und verrät: „Wenn man Innerorts mehr als 26 Kilometer pro Stunde zu schnell ist, dann wird es brenzlig“, sagt er. Denn dann riskiere man neben einem Bußgeld auch Punkte in Flensburg.

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