Die Briefe an die Eltern sind raus: Die Stadt kann allen Familien, die einen Betreuungsplatz brauchen, im kommenden Kita-Jahr ein Angebot machen. Wenn auch nicht immer überall.
Dieser Tage haben Familien in Leinfelden-Echterdingen Post von der Stadt erhalten. Viele dürften sich darüber gefreut haben. Denn zum zweiten Mal in Folge kann die Kommune, allen, die für das kommende Kita-Jahr nach einem Betreuungsplatz gesucht haben, tatsächlich auch einen Platz anbieten. „Wenn auch nicht immer den Wunschplatz“, wie die zuständige Amtsleiterin Ingrid Krebs einräumt. Was das bedeutet? Der Platz „liegt nicht immer im richtigen Ortsteil und auch nicht immer in der Wunschkita“, erklärt die Vizeamtsleiterin Sabine Baudoux.
Den Kitas in Leinfelden-Echterdingen fehlt Personal
In Oberaichen beispielsweise habe es nicht ausreichend Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren gegeben. „Da kann es durchaus sein, dass man Angebote in anderen Ortsteilen macht“, sagt sie. Weil pädagogische Fachkräfte fehlen, gibt es weniger Ganztagsplätze, als nötig wären. Dennoch: „Familien, die dringend einen Ganztagsplatz brauchen, bekommen auch einen.“ Die Familien haben nun Zeit bis Mai, der Stadt mitzuteilen, ob sie den angebotenen Platz annehmen wollen.
Die Stadt ist laut Oberbürgermeister Otto Ruppaner „die einzige große Kreisstadt“, die keine Warteliste für Kita-Plätze mehr hat. „Das ist eine große Kraftanstrengung und sehr anerkennenswert“, lobt er das Fachamt. Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell sagt: „Klasse, dass die gemeinsame Agenda von Eltern, Verwaltung und Gemeinderat nun Früchte trägt.“ Laut einer Prognose hat die Stadt auch auf lange Sicht ausreichend Kitaplätze – zumindest dann wenn man auf die Gesamtstadt blickt. In den einzelnen Stadtteilen aber fehlen durchaus Plätze. „Ein Platz in einer Einrichtung in einem anderen Ortsteil ist besser als gar kein Platz“, sagte dazu Stadträtin Barbara Sinner-Bartels (SPD) im jüngsten Sozialausschuss.
„Wunschliste statt Warteliste“: Kritik an verkürzten Betreuungszeiten
Grünen-Fraktionschef David Armbruster goss ebenfalls Wasser in den Wein: „Es gibt jetzt eine Wunschliste, statt einer Warteliste“, sagte er. Betreuungszeiten seien verkürzt, das Angebot verkleinert worden. Er schlug erneut vor, eine Stützpunkt-Kita pro Stadtteil mit Ganztagsplätzen einzurichten. Und bekam dabei Unterstützung seitens der SPD. Die Prognose habe sich an der Betriebserlaubnis der Kitas und nicht an der tatsächlichen Betreuungszeit orientiert, kritisierten mehrere Fraktionen. Die Echterdinger Dschungel-Kita werde in der Statistik mit 25 Ganztagsplätzen geführt, obwohl die Kinder nur bis 14 Uhr betreut werden, merkte auch Claudia Zöllmer (CDU) an. Außerdem: Allein in den städtischen Einrichtungen fehlen zehn bis zwölf pädagogische Kräfte. „Der ein oder andere Platz wird deshalb nicht besetzt werden können“, sagt Barbara Sinner-Bartels.
„Das Fachamt versucht in jedem Einzelfall einen Platz in der von den Eltern genannten Wunschkita anzubieten“, schreibt Bürgermeister Kalbfell auf Nachfrage. Dies sei in der Regel die Kita, die für die jeweilige Familie am besten zu Fuß zu erreichen ist. Die Wünsche der Familien gelinge es angesichts der guten Platzsituation und der im Februar eröffneten Kita Farbenkreisel in Echterdingen immer besser zu erfüllen. „Wenn eine Familie bereits ein Kind in einer bestimmten Einrichtung hat, versuchen wir das Geschwisterkind dort auch unterzubringen“, betont er. Nur in Einzelfällen komme es vor, dass einer Familie nur ein Platz in einem anderem Stadtteil angeboten werden kann.