Während es in Kitas von Leinfelden-Echterdingen wieder weitgehend rund läuft, müssen die Eltern schulpflichtiger Kinder mit Einschränkungen bei der Betreuung nach Schulschluss leben. Foto: dpa/Christian Charisius

Die Corona-Krise hat auch gute Folgen: Familien in Leinfelden-Echterdingen müssen vorerst nicht mehr für die Betreuung ihres Nachwuchses bezahlen.

Leinfelden-Echterdingen - Gute Nachrichten für Eltern aus Leinfelden-Echterdingen. Anders als zunächst geplant, werden die Gebühren für Kindertagesstätten und die Schulkindbetreuung zum Januar nicht steigen. Dafür hat am Dienstagabend der zuständige Gemeinderatsausschuss gesorgt. Die meisten Stadträte lehnten eine Erhöhung der Beiträge ab. Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell zog daraufhin den Verwaltungsvorschlag zurück. Die Anpassung wurde auf spätere Zeiten geschoben.

Einen solchen Schritt in Corona-Zeiten zu gehen, sei „das falsche Signal“, sagte SPD-Stadträtin Barbara Sinner-Bartels. Denn: „Die Eltern hatten in dieser Krise bereits sehr viel zu schultern.“ Zumal sich die Rahmenbedingungen der Schulkindbetreuung zum Start des neuen Schuljahres verschlechtert haben. „Das stellt viele Eltern vor ein richtiges Problem.“ Eberhard Wächter, Chef der Freien Wähler/FDP-Fraktion, sagt: „Ich kann als Stadt nicht die Leistungen runterfahren und den Eltern dann gleichzeitig mehr Geld aufbrummen.“ Grünen-Stadtrat Martin Klein erklärte: „Ich kenne viele Eltern, die Kurzarbeit haben und mit ihrem Geld nun nicht klarkommen.“

Zur Hochphase der Krise hatten viele Einrichtungen geschlossen. Es wurde nur eine Notbetreuung angeboten. Während es in den Kitas mittlerweile wieder relativ normal läuft, müssen Eltern schulpflichtiger Kinder mit Einschränkungen leben, welche die Stadt erst wenige Tage vor dem Schulstart bekannt gab. Das hat für reichlich Wirbel in der Elternschaft gesorgt.

Kein Spätdienst mehr

In allen Einrichtungen der Schulkindbetreuung wird von Oktober an kein Spätdienst mehr angeboten. Die Kinder müssen also spätestens um 16 Uhr abgeholt werden. Einen Frühdienst gibt es nur noch für die erste und zweite Klasse. In Sachen Mittagsessen herrscht Durcheinander. Hierfür müssen die Kinder teils ein Vesper von zu Hause mitbringen. Ingrid Krebs, bei der Stadt zuständig für die Kinderbetreuung, spricht von „einem holprigen Start“ und einem „Anfangschaos“. Die neuen Bedingungen seien aber noch nicht in Stein gemeißelt. Will heißen, die Stadt will nachbessern.

So soll den Familien nun doch wieder mehr Flexibilität gewährt werden. Zunächst sollten sich die Eltern nämlich entscheiden, ob sie ihr Kind fünfmal die Woche bis 14 Uhr oder fünfmal die Woche bis 16 Uhr betreuen lassen wollten. Es sollte fortan nicht mehr möglich sein, einzelne Tage zu buchen, was gerade für Menschen, die in Teilzeit arbeiten, sinnvoll ist. Das hat die Stadt nach Protesten wieder zurückgenommen.

Strikt getrennte Schülergruppen

Das Problem: Die Schulkinder müssen aufgrund der geltenden Corona-Regelungen des Landes auch nachmittags in ihren festen Gruppen bleiben. Diese dürfen nicht durchmischt werden – die Kinder sich nicht begegnen. Das aber stellt die Kommune vor räumliche und personelle Probleme. „Wir trennen, so gut wie es geht“, sagt Krebs. Auf Fluren und in den Toiletten sei dies nur schwer möglich.

Zurück zu den Gebühren: Der Städte- und Gemeindetag hatte die Empfehlung gegeben, diese um 1,9 Prozent anzuheben. Es gibt einen grundsätzlichen Beschluss des Gemeinderates dieser Empfehlung zu folgen. „Wir haben lange überlegt, ob wir dies machen sollen“, sagte Krebs in der Sitzung dennoch. „Schließlich waren die Eltern in den vergangenen Monaten gebeutelt genug.“

Andererseits schlagen allgemeine Kostensteigerungen, mehr Geld fürs Personal und die derzeit notwendigen besonderen Betreuungs- und Hygienekonzepte zu Buche. Hieran wollte die Stadt die Eltern zumindest etwas beteiligen. Die Kommune bezuschusst allein die Kitas pro Jahr mit rund 16 Millionen Euro, wie Kalbfell sagt. Die Stadt wird in den kommenden Jahren 30 Millionen Euro in den Ausbau der Kinderbetreuung stecken. „Der Anteil der Eltern am Kuchen geht kontinuierlich zurück.“

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