Zu den Kommunen, in denen Hausbesitzer gute Chancen auf Fördergeld des Flughafens haben, gehören Leinfelden-Echterdingen, Filderstadt und Steinenbronn. Foto: dpa-Zentralbild

Vier Millionen Euro hat der Flughafen Stuttgart eingeplant, um Anwohner des Flughafens beim Schallschutz finanziell zu unterstützen. Seit 2011 liegt das Geld bereit, nun wirbt der Airport offensiv für die Mittel. Das hat einen kuriosen Grund.

Echterdingen - Wer in der Einflugschneise des Flughafens wohnt, hat in heißen Nächten eine schwere Wahl: bei geschlossenen Fenstern schwitzen oder bei offenen Fenstern Flugzeuglärm ertragen – freilich außerhalb des Nachtflugverbots. Der Flughafen weist nun auf eine dritte Möglichkeit hin: auf den Einbau spezieller Fenster und Schallschutzdämmlüfter.

Letzteren Begriff müssen Fachfremde mutmaßlich zunächst nachschlagen, es ist aber vom Prinzip her einfach: Schallschutzdämmlüfter versorgen Räume mit frischer Luft, ohne dass die Fenster geöffnet werden müssen. Sie werden in der Regel nahe des Fensters angebracht, wie der Flughafen-Sprecher Johannes Schumm erklärt.

Der „Bärenanteil“ des Geldes sei noch da

Für die Umrüstung haben die Eigentümer von Häusern, die innerhalb der Tagschutzzone 1 sowie der Nachschutzzone stehen, Anspruch auf eine Förderung. Das ist so im Gesetz zum Schutz vor Fluglärmvon 2007 so geregelt. Für die Förderung stehen laut Flughafen seit 2011 insgesamt rund vier Millionen Euro zur Verfügung.

Das Kuriose: Offenbar interessiert sich keiner für das Geld. „Bisher sind kaum Anträge zu verzeichnen gewesen“, sagt der Airport-Sprecher Schumm. In konkreten Zahlen will Schumm das zwar nicht ausdrücken, aber er sagt, von den vier Millionen Euro sei „der Bärenanteil“ noch zu haben. Er hat hierfür zwei Erklärungen: „Möglicherweise ist der Leidensdruck nicht so hoch“, sagt Schumm. Oder aber viele der betroffenen Häuser sind bereits mit Schallschutz ausgerüstet.

Stuttgart-Plieningen ist zwar nah, liegt aber nicht in der Schutzzone

Nach Schätzungen des Flughafens Stuttgart könne der Umbau in etwa 2000 Wohneinheiten mit dem Betrag mitfinanziert werden. Die Kommunen, die zu den Schutzzonen gehören, sind Leinfelden-Echterdingen, Filderstadt, Steinenbronn, Denkendorf und Ostfildern. Der Stuttgarter Stadtbezirk Plieningen, der sich in Sichtweite des Flughafens befindet, gehört hingegen nicht dazu. Im Zuge ihres Aufrufs informiert die Flughafengesellschaft zudem darüber, dass sie seit 1996 mehr als 60 Millionen Euro in den passiven Schallschutz von Anwohnern investiert habe; davon hätten die Bewohner von rund 9000 Wohneinheiten profitiert. Und es könnten offenbar noch einige mehr werden – wenn sie denn Gebrauch von diesem Angebot machen würden.

Im Internet können sich am geförderten Schallschutz Interessierte über die Voraussetzungen informieren. Auf der Website lässt sich zudem nachschauen, welche Gebäude in den gesetzlich festgelegten Schutzzonen liegen und wie die Anträge zur Förderung gestellt werden müssen. Die jeweilige Stadtverwaltung oder das zuständige Landratsamt prüfen und genehmigen die Anträge.

Sollte es dabei bleiben, dass der Flughafen das Geld, das er für den Schallschutz von Anrainern per Gesetz einplanen musste, nicht los wird, verfällt die Summe nicht, wie Schumm sagt. Auch Spätentschlossene haben also eine Chance.

Der Weg zum Antrag:

Der Flughafen Stuttgart bietet Hausbesitzern auf einer Internetseite die Möglichkeit, zu prüfen, ob eine Nachrüstung mit Schallschutz in ihrer Immobilie gefördert wird. Dort sind die genauen Schutzzonen definiert. Die Adresse lautet www.schallschutzprogramm-flughafen-stuttgart.de.

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