Leinfelden-Echterdingen kann Familien auch dank neuer Kitas immer besser mit Betreuungsplätzen versorgen. Der neue Stadtelternrat hat dennoch viele Fragen.
Diesen Donnerstag ist das Element-i-Kinderhaus Farbenkreisel in Echterdingen auch offiziell an den Start gegangen. Dort werden aktuell 8 Jungs und 5 Mädchen betreut. Die Einrichtung des Trägernetzwerks Konzepte-e soll einmal Platz für 70 Mädchen und Jungen im Alter von einem Jahr bis sechs Jahren bieten. Bereits im Februar sind dort die ersten Schützlinge aufgenommen worden. Große Fenster lassen viel Licht in die hohen Räume. Die Kita setzt bei der Einrichtung und den Spielsachen auf natürliche Materialien wie Holz. Das Essen wird in der eigenen Küche täglich frisch zubereitet.
Laut Geschäftsführer Clemens M. Weegmann gibt es noch die Möglichkeit, sich einen Platz zu sichern – interessierte Familien können sich weiterhin melden. „Unser Ziel ist, möglichst vielen Kindern einen starken Start zu ermöglichen“, sagt er. „Dieses Kinderhaus ist ein Gewinn für unsere Stadt: Es stärkt die Betreuungslandschaft und unterstützt Familien ganz konkret im Alltag“, sagt Oberbürgermeister Otto Ruppaner.
Auch wegen dieser neuen Kita, kann sich Leinfelden-Echterdingen in Sachen Kinderbetreuung sehen lassen. Wie Oberbürgermeister Ruppaner und Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell – nicht ohne Stolz – betonen, habe es die Kommune zum zweiten Mal in Folge geschafft, keine Warteliste mehr zu haben. „Das ist ein entscheidender Erfolg, der in dieser Form so landesweit einmalig ist“, betont Bürgermeister Kalbfell.
Allen Familien, die einen Kitaplatz für das kommende Kitajahr gesucht haben, konnte auch einer angeboten werden. Wenn auch nicht immer in der Wunsch-Kita und nicht immer in dem gewünschten Stadtteil. „Aufgrund des nach wie vor akuten Fachkräftemangels werden die in der Stadt tätigen Träger sowie die Stadt selbst nicht jeden individuellen Betreuungswunsch abdecken können“, räumt Kalbfell ein. Sei es, dass die Eltern im Einzelfall einen Platz in einer anderen als der gewünschten Kita angeboten bekommen. Sei es, dass „wir teilweise hinter den von den Eltern individuell gewünschten Öffnungszeiten zurückbleiben müssen“.
Eltern schreiben kritischen Brief an Verwaltungsspitze
Laut einer Prognose hat die Stadt auch auf lange Sicht ausreichend Kitaplätze – zumindest, wenn man auf die Gesamtstadt blickt. Ganz so positiv will dies der Stadtelternrat der Kindertageseinrichtungen in Leinfelden-Echterdingen (SER Kita) nicht sehen. Er vertritt Eltern von Kindergartenkindern aller Träger – nicht nur aus städtischen Einrichtungen. Alice Kretzschmar, Manuel Herre, Simon Wiedenmann bilden den Vorstand der Gruppe. Die moniert, dass „sowohl die Kita-Prognose als auch die Angaben im Elternportal ein verzerrtes Bild vermitteln“. Die real verfügbaren Betreuungsplätze würden dort nicht verlässlich abgebildet, heißt es in ihrem Brief an die Stadträte und an die Verwaltungsspitze.
Zur Erklärung: Das Elternportal dient Familien, die auf der Suche nach einem Betreuungsplatz sind, als erste Informationsstelle. Dort müssen sie ihr Kind für einen Platz in einer Kita oder bei Tageseltern auch vormerken lassen. „Die Betreuungsplätze werden anhand der maximal belegbaren Plätze aus den Betriebserlaubnissen aufgeführt“, führt der SER Kita an. Tatsächlich verfügbar seien in einigen Einrichtungen deutlich weniger Betreuungsplätze. In einigen Kitas gebe es einen Aufnahme-Stopp für Kinder unter drei Jahren oder weniger Ganztagesplätze, als dies im Elternportal angegeben werden.
Wenn aber Öffnungszeiten auf längere Sicht gekürzt, Gruppen verkleinert oder in ihrer Art verändert werden, müsste auch die Betriebserlaubnis angepasst werden, betont der SER Kita. Allein in den städtischen Einrichtungen fehlten zehn bis zwölf pädagogische Kräfte. Diese aber machen nur einen Teil der Kitas in der Stadt aus. Insgesamt gebe es 32 Einrichtungen, allein 14 seien in städtischer Trägerschaft. „Wie sieht es in den verbleibenden 18 Einrichtungen aus?“, fragen die Eltern.
Zu diesen Fragen und der Kritik des Stadtelternrat will sich Bürgermeister Kalbfell auf Nachfrage nicht öffentlich äußern. Vielmehr betont er: „Leinfelden-Echterdingen biete in einer vielfältiger werdenden Gesellschaft allen Kindern in unserer Stadt ein hochwertiges vorschulisches Bildungsangebot.“ Damit sei die Kommune bestens auf das von der neuen Landesregierung diskutierte verpflichtende letzte Kitajahr vorbereitet. Das hat der Oberbürgermeister auch der Elternvertretung geschrieben. Man sei dafür offen, die Prognose und deren Inhalte zusammen mit den Kita-Trägern, den Elternvertretungen und auch dem Gesamtelternbeirat der städtischen Kitas weiterzuentwickeln.
Der SER Kita bedankt sich für diesen Angebot. Und schreibt: „Nach Rückmeldungen aus der Elternschaft sowie unserer eigenen Wahrnehmung bestehen teils erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen den Einrichtungen.“ Diese würden die Personalsituation, Ausfallzeiten, Leitungsressourcen, die Umsetzung des Orientierungsplans sowie die infrastrukturellen Rahmenbedingungen betreffen.