Der Hinweis auf der Tonne an der Echterdinger Stadionstraße ist deutlich. Foto: Kanter

Der Bus und der Traktor kommen nicht durch, private Stellplätze sind zugeparkt: Anwohnerstraßen werden beständig von Ortsfremden zugeparkt. Bürger in der Echterdinger Stadionstraße wehren sich mit einem Schilderwald. Stadträte stellen Anträge.

Leinfelden-Echterdingen - Biomüll kommt in diese Tonne nicht mehr hinein. Der Deckel ist mit Klebeband fest umwickelt. „Parken verboten“, ist auf dem Behälter zu lesen, der unübersehbar auf dem Gehweg steht. Und auch sonst waren die Anwohner an der Echterdinger Stadionstraße nicht untätig. Ein Schilderwald ist entlang des Verbindungswegs – der in der Nähe des Echterdinger Bahnhofes liegt – zu bewundern. Vielfach wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Stellplätze vor den Wohnhäusern privat sind. Menschen, die dennoch ihr Fahrzeug dort abstellen, wird mit dem Abschleppwagen gedroht. „Wir zahlen 25 Euro im Monat für die privaten Parkplätze“, rechtfertig ein Bewohner dies. Dann sollte der Platz auch frei sein, wenn man ihn braucht.

Nichtsdestotrotz stellen Autofahrer aus Böblingen, Aalen oder auch Leverkusen in der Anwohnerstraße ihre Fahrzeuge ab, um sich anderswo die Parkgebühren zu sparen. Das ist für den Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ein tägliches Ärgernis. Insbesondere am Fahrbahnrand gegenüber den Wohnhäusern stellen Fremde ihre fahrbaren Untersätze ab. Gerne auch für länger. „Die ganze Straße wird zugeparkt“, schimpft der Bürger. „Der Bus kommt nicht vorbei“, sagt er. Anrainer müssen mit ihren Autos stark rangieren, um aus ihren Parkplätzen unfallfrei hinauszukommen.

Der Mann ärgert sich auch über das Straßenschild der Stadt, das – seiner Meinung nach – zu hoch hängt, und so von Ortsfremden nicht wahrgenommen werden kann. Nicht-Anwohner dürfen laut dieser Tafel zwei Stunden lang mit Parkscheibe an der Stadionstraße parken – allerdings nur in gekennzeichneten Flächen. Damit sind laut Ordnungsamtschef Gerd Maier die Parkbuchten weiter vorne gemeint. Auf der Straße direkt darf nicht geparkt werden. „Das geht nicht“, sagt er. Dort gilt eingeschränktes Halteverbot. Das bedeutet: Man darf dort nicht länger als drei Minuten halten. Diese Regelung kommt Busfahrern und Landwirten, die regelmäßig mit großen Fahrzeugen durch die Anwohnerstraße rollen, entgegen.

Schild hängt zu hoch

Anwohner bewerten aber just diese Regelung als sehr verwirrend – insbesondere für Ortsfremde. Der Aspekt mit den gekennzeichneten Flächen wird überlesen, ignoriert oder schlicht falsch verstanden. Das zeigt sich daran, dass bei den meisten Autos – die trotz des Verbotes auf der Straße parken – eine Parkscheibe auf dem Armaturenbrett liegt. Ein Fahrzeughalter aus Ludwigsburg hat auch darauf verzichtet. Sein Auto steht in einer der öffentlichen Parkbuchten – und das offenbar schon wochenlang. Der Gemeindevollzugsdienst hat eine Verwarnung ausgestellt. Der Zettel klemmt noch hinter dem Scheibenwischer.

Auch eine Frau, die mit ihrem Hund gerade aus dem Haus kommt, und zu ihrem Auto läuft sagt: „Das mit der Parkscheibe verwirrt viele.“ Als sie vor drei Jahren ihre jetzige Wohnung besichtigt habe, sei es ihr und der Maklerin genauso gegangen. Sie haben angenommen, auf der Straße – und damit gegenüber dem Wohnhaus – parken zu können. Nach dem Besichtigungstermin hatten alle einen Strafzettel.

Mittlerweile hat die Dame noch mehrere andere Probleme ausgemacht. „Wo parken Handwerker, wenn man welche braucht?“, fragt sie. Und: „Wo die Familie, wenn sie zu Besuch kommt?“ Die Frau ist dazu übergegangen ihr Auto dann am Friedhof abzustellen – damit die Verwandtschaft nicht weit laufen muss.

Die zunehmende Parkplatznot rund um die Bahnhöfe in Leinfelden-Echterdingen beschäftigt auch die SPD-Fraktion des örtlichen Gemeinderates. „Das ist ein Problem, was viele Leute umtreibt“, sagt Stadträtin Barbara Sinner-Bartels. Die Stadt sei in den vergangenen zehn Jahren um 4000 Einwohner gewachsen. Der hohe Siedlungsdruck halte weiterhin an. Die Passagierzahlen des nahen Flughafens steigen. Die Messe auf den Fildern zieht Massen an – zugeparkte Feldwege und Straßen sind auch hier die Folge.

Bürger haben die Mandatsträger angesprochen und sich darüber beklagt, dass die Regelungen des Anwohnerparkens in der Stadt nicht mehr greifen und auch nur unzureichend überwacht werden.

SPD-Fraktion macht Druck

Die Fraktion hat sich deshalb mit einem ausführlichen Schreiben an die Verwaltungsspitze der Großen Kreisstadt gewandt. In dem Vorstoß stellen die Sozialdemokraten viele Fragen. Unter anderem wollen sie wissen, wie viele Verstöße in den vergangenen Jahren gegen das Anwohnerparken geahndet wurden und wie viele Mitarbeiter in diesem Bereich tätig sind.

Fünf Angestellte des Gemeindevollzugsdienstes (GVD) kümmern sich laut Ordnungsamtsleiter Maier darum. Die Mitarbeiter haben aber auch noch viele andere Aufgaben – beispielsweise die Kontrolle von Baustellen, die Sicherung von Nachlässen und das Betreuen von Fundtieren. Wie viele Knöllchen der GVD Fremdparkern an die Windschutzscheibe geheftet hat, könne er nicht einfach so beantworten. „Ich denke aber, es ist eine sehr hohe Zahl“, sagt er unserer Zeitung. Und: „Es wird regelmäßig kontrolliert.“ Genaue Daten sollen bis zum Sommer ermittelt werden. Denn dann wird sich der Gemeinderat – zunächst hinter verschlossen Türen – zu einem Konzept zur Parkraumbewirtschaftung beraten, welches die Verwaltung gerade vorbereitet. Derzeit ist man dabei, mögliche Maßnahmen mit ihren Vor- und Nachteilen zusammenzustellen. Das Konzept gehört zum beschlossenen Mobilitätskonzept der Stadt.

Eine gute Nachricht zum Schluss: Maier kündigt gegenüber unserer Zeitung an, die Regelung an der Stadionstraße zumindest erneut unter die Lupe zu nehmen und zu schauen, ob sie „optimiert werden kann“.

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