Das Krautfest ist „wahrscheinlich der Werbeträger Nummer eins“, sagt Thomas Stierle vom Vereinring Echterdingen. Foto: Archiv Natalie Kanter

Wegen der Pandemie ist die Großveranstaltung auf den Fildern gestrichen. Für die Vereine ist das bitter. Dennoch stehen alle hinter der Entscheidung, denn keine kann und will die Verantwortung übernehmen, wenn sich Corona auf dem Fest ausbreiten würde.

Leinfelden-Echterdingen - Es hatte sich angedeutet, trotzdem ist die Tatsache, dass es wirklich so gekommen ist, für alle schwer verdaulich. Das 42. Filderkrautfest in Leinfelden-Echterdingen ist wegen der Corona-Pandemie ersatzlos abgesagt. Darauf haben sich bei einer gemeinsamen Sitzung alle Beteiligten – die Stadtverwaltung, der Vereinsring Echterdingen samt der seit 2017 ausgegliederten Gesellschaft KE Krautfest Echterdingen UG, der Vereinsring Leinfelden, die Dorfgemeinschaft Musberg und die Bürgergemeinschaft Oberaichen – geeinigt.

Die Hygieneregeln könnten nicht eingehalten werden

Die Entscheidung ist einstimmig gefallen. Man hatte noch diskutiert, ob eine kleine Lösung denkbar wäre, „aber man kann es nicht einschränken“, sagt Bernhard Heinzmann, der Vorsitzende des Vereinsrings Leinfelden, der sich sonst mit etwa 60 Ständen am Festgeschehen beteiligt. Gemeint sind die Menschenmassen. „Zum Krautfest kommen normalerweise um die 40 000 Leute, die können nicht mit zwei Meter Abstand laufen“, sagt er. Die Gassen seien eng, die Leute gingen dicht an dicht, „das ist ja genau der Charme des Krautfests“. Genau diese Platzverhältnisse machten es aber unmöglich, die Corona-Hygienevorgaben einzuhalten. Ähnlich sieht es Thomas Stierle, sein Amtskollege aus dem Vereinsring Echterdingen. „Die Frage ist auch, ob die Leute in der Enge zusammenarbeiten wollen“, sagt er. Schützen müsse man schließlich nicht nur die Gäste, sondern auch die Ehrenamtlichen. Und das sind in Echterdingen viele. 125 bis 130 Stände stellen die Beteiligten aus dem Ortsteil, sagt Dominique Weig, der Geschäftsführer der KE Krautfest Echterdingen UG. Er betont: „Die Gesundheit geht vor.“ Der Tenor im Ort lautet: Die frühzeitige Absage der Großveranstaltung ist das einzig Vernünftige gewesen. „Keiner von uns kann oder will die Verantwortung übernehmen, wenn es ein neues Epidemiezentrum gibt“, sagt Michael Burkhardt, der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Musberg, in der gut 30 Vereine und Organisationen verbunden sind. Mit dem Krautfest ist in diesem Jahr daher auch der Dorflauf gestorben.

Alle Vereine werden Verluste haben

Betrübt sind alle in Leinfelden-Echterdingen. „Das ist für die Stadt wahrscheinlich der Werbeträger Nummer eins“, sagt Thomas Stierle über das Krautfest. Bernhard Heinzmann spricht von Wehmut. „Grundsätzlich ist es ein Fest der Vereine. Allesamt werden Verluste haben, weil Einnahmen fehlen“, stellt er klar. Die 310 Mitglieder der Bürgergemeinschaft Oberaichen sind doppelt gekniffen. Sie müssen schon auf ihr Open Air im Juli verzichten. „Das trifft uns noch härter“, sagt der Vorsitzende Kurt Alber, immerhin werde hier pro Jahr eine fünfstellige Summe umgesetzt.

Zumindest den Krautstart, den symbolischen Beginn der Ernte, will die Stadtverwaltung am 24. September durchziehen, „auch mit Blick auf den Aspekt der Vermarktung des Filderkrauts“. Der Termin findet in der Regel ohne Publikum auf einem Acker statt. Konkrete Ideen, wie die Umsetzung mit Vertretern aus dem Rathaus und den Reihen der Vereine aussehen soll, gibt es laut der Stadt-Sprecherin Gisela Fechner indes noch nicht.

Prognosen traut sich aktuell keiner zu

Und auch, ob es womöglich eine neumodische Krautfest-Alternative geben könnte, ist noch unklar. „Das Wort virtuell ist mal gefallen, nicht mehr, nicht weniger“, sagt Michael Burkhardt. Prognosen traut sich aktuell keiner zu. Wie kann man mögliche Verluste bei den Vereinen kompensieren? Wie können künftige Krautfeste aussehen?

Zumindest Kurt Alber aus Oberaichen hegt noch die Hoffnung, dass für die Mitglieder der Bürgergemeinschaft Oberaichen „etwas Kleines, Überschaubares“ später im Jahr stattfinden könnte. Thomas Stierle ist da weniger optimistisch. Er betont: „Wir wissen nicht, wie sich die Situation entwickelt. Ich wäre ja schon froh, wenn die Adventsmärkte stattfinden könnten.“

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