In der Vergangenheit gab es bereits Versuche, um das Gelände in Leinfelden zu reinigen erfolglos. Foto: Jacqueline Fritsch

Die Deutsche Bahn wollte eigentlich demnächst anfangen, Altlasten an der Bahnhofstraße in Leinfelden zu beseitigen. Die Genehmigung hat sie jedoch noch nicht beantragt. Nun gibt es Zeitprobleme.

Leinfelden - Das Thema hat nicht erst seit heute etwas von einem Dauerlutscher. Dennoch sind die neuesten Entwicklungen ein Rückschlag für all jene, die gehofft hatten, dass sich in Sachen Altlasten an der Bahnhofstraße in Leinfelden zu Beginn dieses Jahres etwas bewegen würde. Dass der verseuchte Boden nach vielen Jahren des Wartens gereinigt würde.

So jedenfalls war es im Herbst vergangenen Jahres angekündigt worden – von der Deutschen Bahn sowie von der Stadt Leinfelden-Echterdingen. Im Februar 2018 habe die Bahn nach ihren Informationen mit der Reinigung anfangen wollen, berichtet die Erste Bürgermeisterin Eva Noller nun auf erneute Nachfrage unserer Zeitung.

Zur Erinnerung: In Leinfelden schlummern zwischen Schienen und Bahnhofstraße – etwa auf Höhe der Dreimorgenstraße – Giftstoffe im Boden. Es handelt sich dabei um chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) und Mineralöl. Eine früher dort ansässige Lösungsmittel- und Recyclingfabrik hatte den Giftmüll offenbar einfach in eine Grube gekippt. Die bisherigen Messwerte legen keine Gesundheitsgefährdung nahe, doch die Sanierung ist Pflicht.

Die Bahn baut auf ein neuartiges Verfahren

Das Grundstück gehört seit 2003 der Aurelis Real Estate, doch für die Sanierung des Bodens ist der Vorbesitzer, die Deutsche Bahn, verantwortlich. Und diese Aufgabe gestaltet sich dem Anschein nach alles andere als einfach. Bereits seit den 1990er Jahren wird überlegt und abgewogen, wie die Altlasten aus dem Boden befördert werden könnten. Ende vergangenen Jahres ist durchgesickert, dass die Bahn auf ein neuartiges Verfahren baut. Dafür ist ein Pilotversuch geplant. Für diesen braucht es die Genehmigung des Landratsamts Esslingen. Insgesamt drei Dienststellen sind dort mit dem Fall in Leinfelden befasst: das Umweltschutzamt, das Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz sowie das Gesundheitsamt. Ende Dezember 2017 teilte die Bahn unserer Zeitung schriftlich mit: „Bevor nun nächste Schritte erfolgen können, ist aber noch die schriftliche Zustimmung des Landratsamts erforderlich.“

Wie sich nun herausstellt, hat die Deutsche Bahn die Genehmigung des Pilotversuchs noch überhaupt nicht beantragt. Das bestätigt das Landratsamt, aber auch die Deutsche Bahn. „Die hierzu erforderlichen Unterlagen werden derzeit erarbeitet und anschließend beim Landratsamt Esslingen eingereicht“, teilt die Bahn schriftlich auf wiederholte Anfrage mit. Wann damit und damit auch mit den nächsten Schritten zu rechnen ist, ist derzeit nicht abzusehen. Die Bahn möchte sich nicht konkret zur Zeitschiene äußern, das Landratsamt ebenfalls nicht. Fakt ist: Es bahnt sich eine deutliche Verzögerung an.

Wie lang wird sich die Reinigung verzögern?

Eva Noller, die Baubürgermeisterin von Leinfelden-Echterdingen, zeigt sich überrascht von den neuesten Entwicklungen. Sie sieht einen Konflikt herannahen. Für die Altlasten-Sanierung müsste die Bahnhofstraße wohl gesperrt werden, Spuren der Giftstoffe sind nämlich auch unterhalb der Fahrbahn aufgespürt worden. Doch die Bahnhofstraße sei unverzichtbar, wenn ab etwa April an der Marktstraße geschafft werde (wir berichteten). „Da braucht es die Bahnhofstraße als Umleitungsstrecke“, sagt Noller. „Da müssen wir zur Bahn sagen: Dann muss sie es noch weiter nach hinten schieben.“ Noch weiter nach hinten bedeutet dann wohl bis mindestens Ende des Jahres. Die Marktstraße soll möglichst am Krautfest im Oktober fertig sein, „aber das ist sehr sportlich“, sagt Noller. Als weitere Baustelle, die der Bahn in die Quere kommen könnte, nennt sie die anstehende Sanierung der Filderhalle.

Unter dem Strich bedeutet dies wohl: Die Reinigung des Bodens könnte sich um ein weiteres Jahr verzögern. Die Stadt wolle nun zeitnah mit der Bahn über die Terminkollisionen reden, sagt Noller. Dass der eine oder andere, der die lange Geschichte der Altlasten an der Bahnhofstraße kennt, bei der Nachricht von einer Verzögerung einfach nur mit den Schultern zuckt, liegt auf der Hand. Zu oft hieß es schon, es geschehe bald etwas. „Nein, es liegt kein Fluch auf der Sache“, sagt Noller. „Wir sind da ganz konkret dran.“

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