Die Stadt L.-E. will arbeitswillige Flüchtlinge schneller zu einem Job verhelfen und setzt dabei auch auf Ehrenamtliche. Foto: dpa

Wer Arbeit sucht, soll diese auch finden. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hat sich ein Konzept ausgedacht, um die Integration von Flüchtlingen auf dem örtlichen Arbeitsmarkt zu beschleunigen. Und erntet dafür zunächst einmal Kritik.

Leinfelden-Echterdingen - Einer regelmäßigen Arbeit nachgehen, Geld verdienen – das wünschen sich auch jene Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind. Carl-Gustav Kalbfell, Sozialbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen sagt: „Es gibt viele Flüchtlinge, die hoch motiviert sind.“ 80 Prozent der Zuwanderer, die in den städtischen Flüchtlingsunterkünften von L.-E. leben, dürfen laut Peter Löwy, dem Leiter des Amtes für soziale Dienste, mittlerweile auch arbeiten.

Weil das mit dem Jobergattern aber alles andere als einfach ist, wenn man fremd ist, sind die Flüchtlinge auf die Hilfe von Ehrenamtlichen angewiesen. Monika Heilmann unterstützt seit vielen Jahren diese Menschen in Not. Ihrer Gruppe Arbeit und Integration ist es ein großes Anliegen, qualifizierte Arbeitsplätze für die Zuwanderer zu finden. „Wo die Männer etwas aufbauen können“, sagt sie. Dennoch haben die Helfer seit 2015 mehr Saisonarbeitsplätze (19), beispielsweise Erntehelfer-Stellen, an Flüchtlinge vermitteln können als andere Arbeitsplätze (17).

Diese Arbeit basiert auf Vertrauen

Heilmann sagt: „Die Arbeitsplatzsuche für Flüchtlinge ist sehr schwer.“ Man müsse Ausdauer und Hartnäckigkeit mitbringen – vor allem aber sehr viele Gespräche führen. Auch die deutsche Bürokratie mache die Sache nicht einfacher. Sie habe schon neun Monate gebraucht, um einen Mann in einem Betrieb unterzubringen. Diese Arbeit basiere auf Vertrauen zum Geflüchteten aber auch zur Firma, welche Interesse daran hat, Zuwanderer einzustellen. Und genau deshalb hält sie von dem, was die Stadtverwaltung von L.-E. derzeit in Sachen Arbeitsplatzsuche für Flüchtlinge vorhat, nur wenig. Sie sagt: „Die Arbeitsvermittlung funktioniert nicht nach dem Gießkannenprinzip.“ Und: „Das ist ein unüberlegter Schnellschuss.“

Aber der Reihe nach: Die Stadt will die Integration von Flüchtlingen auf dem örtlichen Arbeitsmarkt verbessern. Betriebe mit offenen Stellen und Zuwanderer auf Jobsuche sollen schneller zueinanderfinden. Die Vermittlungsquote solle erhöht werden. Das Netzwerk aller die sich in L.-E. um die Integration von Menschen in Arbeit kümmern, solle gestärkt werden. Kalbfell sagt: „Es gilt, die Kraft der Ehrenamtlichen zu bündeln.“ Sozialamtsleiter Löwy nennt das Ganze das „kleine Konzept“.

Ein Bestandteil dieses Konzeptes: Interessierte Ehrenamtliche sollen zu Erstgesprächsführern ausgebildet werden. Mario Matrai, der Ehrenamtskoordinator der Stadt, hat sämtliche Flüchtlingskreise im Stadtgebiet angeschrieben und für diesen Dienstag, 8. Mai, zu einem ersten Treffen eingeladen. Die Erstgesprächsführer sollen mit der Aufgabe betraut werden, Kurzprofile von an Arbeit interessierten Geflüchteten zu erstellen. Dafür wird ein Gespräch mit dem jeweiligen Zuwanderer geführt und ein Fragebogen mit ihm durchgegangen. Die so erstellten Profile sollen dann zunächst einmal an den Ehrenamtskoordinator geschickt werden. Denn Matrai soll künftig die „Matching-Stelle“ für diesen Bereich innehaben. Will heißen, er verwaltet die Profile und schickt sie gleichzeitig an Unternehmen in Leinfelden-Echterdingen, die über mehr als drei Mitarbeiter verfügen. Die Ehrenamtlichen können die Zuwanderer dann auch beraten, wenn es zu einem Vorstellungsgespräch kommt.

Hauptamtliche Willkommenslotsen, die es für bestimmte Branchen gibt und beispielsweise bei der IHK, der Handwerkskammer oder dem Handelsverband Baden-Württemberg angestellt sind, beraten derweil die Betriebe, die gewillt sind, Geflüchtete einzustellen. „Den Unternehmen ist es wichtig, einen Ansprechpartner im Hintergrund zu haben, der erklärt, begleitet und unterstützt“, sagt dazu Mario Matrai.

CDU-Fraktion hat viele Fragen

Soweit die Theorie: Das Konzept stößt auch auf Kritik. CDU-Stadträtin Claudia Zöllmer stellte der Verwaltung viele Fragen, als das Konzept im Gemeinderat vorgestellt wurde. Drei Beispiele: „Wollen wir Ehrenamtlichen so ungeschützt eine solche Verantwortung übertragen? Können die Helfer das überhaupt leisten?“ Und: „Entsprechen diese Entwicklung und der Fragebogen den Datenschutzgesetzen?“ Zöllmer machte deutlich, dass die CDU zwar eine Anfrage bei der Verwaltung zur Integration von Geflüchteten in Arbeit gestellt hatte. Das sogenannte „kleine Konzept“ entspreche aber gar nicht diesem Vorstoß.

Bürgermeister Kalbfell sagt: „Es gab auch Kritik an dem Projekt L.-E. mietet, mittlerweile gilt es als ein Erfolgsmodell.“ Zur Erinnerung: Hier vermittelt die Stadt zwischen Flüchtlingen und Wohnungseigentümern. Zum Thema Datenschutz sagt er: „Da arbeiten wir daran.“ Möglicherweise werde der Flüchtling eine Einwilligungserklärung unterschreiben und damit Ja zur Weitergabe seiner Daten sagen.

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