Für das Musical „Anastasia“ beim Stettener Theater unter den Kuppeln werden auf der Bühne auch zwei ganz junge Darstellerinnen stehen: Elinor Fischer (12) (links) aus Waldenbuch (links) und Anni Happrich (11) aus Stetten. Beim Theater involviert sind auch ihre Mütter Sonja Fischer (außen links) und Kerstin Happrich. Foto: Caroline Holowiecki

Am 5. Juni feiert das Musical „Anastasia“ beim Stettener Theater unter den Kuppeln Premiere. Zwei junge Mädchen haben in dem Stück tragende Rollen.

Zum einen gibt es den Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1997, der laut Internetrecherche allein in Deutschland rund 860.000 Kinofans vor die Leinwände lockte und weltweit knapp 140 Millionen US-Dollar eingespielt hat. Dann sind da etliche Theaterversionen des Stoffs und Bücher, die hierzu verfasst worden. 2018 feierte das Broadway-Musical in Stuttgart seine Premiere – und die neueste Adaption ist nun in Stetten zu sehen. Das Theater unter den Kuppeln zeigt das Musical „Anastasia“.

 

Im Zentrum stehen die Geschichte von Anastasia Nikolajewna Romanowa, der Tochter des letzten Zaren Nikolaus II, und die – mittlerweile durch DNA-Untersuchungen eindeutig widerlegte – Legende, dass die junge Großfürstin die Ermordung der gesamten Zarenfamilie im Jahr 1918 heimlich überlebt hat. „Zwischen Mythos und Wirklichkeit entsteht eine fesselnde Reise voller Hoffnung, Mut, Freundschaft und verzaubernder Momente“, h eißt es in der Ankündigung des Theaters. In Summe 18 Vorstellungen werden auf den Höhen von Stetten gezeigt. Die Premiere ist am 5. Juni, die letzte Show am 8. August. Karten sind über die Homepage des Theaters erhältlich.

Nervenaufreibende Aufgabe für die Mädchen aus Stetten und Waldenbuch

Auf der Bühne stehen werden auch zwei ganz junge Darstellerinnen: Anni Happrich (11) aus Stetten und Elinor Fischer (12) aus Waldenbuch. Die beiden Sechstklässlerinnen werden sich jeweils in der Rolle der jungen Anastasia abwechseln und so an mehreren Abenden vor bis zu 500 Zuschauerinnen und Zuschauern in mehreren Szenen schauspielern, tanzen und auch singen. Eine nervenaufreibende Aufgabe für so junge Mädchen, sollte man meinen, aber tatsächlich sind die zwei schon alte Hasen beim Theater unter den Kuppeln und können mehr als genug Erfahrung vorweisen. „Schon mit vier habe ich ein Dorfkind bei Pippi Langstrumpf gespielt“, sagt Anni Happrich, und ihre Freundin Elinor Fischer zählt ebenso mehrere Rollen auf, die sie in der Vergangenheit bereits übernommen hat. Ob sie auf der Bühne aufgeregt ist? „Nicht mehr“, sagt sie.

Beim Theater unter den Kuppeln gibt es immer wieder etwas Neues. Und diese Abwechslung kommt nicht nur beim Ensemble gut an. Der gemeinnützige Verein, gegründet in den 1960ern, lockt nach eigenen Angaben an die 25.000 zahlende Gäste pro Jahr mit seinen diversen Aufführungen an. Sämtliche Leistungen, vom Schauspiel über die Maske bis hin zur Technik und zur Bewirtung, werden rein ehrenamtlich gestemmt. Oft machen ganze Familien mit.

Die ganze Familie macht beim Theater in Stetten mit

So ist das auch im Fall der kleinen Anastasias. Annis Mutter Kerstin Happrich (50) spielt im aktuellen Kinderstück „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ einen Hauptmann, Elinors Mama Sonja Fischer (48) ist dort als Frau Mahlzahn zu sehen. Bei den Fischers sind sogar alle sechs Familienmitglieder irgendwie ins Theater involviert. „Das ist ein richtig tolles Familienprojekt“, sagt Sonja Fischer. Angefangen habe alles durch den Ballettunterricht der Töchter beim Theater unter den Kuppeln, „damals wurden händeringend Mitspieler gesucht, so bin ich auch reingerutscht“. Heute will Sonja Fischer ihr Hobby nicht mehr missen. „Es ist eine ganz tolle Gemeinschaft.“

Geprobt wird für „Anastasia“ bereits seit Dezember. Jetzt, in der ganz heißen Phase, sind die Tage lang. „Wir sind deswegen nicht in den Urlaub gefahren“, sagt Sonja Fischer. „Es ist schon zeitintensiv“, sagt auch Kerstin Happrich, denn neben den Proben stünden zusätzlich Arbeitsdienste an, vom Bühnenbau bis zur Verpflegung des Teams. Vieles ist bei den Ehrenamtlichen auf Kante genäht. Die Bühne ist noch nicht fertig, das klappe erfahrungsgemäß erst kurz vor knapp.

Hinzu kommt, dass die beiden Mädchen derart theaterverrückt sind, dass sie neben ihren Rollen in „Anastasia“ auch noch kleinere Rollen bei „Jim Knopf“ übernommen haben. Alles verinnerlichen? Kein Problem. „Wenn es Spaß macht, lernt man schneller“, sagt Elinor Fischer. Ins Strudeln kommen die Mädchen selbst dann nicht, wenn Klassenkameraden im Publikum sitzen und ihnen zuwinken.

Nur wenn beim Kostümwechsel zwischen zwei Szenen etwas nicht wie am Schnürchen laufe, gehe mal der Puls hoch. „Das Kleid klemmt manchmal“, sagt Elinor Fischer. Ihre Mutter nickt. „Ich glaube, die meisten wissen gar nicht, wie viel Action das hinter der Bühne ist.“