Nachmittags frei und trotzdem an der Schule essen – an der Zeppelinschule in Echterdingen ist das möglich. Foto: Natalie Kanter

Soll es den Mittagstisch auch für Halbtagsschüler geben? Die Stadt sagt Nein, die Stadträte sagen Ja. Letztere setzten sich nun durch, zumindest vorerst.

Echterdingen - Manche Eltern werden aufatmen. Denn wenn der Gemeinderat in einer Woche der Empfehlung des Fachausschusses folgt, bleibt vorerst für die Halbtagsschüler der Zeppelinschule alles wie es ist. Diese Kinder werden auch im kommenden Schuljahr weiter bis 13.45 Uhr betreut. Sie können an der Schule weiter zu Mittag essen. Das Zusatzangebot soll nun erst ein Jahr später, im Herbst 2018, entfallen. Bei Platzmangel soll es aber bereits von diesem Herbst an keine Umschulungen mehr an die Ganztagesschule geben. Das ist das Ergebnis einer mehr als zweistündigen, hitzigen Diskussion, welche die Stadträte des Sozialausschusses am Dienstagabend im Leinfeldener Rathaus geführt haben.

Die Verwaltung hat den klaren Auftrag erhalten, nach weiteren Lösungen zu suchen – in der Echterdinger Grundschule, aber auch an anderen Bildungseinrichtungen. Dazu soll auch ein nichtöffentlicher Workshop beitragen, an dem Vertreter der Fraktionen, des Fachamtes, der Schulen und der Elternschaft teilnehmen.

Die Zeppelinschule bietet seit eineinhalb Jahren auch ganztägigen Unterricht an. Eltern können entscheiden, ob sie ihr Kind halbtags oder ganztags in die Grundschule schicken. Für Halbtagsschüler gibt es bisher noch eine Betreuung nach Schulschluss bis 13.45 Uhr und auch ein Mittagessen. Das Halbtags-Plus-Angebot (HTS-Plus) wurde für jene Familien eingerichtet, die ihr Kind nicht an einer Ganztagesschule anmelden wollen, aber eine Betreuung über die Mittagszeit hinaus benötigen.

Die Ganztagesschule stößt aber an ihre Grenzen. An der Schule wird es insbesondere mittags sehr eng. Die Schüler essen in drei Schichten. „Es ist laut, es gibt Aggressionen unter den Kindern“, sagte Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell. „Es ist notwendig, dass man was tut“, sagte auch Freie Wähler-Stadtrat Eberhard Wächter. Die Lösung der Verwaltung: Sie hatte dem Ausschuss vorgeschlagen, das Angebot HTS-Plus von Herbst an einzustellen. Zudem wollte sie die Zahl der Ganztagesplätze begrenzen.

Insbesondere die SPD-Fraktion wollte da nicht mitgehen. Stadtrat Jens Zellmer sagte: „Nicht das Vorhandensein von Räumen sollte den Bedarf diktieren, sondern der Bedarf das Angebot an Räumen.“ Bisher werde lediglich der Mangel verwaltet. Zellmer forderte die Verwaltung auf, die notwendigen Plätze zu schaffen und die Eltern nicht abzuweisen.

Fraktionskollegin Barbara Sinner-Bartels ergänzte: „Wir wollen verhindern, dass das Angebot an Ganztagesschulplätzen verknappt wird.“ Sie fragte: „Wer soll später entscheiden, welches Kind teilnehmen darf und welches nicht?“ Dazu sagte Schulleiterin Ellen Heimsch: „Wir wollen auch jene Kinder bei uns haben, deren Eltern zuhause sind, aber die ihren Kindern nicht das bieten können, was die Schule ihnen bieten kann.“

Zellmer sagte: „Derzeit besteht nicht die Not, HTS-Plus zu streichen.“ Denn anders als erwartet, lässt der Ansturm auf die Ganztagesschule gerade nach. 135 Schüler werden, Stand heute, im kommenden Schuljahr bis 16 Uhr die Zeppelinschule besuchen. Zudem gibt es etwa 15 Familien, die sich für das Modell HTS-Plus interessieren. Derzeit gilt es mittags 164 Schüler zu betreuen und mit Essen zu versorgen.

Unterstützung bekam die SPD von den L.E.-Bürgern. „Die aktuellen Anmeldezahlen sind derzeit nicht so dramatisch“, sagte Sabine Onayli. Die Stadträtin forderte ein grundsätzliches Leitbild der Stadt für die Schulkind-Betreuung nach Unterrichtsschluss ein. Sie sprach damit dem Gesamtelternbeirat der Schulen aus dem Herzen. Karsten Finger, Vorsitzender des Beirates, sagte unserer Zeitung: „Wir werden bis 2023 mehr als 100 Grundschüler zusätzlich im Stadtgebiet haben.“ Auch der Bedarf nach einer Betreuung nach Unterrichtsende steige. Darauf gelte es zu reagieren.

Judith Skudelny (FDP) plädierte für eine Wahlfreiheit der Eltern und damit für verschiedene pädagogische Konzepte im Stadtgebiet. Claudia Zöllmer (CDU) und Eva Barth-Rapp (Grüne) brachten ins Spiel, dass es weitere Grundschulen in L.-E. gibt, die Interesse daran haben, sich zu einer Ganztagesschule zu entwickeln. Dies könne die Zeppelinschule entlasten.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: