Der Flügelstürmer will den Sieg gegen den VfB nicht groß feiern, dafür loben ihn andere in den höchsten Tönen. Und der Roter-Stern-Kaderplaner Marko Marin gibt Einblicke in die Faktoren, von denen eine Verpflichtung abhängt.
Es war sein Tag. Silas Katompa stand durchgehend im Fokus – vor dem Spiel, während der 90 Minuten, auch danach. Und dass der Flügelstürmer beim 5:1-Sieg von Roter Stern Belgrad in der Champions League gerade gegen den VfB Stuttgart groß aufspielte, bildete ein Paradebeispiel für eine im Fußballjargon fast schon überstrapazierte Vokabel. Ausgerechnet. Eben jener Silas, der beim VfB bis 2026 unter Vertrag steht und seine Zelte in Bad Cannstatt im September wegen der geringen Aussicht auf Spielpraxis abbrach, war nun in Serbien einer der auffälligsten Akteure.
Das lag zum einen natürlich an seinem wichtigen Ausgleichstreffer zum zwischenzeitlichen 1:1 für Roter Stern, den der 26-Jährige mit einem überlegten Flachschuss aus der zweiten Reihe erzielte. Aber auch danach stand Silas oft im Fokus, war an Belgrader Kontern beteiligt und stellte die Stuttgarter Hintermannschaft vor Aufgaben. Groß feiern wollte er das Ganze nicht – weder nach seinem Tor, noch auf dem Siegerfoto der Belgrader, das einen ernsten Silas inmitten der jubelnden Mitspieler zeigt. Dass er sich in Stuttgart in seinen bisherigen fünf Jahren wohlfühlte, ist kein Geheimnis.
Wohlgemuth lobt Silas: „Eines der Spiele seines Lebens“
Dafür sprachen nach Spielende andere über ihn. Und das in lobenden Tönen. „Er hat ein super Spiel gemacht“, betonte VfB-Torhüter Alexander Nübel – legte aber schon auch Wert auf das an diesem Abend prädestinierte Drehbuch für den schnellen Außenstürmer, der viel Raum hatte gegen einen aufgerückten VfB: „Die zweite Hälfte spielt ihm in die Karten: Kontern, Schnelligkeit, Eins-gegen-eins.“
„Eines der Spiele seines Lebens“ attestierte ihm derweil der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, der bekräftigte: „Das gönnen wir ihm.“ Denn für die derbe 1:5-Niederlage der Stuttgarter hätten viele Gründe eine Rolle gespielt, allein entscheidend sei Silas nicht gewesen.
Natürlich war auch dessen Zukunft nach Spielende an allen Ecken und Enden ein Thema: Die Leihe endet im Sommer, nach jetzigem Stand würde Silas nach Bad Cannstatt zurückkehren. „Er macht hier eine gute Entwicklung, er hat noch eine halbe Saison vor sich“, sagte Wohlgemuth, „und dann werden wir zusammen sehen und entscheiden, auch mit Belgrad, wie es bei ihm weitergeht.“
Den Zusatz „mit Belgrad“ platzierte der Stuttgarter Sportchef an dieser Stelle nicht ohne Grund. Denn die Serben können den Stürmer fest verpflichten durch eine vertraglich fixierte Kaufoption, die bei gut zehn Millionen Euro liegt. Zuzüglich möglicher späterer Boni. Keine kleine Summe, wobei man sich bei Roter Stern noch nicht festlegen will.
Das betonte nach Abpfiff in der Mixed Zone dessen Technischer Direktor Marko Marin: „Es ist noch zu früh“, sagte der frühere Bundesliga-Profi. „Wir wussten, was für ein Potenzial in Silas steckt, bevor wir ihn verpflichtet haben und welche Qualität er hat. Klar, wir haben die Option. Aber wir haben noch Zeit, die lassen wir uns auch.“ Es folgte ein relevanter Zusatz: „Wir haben ja noch drei Champions-League-Spiele.“ Hängt die Verpflichtung von Silas also auch von einem möglichen Weiterkommen in der Königsklasse ab? „Unter anderem“, bestätigte Marin.
Denn: Sollte Roter Stern die Hauptrunde überstehen, würde das reichlich Geld in die Kassen spülen. Ihre ersten drei Punkte haben die Serben nach dem Sieg gegen den VfB auf dem Konto, fünf bis sechs weitere werden noch nötig sein für Platz 24 und den Einzug in die Play-offs. Und da jeder Punkt von der europäischen Fußballunion Uefa mit 700 000 Euro prämiert wird, landet man hier schnell bei einem mittleren einstelligen Millionenbetrag. Eine weitere Million Zusatzprämie für den Einzug in die Play-offs gibt es zudem, sowie natürlich die Zuschauereinnahmen durch ein weiteres Heimspiel.
Drei Partien stehen in der Hauptrunde noch aus. Die Gegner für Roter Stern? Auswärts geht es gegen Italiens Tabellensiebten AC Mailand sowie gegen die in der Königsklasse noch punktlosen Young Boys Bern, zuhause gegen die PSV Eindhoven. „Wir sind jetzt in der Champions League angekommen“, sagte Marin. Wie es weitergeht für Roter Stern? Ist wie im Fall vom Silas völlig offen.