Weich gebettet bei der Leichtathletik-WM in Doha – das war zu Beginn nicht jeder. Foto: AFP/Antonin Thuillier

Die Dienstreise nach Doha hätte besser beginnen können für unseren Reporter bei der Leichtathletik-WM – aber auch deutlich schlechter, wie er aus Erfahrung weiß.

Doha - Es wird Sie nicht überraschen, liebe Leser, aber Doha ist zunächst einmal vor allem eines: sehr, sehr warm. Sie müssen sich das ungefähr so vorstellen, als stünden Sie unmittelbar vor einem riesigen Heißluftgebläse, das seinen Dienst auf höchster Stufe verrichtet. Am ersten Tag der ersten Leichtathletik-Weltmeisterschaft in der Wüste beneidet man daher die Scheichs in ihren blütenweißen Gewändern und denkt unwillkürlich darüber nach, dass zumindest Trekkingsandalen und Dreiviertelhosen eine ziemlich gute Idee gewesen wären. Vor allem aber ist man froh, dass man nur als Berichterstatter an der Persischen Golf gereist ist und nicht als Marathonläufer.

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Zwar rennen sie erst um Mitternacht los, viel besser macht dies die Sache aber nicht. Denn auch morgens um halb drei ist es noch so brüllend heiß, dass einem garantiert auch eine Dreiviertelhose an den Beinen kleben würde. Das lässt sich deshalb mit Gewissheit behaupten, weil man nach zwölfstündiger Reise um genau jene Uhrzeit das Hotel erreicht. Okay, es hätte auch schneller gehen können – doch hätte einen dann der freundliche Fahrer des Shuttles vom Flughafen in die Innenstadt nicht zielsicher am falschen Hotel abladen dürfen.

Ledersofa statt kuscheliges Bett

Zu schön wäre es gewesen, eine kalte Dusche und ein frisch gemachtes Bett vorzufinden – doch kann man im Leben nun einmal nicht alles haben. Das gebuchte Hotelzimmer ist leider erst ab 12 Uhr am nächsten Mittag frei, alle anderen belegt. Man könne die Zeit gerne in der Lobby überbrücken, sagt der Hotelmitarbeiter an der Rezeption, auch er sehr freundlich, und zeigt aufmunternd auf ein schweres Ledersofa in der Ecke. Erleichtert sieht er aus, dass man keine Dreiviertelhosen trägt – gar nicht auszudenken, wie das kleben würde. Und erleichtert ist man auch selbst über die Rolle des Lobbyisten – denn aus Erfahrung weiß man sehr genau: Es hätte auch deutlich schlechter laufen können.

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Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien waren nach dem deutschen Achtelfinale gegen Algerien in Recife einst ebenfalls alle Hotelzimmer belegt – doch gab es in der Lobby keine Ledercouch. Und auf der Interrailreise 1992 antwortete der Mitarbeiter der französischen Eisenbahn, der einen aus dem Pariser Ostbahnhof vertrieb und die Türen verschloss, auf die Frage, wo man denn jetzt nächtigen solle: „Sur le trottoir.“ Das eigene Lachen verstummte schnell – es war nicht als Witz gemeint.

Die Klimaanlage ist laut, aber nicht stark

Gut also, dass die Kataris so freundliche Gastgeber sind und auch daran gedacht haben, im Khalifa-Stadion eine gigantische Klimaanlage zu installieren. Doch gibt es ein kleines Problem: Lautstärke und Wirkung stehen nicht im optimalen Verhältnis. Ein eher laues Lüftchen ist im Oberrang zu spüren, während vor lauter Surren vom Jubel der begeisterten Zuschauer eher wenig zu vernehmen ist. Was natürlich auch daran liegen könnte, dass am Eröffnungstag nicht allzu viele begeisterte Zuschauer den Weg ins Stadion gefunden haben.

Gut gefüllt dafür die Pressetribüne, auf der man schnell feststellen muss, dass die anderen viel schlauer waren. An Trekkingsandalen und Dreiviertelhose hat zwar auch der junge Kollege aus Irland nicht gedacht – dafür aber an Shorts und Adiletten.

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