Linus Mathes muss beim TVB einspringen und ist der großen Aufgabe gegen die SG Flensburg-Handewitt nicht gewachsen. Foto: Baumann

Das war nichts: Der TVB Stuttgart ist in der Handball-Bundesliga gegen Flensburg mit 28:46 unter die Räder gekommen: Zudem zog sich Torwart Dragan Jerkovic eine Wadenverletzung zu.

Stuttgart - Das Beste am Spiel war die Schlusssirene. Eine Erlösung für Spieler und Zuschauer. Wenn ein Abstiegskandidat in der Handball-Bundesliga auf einen Titelanwärter trifft, erwartet zwar niemand einen Sieg des Außenseiters, aber eben auch keine 28:46(12:24)-Klatsche wie am Sonntag im Heimspiel des TVB Stuttgart gegen die SG Flensburg-Handewitt. „46 Gegentore sind etwas viel – auch gegen Flensburg“, sagte Stuttgarts Sportlicher Leiter Günter Schweikardt.

Die Spannung in der mit 6211 Zuschauern erneut ausverkauften Porsche-Arena hielt genau sieben Minuten (3:4), dann zogen die Gäste aus dem hohen Norden auf 12:3 (15.) davon, das war in diesem Fall schon mehr als eine Vorentscheidung, auch weil die SG Flensburg-Handewitt inzwischen nicht nur in jedem Spiel auf Punkte-, sondern auch auf Torejagd geht (was im Titelrennen entscheidend werden kann).

Das Unheil nahm für den TVB Stuttgart in erschreckender Weise seinen Lauf, nachdem Flensburg den Gegner im ICE-Tempo förmlich überrollte. „Bei uns hat weder die Einstellung gestimmt, noch haben wir die Vorgaben des Trainers umgesetzt“, übte der Spielmacher Michael Kraus Selbstkritik. „Wir haben uns zu leicht ergeben“, sagte auch Trainer Markus Baur, dem letztlich die Hände gebunden waren mit noch acht Feldspielern nach 60 Minuten.

Schweikardt sieht die Rote Karte

Am Ende fehlten eben Quantität und Qualität, eine fatale Mischung. Der Rückraumspieler Marian Orlowski war mit sechs Toren noch Stuttgarts bester Werfer, während aus der Flensburger Startruppe Lasse Svan (13) herausstach. Baur: „Ich denke, heute haben einige etwas gelernt, wohin es in Sachen Spitzenhandball geht.“ Und von dem ist der TVB derzeit weit entfernt, das hatte sich ja schon eine Woche zuvor bei der deutlichen 20:27-Niederlage beim VfL Gummersbach angedeutet.

Zudem kam an diesem „schwarzen Sonntag“ wirklich alles zusammen. Nachdem es Baur zeitweise mit dem siebten Feldspieler probiert hatte, kehrte nach dem Wechsel Stammkeeper Dragan Jerkovic zwischen die Pfosten zurück, aber nur für drei Minuten. Dann humpelte der Kroate, der am 8. Dezember 41 Jahre alt wird, vom Feld – Wadenprobleme, so die erste Diagnose. Ersatzmann Linus Mathes war – das muss man so deutlich sagen – schlichtweg überfordert. Und als ob das nicht genug wäre, flog Spielmacher Michael Schweikardt mit einer Roten Karte (42.) auch noch ebenso vorzeitig vom Feld wie später Neu-Nationalspieler Dominik Weiß nach seiner dritten Zeitstrafe.

„Es muss besser werden, aber wir können es auch besser“, sagte Geschäftsführer Jürgen Schweikardt, der zunächst einmal hofft, dass sich die Verletzung von Jerkovic als nicht zu schlimm erweist. „Sonst müssten wir reagieren.“ Was aber auch leichter gesagt als getan ist. Einstweilen bleibt nur die Hoffnung auf die Rückkehr des Linksaußen Tobias Schimmelbauer – und auf eine Leistungssteigerung. Diese wird dringend nötig sein, um im Derby gegen Frisch Auf Göppingen am 7. Dezember (20.15 Uhr) nicht wieder chancenlos zu sein. „Solche Spiele wie gegen Flensburg dürfen wir uns nicht oft erlauben, um unseren Kredit bei den Zuschauern nicht zu verspielen“, weiß Jürgen Schweikardt.

Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die Stuttgarter Porsche-Arena gegen Frisch Auf bereits so gut wie ausverkauft ist.

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