Der QR-Code führt zu weiteren Informationen online. Foto: Jacqueline Fritsch

Im Lehrgarten an der Uni Hohenheim wird hybrid gelernt. Vor Ort können sie Unkraut und Bodenprofile live anschauen. QR-Codes an den Beeten versorgen sie mit weiterführenden Informationen im Internet.

Hohenheim - Wenige Hundert Meter liegen zwischen den Bodenprofilen links und rechts des Lehrgartens. Links kann man in dem großen Loch in der Erde den typischen Aufbau des Filderbodens erkennen. Rechts dagegen ist das Erdloch voller größerer Steine und einem kleinen Teich. „Der Untergrund ist hier so dicht, dass das Wasser fast ausschließlich durch Verdunstung verschwindet“, erklärt Thomas Ruopp, der an der Uni Hohenheim für den Lehrgarten verantwortlich ist. Bodenkundler haben vermutet, dass es trotz des geringen Abstands zwischen den beiden Bodenprofilen einen deutlichen Unterschied in der Zusammensetzung der Erde gibt. Deshalb sind die Erdlöcher so angelegt worden. Selbst Laien sehen einen deutlichen Unterschied. Wer sich genauer für die Zusammensetzung des Erdbodens an diesen Stellen interessiert, kann sich auf den Tafeln vor Ort informieren oder für noch mehr Informationen den QR-Code auf den Tafeln scannen.

Solche QR-Codes finden sich überall im Lehrgarten. Sie leiten den Nutzer zum digitalen Part des Gartens. Die angebaute Getreidesorte, die Körnergröße, die Saatmenge, die Düngung, der verwendete Pflanzenschutz – online können Studenten der Uni Hohenheim Informationen einsehen, die im realen Teil des Lehrgartens nur auf eine sehr große Tafel passen würden. Die Mischung aus dem 1,5 Hektar großen Anbaugebiet nördlich des Schlosses und den digital abrufbaren Informationen soll Studenten zum selbstständigen Lernen animieren. „Es gibt auch ein paar wenige Lehrmodule, die direkt hier draußen stattfinden“, sagt Thomas Ruopp.

Die Infos würden nur auf eine extra-große Tafel passen

Bis vor drei Jahren hatten einige Institute ihren jeweils eigenen Lehrgarten. Der pflanzenbauliche zum Beispiel war an der Fruwirthstraße. Diese Fläche steht mittlerweile frei, damit dort Wohnheime gebaut werden können. Auch die Flächen der anderen Lehrgärten werden oder sind bereits bebaut. Deshalb hat die Universität alle zu einem großen Garten zusammengelegt, der auch der Öffentlichkeit zugänglich sein soll.

Das Feld ist in verschiedene Schwerpunkte unterteilt. So gibt es zum Beispiel den Bereich Phytomedizin mit 80 kleinen Unkrautbeeten. Außerdem ist in diesem Abschnitt alles doppelt angebaut. „In einer Parzelle wird es bearbeitet, in der anderen nicht“, erklärt Thomas Ruopp. So kann beobachtet werden, welche Schädlinge sich bilden.

Beim Anbau bekommen sie zusätzliche Hilfe

Es werden also absichtlich Unkraut und Schädlinge erzeugt, damit die Studenten lernen, wie das aussieht und wie man dagegen vorgehen kann. Zudem gibt es seit Neuestem den sogenannten Entzugslehrgarten: „Dort lernen die Studierenden, wie Pflanzen aussehen, wenn ihnen bestimmte Nährstoffe entzogen werden“, sagt Thomas Ruopp. Hauptsächlich kümmern sich Ruopp und ein Mitarbeiter um den Lehrgarten. Beim Anbau bekommen sie zusätzliche Hilfe.

Wenn man vor den 80 kleinen Unkrautparzellen steht, die alle mit einem Namensschild und einem QR-Code versehen sind, sieht man, dass das zwei Mitarbeiter alleine nicht schaffen würden. Thomas Ruopp freut sich in diesem Jahr auf eine Neuerung im Lehrgarten: Bald soll es Beerenbüsche geben. „Wir hoffen, dass wir die demnächst kriegen, damit der Garten vollständig ist“, sagt er.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: