Theresa Schopper vermeidet Konflikte. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Beim Kampf gegen den Lehrermangel schont Kultusministerin Schopper die Lehrkräfte. Warum das zulasten der Kinder geht, analysiert unsere Schul-Berichterstatterin.

Eines muss man leider vorausschicken: Es gibt keine schnelle Lösung für den Lehrermangel, der in den baden-württembergischen Schulen schon grassiert und sich in den nächsten Jahren noch verstärken wird. Denn die Ausbildung von Pädagogen ist langwierig, und auch in Baden-Württemberg haben die Schulbehörden den demografischen Wandel ignoriert und sich zu lange auf Bedarfsprognosen verlassen, die sich als fahrlässig niedrig erwiesen haben.

 

Außerdem gibt es nicht die eine durchschlagende Maßnahme, die zu einer jedenfalls wahrnehmbaren Verbesserung der Unterrichtsversorgung beitragen könnte. Insofern bleibt Baden-Württembergs grüner Kultusministerin Theresa Schopper gar nichts anderes übrig, als die Stellschrauben gleich dutzendfach in Bewegung zu setzen, um wenigstens Linderung zu erreichen.

Bloß nicht anecken

So viel Rabatt hat Schopper, die einen Großteil der Misere bei ihrem Amtsantritt vor zwei Jahren schon vorgefunden hat, verdient. Davon abgesehen ist ihr Paket aber entschieden zu klein geraten, und es kommt zu spät. Vor unpopulären Maßnahmen wie größeren Klassen, wirklich durchschlagenden Teilzeit-Einschränkungen bei Lehrkräften, einer zeitweisen Aufstockungen der Lehrverpflichtungen oder einem Plan, der die Lichtung des überaus üppig gewebten und viel zu kleinteiligen Netzes von Schulstandorten in die Wege leiten könnte, schreckt sie zurück.

Das Ergebnis ist: Sie gewinnt 500 (!) Deputate im übernächsten Schuljahr – der Rest ist Hoffnung auf kleinteilige und zum Teil sehr langfristige Maßnahmen.

Theresa Schopper ist wieder einmal ihrer Strategie gefolgt, bloß nicht anzuecken und den Fortschritt in der Schulpolitik im Zweifel halt eine Schnecke sein zu lassen. Das schont zwar die Nerven in der grün-schwarzen Koalition. Vielleicht verhindert es auch, dass die Lehrerverbände die Ministerin unter Dauerfeuer nehmen. Allerdings müsste Theresa Schopper selbst erkennen, dass sie sich verkalkuliert hat: Zwar hat sie im Kampf gegen den Lehrermangel die Daumenschrauben im Giftschrank gelassen. Zeter und Mordio schreien die Lehrerverbände der Schonung zum Trotz.

Kein Konsens mit dem Innenminister

Richtig ist, dass Schopper die familienbedingte Teilzeit von Lehrkräften – und das wäre der entscheidende Hebel, um die Unterrichtsversorgung zu verbessern – nur in Kooperation mit Innenminister Thomas Strobl (CDU) hätte ändern können, weil das für die Landesbeamten einheitlich geregelt ist. Aber hat sie irgendwo gekämpft? Ist sie öffentlich dafür eingetreten, dass auch Landesbeamte heutzutage wegen der Kinderbetreuung keinen Anspruch auf Teilzeitarbeit mehr bis zur Volljährigkeit (!) ihrer Sprösslinge benötigen? Nichts war dazu von Schopper zu hören. Sie kämpft lieber nicht – weil es Nerven kostet und man dabei verlieren könnte? Strobl wollte nicht, und sie hat ganz geräuschlos klein beigegeben.

Das aber geht auf Kosten der Kinder und Jugendlichen, von denen viel zu viele in Baden-Württemberg nicht mehr richtig Lesen, Schreiben und Rechnen lernen – von Orthografie ganz zu schweigen.

Nun müssen Schulminister damit leben, dass die meisten ihrer Reformen erst langfristig wirken. Das gilt auch für Schoppers Kampf gegen den Lehrermangel. Aber gerade die schwächeren und sozial benachteiligten Schüler leiden unter der Personalnot in den Schulen besonders. Ihr Anwalt hätte Theresa Schopper im Bemühen um die Erschließung zusätzlicher Ressourcen sein müssen. Sie will die Schulen gerechter machen, wie sie in jeder Rede herausstellt? Ihre Strategie, Konflikte zu meiden und Koalition wie Lehrer zu schonen, unterminiert ihre Glaubwürdigkeit – und die der Koalition.