Gesucht: Ausgezeichnete Lehrer Foto: dpa

Gute Lehrer braucht das Land. Das soll die neue Lehrerbildung richten. Kultusminister Andreas Stoch (SPD) und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) diskutierten mit Beteiligten.

Stuttgart - Wenn ihr jüngerer Sohn 2016 Abitur macht, wird Theresia Bauer auf­atmen. „Die Schulzeit bei meinen zwei Kindern war durchwachsen, wie meine eigene auch“, erzählt die Wissenschaftsministerin im Stuttgarter Eschbach-Gymnasium. Ihre Söhne hätten „hervorragende und begeisternde“ Lehrer erlebt, aber auch viel „Langeweile und Frust“. Kultusminister Andreas Stoch, Vater von vier Kindern, kennt ebenfalls beides – Klagen über Lehrer, die nicht richtig erklären können oder ungerecht sind, und Freude über guten Unterricht.

Ähnliche Erfahrungen steuern auch die Schüler und Eltern bei, die mit den beiden Ministern darüber diskutieren, was gute Lehrer ausmacht. Fair sollen sie sein und humorvoll, auch streng dürfen sie sein. Und sie sollten einen Plan davon haben, was sie ihren Schülern mitgeben wollen, sagten Schüler. Eltern wünschten motivierte Lehrer für ihre Kinder und für sich verlässliche und vorurteilsfreie Gesprächspartner.

Eine gute fachliche Ausbildung und pädagogisches Gespür soll die neue Lehrerbildung sicherstellen, die in diesem Wintersemester begonnen hat. Während des dreijährigen Bachelorstudiums stehen die beiden Unterrichtsfächer im Vordergrund, gleichzeitig sollen sich die Studierenden aber auch schon Gedanken darüber machen, wie sie diesen Stoff ihren Schülern vermitteln. Dazu kommen noch bildungswissenschaftliche Themen – Psychologie, Soziologie – und ein dreiwöchiges Schulpraktikum.

Vielfalt in den Klassen nimmt zu

Wer danach davon überzeugt ist, dass der Lehrerberuf für ihn der richtige ist, kann sich dann für ein Masterstudium an einer der neuen Schools of Education bewerben, zu denen sich Universitäten und Pädagogische Hochschulen zusammentun. Die anderen können sich mit ihrem Bachelorabschluss eine Tätigkeit suchen oder ein anderes Masterstudium wählen, das nicht in die Schule mündet.

Die Lehrerausbildung müsse sich den Herausforderungen der Gesellschaft stellen, erklärte Stoch. Die Vielfalt in den Klassen nimmt seit Jahren zu – auch durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung und die Abschaffung der Sonderschulpflicht. Lehrer aller Schularten müssten deshalb in der Lage sein, sich auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und Hintergründe einzulassen und Schüler individuell zu fördern. In allen Studiengängen befassen sich Lehramtsstudenten deshalb auch mit sonderpädagogischen Themen und mit der Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache.

Lehrer dürfe man nicht werden, weil einem nichts Besseres einfalle, sondern weil man Kinder möge und für diesen Beruf brenne, sagte Bauer. Spezielle Auswahlverfahren wie etwa in Finnland wird es aber voraussichtlich nicht geben. Die Heidelberger Bildungswissenschaftlerin Anne Sliwka hält das für falsch. Aus ihrer Sicht sollten nur diejenigen zu einem Masterstudium für das Lehramt zugelassen werden, die im Bachelorstudium zeigen, dass sie mit Schülern und Lehrern zusammenarbeiten können, sagte sie in Tübingen. Gute Schulen brauchten professionelle Teams statt Einzelkämpfer.

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