Eine Eintrittskarte für das legendäre Konzert von Jimi Hendrix in Stuttgart: Für Reihe 31 zahlte man neun D-Mark. Foto: Russ

Das allererste Rockkonzert in der Geschichte der Stuttgarter Liederhalle liegt 51 Jahre zurück: Zweimal an einem Tag spielte Gitarrengott Jimi Hendrix im Beethovensaal. Unser Stuttgart-Album erinnert an einen legendären Auftritt.

Stuttgart - Es sind Zahlen wie aus einer anderen Welt. Der Eintritt betrug neun D-Mark – einschließlich der Mehrwertsteuer, die gerade mal bei 5, 5 Prozent lag. Der Sonntag, 19. Januar 1969 – also vor 51 Jahren – ist der Tag, an dem eine neue Zeitrechnung begann. Das erste Rockkonzert in der Geschichte der Liederhalle gilt heute als Startschuss für die heimische Rockszene.

Noch dachte keiner daran, die Stuhlreihen aus dem Beethovensaal zu entfernen. Als der damals 26-jährige Jimi Hendrix „The Star-Spangled Banner“ spielte und die amerikanische Nationalhymne dabei zerstückelte, standen etliche der zahlreich erschienenen US-Soldaten instinktiv auf und salutierten. Den Protest des Gitarristen hatten wohl nicht alle von ihnen verstanden.

Woran sich Veranstalter Russ, damals 23 Jahre alt, erinnert

Zeitungskritiker Hans Fröhlich, der später auch als Wirt der Weinstube Widmer in der Altstadt bekannt wurde, hatte Jimi Hendrix beim legendären Stuttgart-Konzert wie eine „Dschungelausgabe des Tänzers Rudolf Nurejew“ erlebt. Mit den Zähnen habe Hendrix die Gitarrensaiten liebkost und dabei „tonale Orgasmen“ ausgelöst, so Fröhlich. Das Publikum erlebte Höhepunkte bei einem Eintrittspreis von neun D-Mark.

Konzertveranstalter Michael Russ, damals 23 Jahre alt, erinnert sich an ein „unglaubliches Ereignis“. Das erste Konzert, auf 20 Uhr angesetzt, sei im Nu ausverkauft gewesen, weshalb man Hendrix auch schon um 17 Uhr spielen ließ. „Diese große Nachfrage kannten wir bisher nur von der Klassik, etwa von den Berliner Philharmonikern mit Karajan“, sagt Russ, „aber im Unterhaltungsbereich war das ein neues Phänomen“. Der Star aus den USA habe kein Catering verlangt, erzählt der Veranstalter weiter und freut sich noch heute: „Jimi Hendrix war eine Persönlichkeit, wie es nur wenige gibt. Mir würde bei all den Künstlern, die ich kennengelernt habe, etwas fehlen, wenn ich ihn nicht in Stuttgart gehabt hätte.“ Boa-Chef Werner „Sloggi“ Find hatte eine Karte, musste aber wegen einer Bronchitis daheim bleiben und ärgert sich noch heute darüber.

Anderthalb Jahre später war Jimi Hendrix tot

Der Musiker Teflon Fonfara war beim Abendkonzert und erinnert sich: „Er kam allein auf die Bühne und machte etwa 15 Minuten lang laute Geräusche und Rückkopplungen, danach kamen die anderen beiden auf die Bühne. Die long Version von ,Red House’ hat mir Schauer über den Rücken gejagt.“ Hans Schweizer vergisst nie, wie ein Tag vor den Konzerten vor seinem Laden eine Lincoln-Limousine vorfuhr. Darin saß der Gitarrengott, der noch was einkaufen musste. Fans hatten seine Pedale zum Verzerren als Souvenir von der Bühne geklaut.

Ein halbes Jahr später war Woodstock. Anderthalb Jahre später war Jimi Hendrix tot, mit 27 von Drogen zerstört.

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