Im Internet kursieren Gerüchte, die Lebensversicherungen würden den Tod durch Impfschäden nicht abdecken. Das ist falsch, sagen die Versicherungen.
Böblingen - Das Gerücht, das beim Holzgerlinger Impfmarathon am vergangenen Wochenende aufkam, lautet so: Lebensversicherungen würden nicht zahlen, wenn man an den Folgen einer Impfung verstirbt. Das zumindest hatte ein 56-jähriger Fensterbauer aus dem Kreis Böblingen im Internet gelesen, der vor der Frage stand, ob er sich beim Holzgerlinger Impfmarathon überhaupt anmelden solle oder nicht. Seine Sorge: Wenn er beim Impfen einen Schaden erleidet, was solle dann aus seiner Familie werden? Inzwischen ist aber klar, dass die Lebensversicherung im Schadensfall einspringen würde.
Impfstoff muss in Deutschland zugelassen sein
Franz Billinger ist Pressesprecher beim größten deutschen Versicherungskonzern, der Allianz. Er sagt: „Generell zahlt eine Risikolebensversicherung im Todesfall der versicherten Person. Dies umfasst auch den Todesfall durch einen Impfschaden.“ Voraussetzung dafür sei aber, dass die Impfung gegen Covid-19 mit einem Impfstoff erfolgt sei, der in Deutschland und in der Europäischen Union zugelassen sei.
Sich impfen zu lassen gegen Corona oder gegen eine andere Infektionskrankheit ist aber auch keine eingeforderte Mitwirkungspflicht im Sinne der Allgemeinen Versicherungsbedingungen. Sprich: wer sich nicht impfen lässt und dann an Covid-19 verstirbt oder folgenschwer erkrankt, erhält trotzdem Leistungen.
Dieser Versicherungsschirm spannt sich auch bei der Berufsunfähigkeit auf.„Wird eine versicherte Person durch die Langzeitfolgen einer Infektion mit Covid-19 oder durch einen Impfschaden berufsunfähig, dann zahlt die Versicherung ohne Wenn und Aber“, sagt auch der Chef des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, Jörg Asmussen. Das gilt ebenso für Unfall- oder Krankenversicherungen. Auch sie leisten Schadenersatz bei Invalidität oder Krankheit durch Impfschäden.
Todesfolge ist sehr selten
Im Blick behalten muss man natürlich auch, dass selbst bei dem viel gescholtenen Impfstoff Astrazeneca Impfungen mit Todesfolge sehr selten sind. Laut dem Ärzteblatt sind in Großbritannien von 20 Millionen mit Astrazeneca geimpften Menschen, 19 Menschen an den Nebenwirkungen gestorben. Das Risiko liegt also bei eins zu einer Million. Die Wahrscheinlichkeit an Covid zu sterben, ist dagegen beträchtlich höher – von einer Millionen Erkrankten starben in Deutschland 24 883 Menschen.
In Holzgerlingen gab es bei der Impfung der 5000 Menschen keine Zwischenfälle, abgesehen von einem Impfling, der wohl aufgrund einer Spritzen-Phobie mit Kreislaufproblemen zu kämpfen hatte.
Beim Impfmarathon waren auch Impfkritiker auf den Plan getreten, die Flugblätter in den Briefkasten des Holzgerlinger Rathaus gesteckt hatten. Dazu sagt Jean-Rémy Planche, der stellvertretende Bürgermeister: „Wir verstehen, dass jemand anderer Meinung ist, wir bitten aber um Toleranz gegenüber denjenigen, die sich impfen lassen wollen, um ihre Gesundheit zu schützen und die Pandemie einzudämmen.“