Henry Steinmetz (5.v.l.) umringt von seinen Lebensrettern. Von rechts: Michaela Schweizer, Gisela Kornmeier, Gerhard Prigl, Claudia und Matthias Feuerbacher. Mit dabei Richard Briem (2.v.l.) und Anna Eberchart (ganz links). Foto: Tetik

Henry Steinmetz hat sich für einen Laien-Defibrillator am Tennisplatz in Sielmingen eingesetzt. Ausgerechnet ihm hat das Gerät vor Kurzem das Leben gerettet.

Sielmingen - Es ist wie die Ironie des Schicksals: 2015 hatte sich Henry Steinmetz in seinem Verein intensiv dafür eingesetzt, dass die Tennisanlage des TSV Sielmingen einen sogenannten Laien-Defibrillator erhält. Ein Jahr später ist es ausgerechnet Steinmetz, der sein Leben diesem Schockgeber zu verdanken hat.

Doch der Reihe nach: Am 18. Juli 2016 steht der 53-Jährige gemeinsam mit seinem Spielpartner Matthias Feuerbacher gegen 19 Uhr auf dem Court, als er nach einem kurzen Aufwärmtraining plötzlich leblos zusammensackt und mit voller Wucht auf dem Boden aufschlägt. „Mir gingen einfach die Lichter aus“, sagt Henry Steinmetz heute. An mehr kann er sich nicht erinnern. Matthias Feuerbacher ruft laut um Hilfe. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich mehrere Sportler auf dem Platz und kommen sofort.

Paradebeispiel für eine Lebensrettung

Was folgt, liest sich wie ein Paradebeispiel für eine Lebensrettung: Trotz der Stresssituation reagieren alle Beteiligten instinktiv richtig. Einer verständigt umgehend den Notarzt, ein anderer läuft an den Straßenrand, um den Rettungskräften den Weg zum Patienten zu lotsen. Zunächst vermuten die Helfer einen Kreislaufkollaps und kippen Steinmetz ein Glas Wasser über das Gesicht. Doch rasch wird klar, dass es was Ernsteres ist. „Er war blau angelaufen, sein Herz stand still, er war weg“, erinnert sich Matthias Feuerbacher. Ein Spieler rast ins Vereinsheim und schnappt sich den Defibrillator, der erst vor einem Jahr keine zehn Meter vom Unfallort entfernt dort installiert worden war. Eine Spielerin positioniert unterdessen den bewusstlosen Steinmetz in die stabile Seitenlage. Die zufällig anwesende Ersthelferin Michaela Schweizer beginnt mit der Herzdruckmassage. Matthias Feuerbacher und Gerhard Prigl unterstützen sie hierbei im Wechsel, während Claudia Feuerbacher den Defibrillator startklar macht. Das Gerät lotst sie per Voice Guide und Textfeld. „Für einen Sekundenbruchteil dachte ich, das schaffen wir nicht, das war’s jetzt“, sagt die junge Frau rückblickend.

Als sie wie aufgefordert die Schocktaste des Defis drückt, herrscht Totenstille. Für die Helfer fühlen sich die Sekunden wie eine Ewigkeit an. Dann die große Erleichterung: Das Herz von Henry Steinmetz schlägt wieder. Die Wiederbelebungsmaßnahme ist geglückt. Der Notarzt trifft zwölf Minuten nach dem Notruf ein und übernimmt die Versorgung des Patienten. Laut Aussage des Notarztes hat der schnelle und beherzte Einsatz der Tennisspieler Henry Steinmetz das Leben gerettet.

Vier Bypässe erhalten

Noch in derselben Nacht ist Steinmetz am Herzen operiert worden und hat insgesamt vier Bypässe erhalten. Mittlerweile ist der dreifache Familienvater aus der Reha zurück und gesundheitlich wieder fit. Bleibende Schäden sind auch deshalb ausgeblieben, weil die Sportler schnell gehandelt haben. Ausgelöst wurde das plötzliche Herzversagen durch erhöhte Cholesterinwerte. „Ohne diese Hilfe wäre ich jetzt tot“, sagt Henry Steinmetz im Vereinsheim am vergangenen Samstag.

Zunächst habe er nicht gewusst, wie er mit der Situation umgehen soll. Steinmetz ist seit 38 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr in Sielmingen tätig. „Normalerweise bin ich dafür verantwortlich, Leben zu retten“, sagt er. Seinen Rettern werde er ein Leben lang dankbar sein, nun wolle er aber wieder nach vorne blicken und das Ereignis hinter sich lassen.

„Das sind Erlebnisse, die kein Mensch braucht“, schildert Matthias Feuerbacher. Er musste das alles selbst erst einmal verarbeiten. „Das geht nicht spurlos an einem vorbei“, sagt auch Claudia Feuerbacher. Durch die Aktion sei man noch enger zusammengerückt. Bei der Installation des Defibrillators im vergangenen Jahr haben sie gehofft, diesen nie zu brauchen. „Nun bin ich der Erste, der ihn gebraucht hat, das fühlt sich seltsam an“, sagt Steinmetz.

Die Initiative hat sich ausgezahlt

Dass der Defi hängt, wo er hängt, geht auf eine Privatinitiative von Richard Briem zurück. Der Filderstädter Unternehmer setzt sich seit einigen Jahren dafür ein, dass Filderstadt möglichst flächendeckend mit den Laien-Defibrillatoren ausgestattet ist. Hierfür kooperiert Briem mit der Björn Steiger Stiftung, dem DRK Filderstadt und dem Stadtmarketing. Dank der Initiative gibt es mittlerweile mehr als 30 solcher AEDs (Automatisierter Externer Defibrillator) an öffentlichen Plätzen, in Sport- und Festhallen, Banken, Firmen und Sportvereinen in Filderstadt. „Wenn die Defis nicht gebraucht werden, umso besser – aber, wenn man damit auch nur ein Menschenleben retten kann, hat sich die Initiative meinerseits gelohnt. Und das ist jetzt der Fall gewesen“, sagt Richard Briem.

Anna Eberchart von der Björn Steiger Stiftung, dankte bei dem Treffen am Samstag im Vereinsheim nicht nur den Lebensrettern, die Zivilcourage gezeigt hätten, sondern auch Richard Briem für dessen nachhaltigen und ehrenamtlichen Einsatz für die Installation und Vorführung der Defibrillatoren. „Die Geräte sind nutzlos, wenn sie in Notfällen nicht benutzt werden“, sagte die Sprecherin der Stiftung. Aus diesem Grund sei es wichtig, den Menschen die Berührungsängste zu nehmen. Der Stadt- und Kreisrat Richard Briem, in dessen Kofferraum sich stets ein Laien-Defi für den Notfall befindet, wie er sagt, möchte sich auch künftig für den Kampf gegen den plötzlichen Herztod stark machen. „Das Einzige, was man bei plötzlichem Herzversagen falsch machen kann, ist, nichts zu tun“, sagte er.

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