Matthias Helisch kurz vor seinem Infarkt vor dem Leuchtturm Hiddensee Foto: Helisch

Ein Mann aus Berlin macht Urlaub auf Hiddensee. Dort erleidet er einen Herzinfarkt – zwei Stuttgarter Rettungssanitäter sind seine Ersthelfer. Jetzt werden sie vom Geretteten und seinen Eltern gesucht.

Stuttgart/Berlin/Hiddensee - Er hatte ihnen noch ein Bild geschickt. Genauer gesagt ein Selfie, leicht von schräg unten aufgenommen. Im Hintergrund ist der Leuchtturm Dornbusch auf Hiddensee zu sehen, wie er wie eine weiße Nadel in den blassblauen Himmel sticht. Davor steht Matthias Helisch, eine dunkle Sonnenbrille auf der Nase. Es war der 28. August 2018.

Marianne und Hans-Joachim Helisch freuten sich daheim in Berlin über den Urlaubsgruß ihres 49-jährigen Sohnes. Die 75-Jährige und der 77-Jährige versuchten daraufhin, ihren Sohn telefonisch auf der Ostseeinsel zu erreichen. Doch er meldete sich nicht. „Das war ungewöhnlich für ihn“, sagt Hans-Joachim Helisch.

Das Ehepaar erfuhr, dass ihr Sohn einen schweren Herzinfarkt gehabt hatte

Endlich, am darauffolgenden Tag, erhielten sie einen Anruf. Doch es war nicht Matthias, sondern die Rettungsstelle des Krankenhauses Stralsund. Dort hatte man „die unendlichen Anrufversuche auf seinem Handy“ gesehen und zurückgerufen. Das Ehepaar erfuhr, dass ihr Sohn einen schweren Herzinfarkt gehabt hatte, operiert und in ein künstliches Koma versetzt worden war.

Marianne und Hans-Joachim Helisch fuhren gleich am Tag darauf nach Stralsund. Matthias war inzwischen wieder aus dem künstlichen Koma geholt worden und ansprechbar. Doch er konnte sich freilich an nichts erinnern. Auch das Personal im Krankenhaus konnte wenig über die Rettungsaktion und die Helfer berichten.

Zwei Männer begannen sogleich mit ersten Reanimationsmaßnahmen

In der Hoffnung, mehr darüber zu erfahren, wandte sich das Ehepaar an den Bürgermeister von Vitte, dem größten Ort auf Hiddensee. „Daraufhin hat sich Dr. Ulf Müller bei uns gemeldet“, sagt Hans-Joachim Helisch – also der Insel-Notarzt, der Matthias versorgt hat. Dieser berichtete, dass Matthias Helisch von Passanten bewusstlos auf dem Deich in der Nähe des Leuchtturms bei der Ortschaft Kloster gefunden worden war. Diese alarmierten den Rettungsdienst. Zudem seien zwei junge Männer herbeigeeilt. Sie begannen sofort mit ersten Reanimationsmaßnahmen. Nach fünf Minuten traf der Notarzt am Unglücksort ein und übernahm die Reanimation. Zu diesem Zeitpunkt bestand Atem- und Kreislaufstillstand. Nach 20 Minuten konnte das Herz wieder zum Schlagen gebracht werden. Matthias Helisch konnte an die Kollegen des Rettungshubschraubers übergeben werden.

„Die Rettungskette hat geradezu bilderbuchhaft funktioniert“

Hans-Joachim Hellisch atmet hörbar auf. Es nimmt ihn noch immer mit, von dem Unglück seines Sohnes zu berichten. Wenngleich dieser Glück im Unglück hatte. Dessen ist sich die Familie bewusst: „Die Rettungskette hat geradezu bilderbuchhaft funktioniert“, sagt Hans-Joachim Helisch. „Sonst hätte unser Sohn sicherlich nicht oder nur schwer behindert überlebt“. Sobald Matthias nach der Operation einigermaßen erholt hatte, traf er sich deshalb mit seinen Helfern, etwa dem Rettungsflieger und einer Krankenschwester in der Klinik, um ihnen seinen Dank auszusprechen.

Die Helischs wandten sich an diese Zeitung, um einen Aufruf nach den Rettern zu starten

Nur bei seinen beiden Ersthelfern konnte er sich bisher nicht bedanken. Denn niemand kennt deren Namen. „Vom Notarzt weiß ich nur, dass es sich um zwei Rettungssanitäter aus Stuttgart handeln soll“, sagt Hans-Joachim Helisch.

Ihnen ihren Respekt auszusprechen, ist der Familie aber ein großes Anliegen, schließlich „haben die beiden Stuttgarter in den entscheidenden ersten Minuten sofort mit der Reanimation begonnen und unserem Sohn sicherlich so ein zweites Leben geschenkt“, so Hans-Joachim Helisch. Deshalb wandten sich die Helischs an diese Zeitung, um einen Aufruf zu starten. „Es wäre schön, wenn sich die beiden melden würden – allerdings möchten wir ihnen keinesfalls Arbeit machen, wir wären schon froh, wenn sie auf diesem Wege erfahren würden, dass sie ein Menschenleben gerettet haben und wir ihnen unendlich dankbar sind“, sagt Hans-Joachim Helisch.

Matthias Helisch ist Krankenwagenfahrer – wie seine Stuttgarter Retter

Sein Sohn Matthias konnte nach neun Tagen aus der Klinik entlassen werden. Es folgte eine mehrwöchige Reha. Seit einer Woche arbeitet Matthias Helisch nun wieder. Er ist übrigens Krankenwagenfahrer – wie seine beiden Stuttgarter Retter.

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