Chris Sträter, Fabian Schmidt, Florian Bietz, Michael Tatus: Kollegen in der Feuerwache, als Freunde auch im Urlaub gemeinsam unterwegs Foto: privat/Schmidt

Befreundete Feuerwehrkollegen fliegen jedes Jahr zusammen ein paar Tage weg. Dieses Mal sind sie schon fast auf dem Weg zum Flieger, da kommt ein Alarm auf die Lebensretter-App.

Einmal im Jahr gönnen sich acht Freunde von der Feuerwache 4 in Feuerbach eine kleine Auszeit: Sie machen ein paar Tage zusammen Urlaub. Am Dienstag soll es um halb zwei in die Luft gehen, der Flieger nach Mallorca und das Hotel sind gebucht, die Taschen gepackt. Was noch fehlt: Ein gutes gemeinsames Frühstück vor dem Start. Das soll bei einem der Kumpels stattfinden. Als Teamworker entscheiden sie sich für die Arbeitsteilung. „Vier von uns sind los zum Einkaufen an der Stuttgarter Straße im Zentrum von Feuerbach“, erzählt Fabian Schmidt, Team Einkauf.

 

Vier der acht Freunde gehen einkaufen – sie erreicht der Alarm

Doch bevor sie Brötchen, Aufschnitt und Marmelade holen können, piepst es auf den Handys der vier jungen Männer – alle sind Anfang bis Mitte 30. Es ist die App „Region der Lebensretter“, in der sie aufgrund ihrer Ausbildung registriert sind: Sie sind in der Lage, bei einem plötzlichen Herzstillstand Erste Hilfe zu leisten und das Blut weiterhin Sauerstoff transportieren zu lassen, bis der Rettungswagen kommt. „Wir sahen auf der App, dass wir nur 300 oder 400 Meter entfernt waren – und sind natürlich los“, erzählt der 31-Jährige Fabian Schmidt. An der angegebenen Adresse habe sie schon der Sohn der Patientin erwartet, der Alarm geschlagen hatte. Die Mutter lag reanimationspflichtig in der Wohnung.

„Zwei oder drei Minuten nach dem Alarm waren wir dort und konnten anfangen“, sagt der Retter. Sie machten eine Herzdruckmassage, solange bis etwa fünf Minuten später der Rettungswagen kam. In Stuttgart wird inzwischen auch immer ein Löschfahrzeug mitgeschickt. „Das war gut, man kennt die Kollegen, und die bringen einen Rettungsrucksack mit Defibrillator“, erläutert der Feuerwehrmann. Die vier Freunde haben sich dann zurückgezogen und sind in den Urlaub gestartet.

Was für „normale“ Menschen, die nicht täglich mit Gefahrsituationen zu tun haben, lange nachwirken würde, ist bei den Profis vergleichsweise schnell verarbeitet. „Natürlich ist es einem nicht egal, was mit der Person geschieht. Aber man muss auch schnell abschalten können und darf sich nicht damit verrückt machen“, sagt Schmidt. Meist erfahre man nicht, wie es weitergegangen ist. „Bei jungen Leuten geht es einem besonders nach. Wenn es sehr belastend ist, dann sprechen wir im Kollegenkreis“, so arbeite man die Fälle auf.

Tipps vom Feuerwehrmann für Lebensretter

Zum Eingreifen im Notfall rät der Feuerwehrmann: „Das Schlimmste, was passieren kann, ist ein Rippenbruch – das passiert sogar sehr oft. Aber: Das heilt wieder. Die Schäden, wenn der Organismus eine Zeit lang nicht mit Sauerstoff versorgt ist, sind größer“, erklärt der 31-Jährige.

Damit mehr Menschen in Notlagen vorm Eintreffen der Rettungskräfte geholfen werden kann, setzt die Stadt seit dem vergangenen Herbst auf die App „Region der Lebensretter“. Wer sich hier registriert, erhält eine Benachrichtigung, wenn in unmittelbarer Nähe jemand Hilfe braucht. „Das können wertvolle Minuten sein, denn auch wenn der Rettungswagen nach acht Minuten da sein kann, ist das im Ernstfall schon eine lange Zeit“, sagt Schmidt.

Bis die Profis mit dem Defibrillator anrücken, hilft eine Herzdruckmassage. Foto: dpa/Lukas Barth (Symbolbild)

Bei dem Einsatz am vergangenen Dienstag war neben dem Rettungsdienst ein Löschfahrzeug der Feuerwehr zur Unterstützung vor Ort. Im Nachgang sei die Psychosoziale Notfallversorgung zur Betreuung der Angehörigen im Einsatz gewesen.

  • In der App „Region der Lebensretter“ waren zum Stand 31. März 2025 bereits 560 Ersthelferinnen und Ersthelfer registriert. In Stuttgart wurde sie Ende Oktober 2024 eingeführt. Von diesen sind pro Tag durchschnittlich 420 einsatzbereit, teilt Daniel Anand, der Sprecher der Stuttgarter Feuerwehr, mit.
  • Seit dem Start des Projektes wurden die Ersthelferinnen und Ersthelfer 339 mal Alarmiert. Bei 88 Einsätzen habe sich niemand gemeldet. Das sei vor allem in der frühen Phase des Projekt der Fall gewesen, als noch nicht so viele Personen registriert waren.
  • In knapp der Hälfte der Einsätze waren die über die App alarmierten Personen vor den Rettungskräften am Einsatzort und konnten – so erforderlich – mit den Reanimationsmaßnahmen beginnen.
  • Die Feuerwehr wertet aus: Das Projekt „Region der Lebensretter“ konnte bereits im ersten halben Jahr in vielen Fällen überlebenswichtige Hilfe leisten. Es seien auch schon mehrere Personen bei der Feuerwehr gewesen, die sich für die schnelle Hilfe durch das System bedankten. Anand zitiert stellvertretend eine Familie: „Die Ersthelfer haben unserem Vater das Leben gerettet und uns das wertvollste Geschenk gemacht: Noch mehr gemeinsame Zeit.“